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25. November 2017 | 12:34 Uhr

Befragung : 90 Prozent leben gerne in Parchim

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ergebnisse der Bürgerbefragung ausgewertet. 310 Kreisstädter haben sich beteiligt. Verwaltung sieht Handlungsbedarf.

von
erstellt am 18.Okt.2014 | 16:00 Uhr

282 von 310 Kreisstädter, die sich an einer im Frühjahr von der Verwaltung initiierten Befragung beteiligt haben, wohnen gerne in Parchim und vergeben dafür die Noten 1-3. Mehr als jeder zweite sieht aber Handlungsbedarf bei der Belebung der Innenstadt und jeder dritte fordert mehr Engagement für die Infrastruktur (vor allem neue Radwege). Dies sind drei der Ergebnisse, die nun der Öffentlichkeit vorgelegt wurden. Bürgermeister Bernd Rolly (SPD) wollte im November zunächst nur die Stadtvertreter umfassend darüber informieren. Sein Plan stieß auf breiter Front und parteiübergreifend auf Ablehnung. Auf Drängen der Parchimer Zeitung lenkte die Verwaltungsspitze kurzfristig ein und stellte unserer Redaktion am Donnerstag alle Umfrageergebnisse zur Verfügung. „Es ist ein Vorstoß der Verwaltung, aus dem kein direkter Handlungsbedarf für die politischen Entscheidungsträger unserer Stadt abgeleitet werden kann und soll“, betont der Erste Stadtrat Detlev Hestermann. Auch deshalb sei die Entscheidung, alle Bürger der Stadt nunmehr zeitnah über die Presse zu informieren, folgerichtig.

Vor rund einem Jahr waren im Rathaus vier Arbeitsgruppen gebildet worden, um die Zukunftsfähigkeit der Stadtverwaltung zu sichern. „Wir wollen einen Leitfaden für die Verwaltung entwickeln und sind auf die Mitarbeit der Bürger angewiesen“, sagt Fachbereichsleiter Dirk Johannisson, der in der Arbeitsgruppe „Bürger“ den Hut auf hat. Zusammen mit sieben Mitstreitern wurde schließlich im Februar das Projekt „Bürgerbefragung“ gestartet. Dafür hatten ausschließlich Verwaltungsmitarbeiter nach gründlicher Diskussion 20 Fragen entwickelt. Jeder der mehr als 17 000 Parchimer – vom Kind bis zum Senior – war aufgerufen, einen vierseitigen Papierbogen oder ein Online-Formular im Internet auszufüllen. Dafür waren durchschnittlich rund 15 Minuten erforderlich. Vielfach war nur ein Kästchen anzukreuzen. Aber auch Hinweise, Kritiken und Meinungen waren gefragt.

Die medienwirksam angekündigte Aktion lief zunächst unerwartet schleppend an und wurde bis Anfang April verlängert. Am Ende lagen 310 ausgefüllte Fragebögen vor. „Wir hatten zwar mit einer größeren Beteiligung gerechnet, aber von Anfang an nicht den Anspruch, eine so genante repräsentative Umfrage durchzuführen“, ist Detlev Hestermann wichtig. Auch deshalb wurde außerhalb des Protokolls die Altersstruktur der Umfrageteilnehmer mit der prozentualen Einwohnerstatistik verglichen. Und siehe da, es gibt eine große Übereinstimmung. So haben sich beispielsweise in der Altersgruppe der 41- bis 55-Jährigen 83 Bürger beteiligt (26,95 %) und in der Stadt leben 3895 Gleichaltrige (24,1 %). Ähnlich schneiden alle anderen Altersgruppen ab.

„Niemand hatte damit gerechnet, dass unsere Mitarbeiter einen so gewaltigen Berg Arbeit bewältigen mussten. Schließlich musste die Auswertung neben den eigentlichen Dienstaufgaben erledigt werden“, gibt Dirk Johannisson zu bedenken. Dadurch sei es zu den ungewollten Verzögerungen gekommen. Am 1. Oktober war schließlich der Abschlussbericht mit allen Umfrageergebnissen fertig.

Das, was die Bürger der Verwaltung ins Stammbuch geschrieben haben, lässt aufhorchen.

So gibt es zwar viele zufriedene Bürger, die ihre Heimatstadt aber auch als „verschlafen“ und sogar „rückständig“ bezeichnen. Handlungsbedarf wird bei der Belebung der Innenstadt angemahnt. Brisant ist die Aussage, dass sich 58 Prozent nicht ausreichend in die Entscheidungsprozesse einbezogen fühlen. Vier von fünf Bürgern sind mit den Dienstleistungen der Verwaltung zufrieden. „Das ist für uns zwar überraschend, aber kein Grund zur Zufriedenheit“, so Hestermann und verspricht, daran weiter zu arbeiten. „Wir werden neue Schwerpunkte setzen. Das spielt auf jedem Fall bei Personalentscheidungen eine Rolle“, sagt Dirk Johannisson.

 


 

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