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25. November 2017 | 05:07 Uhr

800 Jahre Kloster: Einmal hin und wieder zurück

vom

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erstellt am 03.Apr.2013 | 10:02 Uhr

Dobbertin | Leise fallen sie auf den Boden. Kaum zu hören und doch hinterlassen sie ihre Spuren: Die Schneeflocken. Mit leisen Schritten kommen sie ebenfalls an. Versammeln sich um eine Säule und warten auf eine einzige Person: die Teilnehmer einer Klosterführung. In großen roten Buchstaben steht auf dieser Säule Info. Hinter Glasscheiben hängen Texte. Sie handeln von vergangenen Zeiten. Es sind Texte aus der Geschichte, aus der Vergangenheit eines einzelnen Bauwerkes: dem Dobbertiner Kloster. Die einen lesen sich die Texte durch, die anderen schauen sich schon einmal um, das Areal des Klosters ist riesig. Wiederum andere streicheln eine Katze, die sich zu ihnen gesellt hat. Sie streift um die Beine der Besucher, schnurrt leise vor sich hin, hat aber alles fest im Blick. Es ist kurz vor drei Uhr am Nachmittag, die Gäste der Klosterführung warten, denn um Punkt 15 Uhr geht’s los: Die Zeitreise in die Vergangenheit des Klosters Dobbertin.

Die Tasche um die Schulter gehängt kommt sie mit festen Schritten auf die Gruppe zu. Ein grauer Schal und eine blaue, dicke Winterjacke schützen Petra Teschner vor der winterlichen Kälte. Um die Null Grad Celsius herrschen wieder einmal. Doch davon lässt sich die Klosterführerin nicht abhalten. Zu sehr reist sie mit Interessierten in die Vergangenheit. Kurz und knapp stellt sie sich ihren Teilnehmern vor. Die Katze schleicht noch immer um die Beine der Besucher. Dann der Glockenschlag. Das Zeichen für Petra Teschner, auf das sie gewartet hat. Punkt 15 Uhr beginnt die spannende Führung, ein Spaziergang in und ums Kloster Dobbertin herum. "Ich möchte Sie einladen, auf eine gedankliche Zeitreise", beginnt die Klosterführerin ihre Rede. "Versetzen Sie sich doch bitte einmal mit mir 800 Jahre zurück. Dann muss ich aber mal schnell hier rüber gehen." Petra Teschner wechselt mit einem kleinen Sprung vom Bürgersteig an der Info-Säule auf die Straße, mit Kopfsteinpflaster versehen. "Ich hab nämlich Glück", erklärt sie und lächelt. "Ich stehe nämlich auf dem Zugang zum Kloster, einem Holzbohlenweg und Sie, Sie haben Pech: Sie stehen im Wasser", sagt sie weiter und schaut verschmitzt ihre Besucher an. Doch schon im nächsten Satz klärt Petra Teschner ihre erstaunten Gäste auf. "Das gesamte Kloster wurde 1220 von den Mönchen des Benediktinerordens gegründet. Und sie haben eine kleine Halbinsel ausgewählt, und zwar ist das genau der Platz, auf dem heute Kirche und Klausurgebäude stehen. Alles andere ist zur damaligen Zeit noch See gewesen, Schilf und Morast." Petra Teschner führt an der Info-Säule weiter in die Geschichte des Klosters ein. Sie reist vom Beginn des Klosters über die Zeit, als das Kloster ein Damenstift gewesen ist, bis hin zur heutigen Zeit: Das Kloster als Begegnungsstätte und Zentrum eines landesweiten Diakoniewerkes.

Dann schreitet die Gruppe voran: Zunächst draußen entlang, um das Kloster herum. Auch die grau-schwarze Katze wandelt mit den Besuchern auf den Spuren der Vergangenheit. Pfote für Pfote setzt sie voreinander. Schleicht noch immer um die Beine der Besucher herum, macht die Klosterführung einfach mit. Wenn die Gruppe an einem bestimmten Plätzchen anhällt, lässt sie sich wieder streicheln und schnurrt vor sich hin. Schritt für Schritt geht es vorwärts, Fuß für Fuß setzen die Besucher auf dem Kopfsteinpflaster ab. Schauen die Gebäude rings ums Kloster an. Lauschen gespannt den Worten der Klosterführerin Petra Teschner.

Die Blicke schweifen von der Klosterkirche mit dem Doppelturm auf das Klausurgebäude hinüber auf die andere Seite zum Amtshaus des Klosterhauptmanns. Von dort aus bietet sich den Teilnehmern der Klosterführung ein herrlicher Blick auf den Dobbertiner See. Wenige Minuten der Führung sind erst verstrichen, doch Petra Teschner geht noch lange nicht die Puste aus. Erzählt von der Geschichte des Klosters als Damenstift und davon wie schwierig es gewesen ist, als Frau damals einen Platz im Stift zu erhalten. "Manche Frauen haben viele Jahre auf ihren Platz gewartet, denn um einen zu erhalten, musste erst eine Stiftsdame sterben. Und schon damals sind die Frauen an die 90 Jahre alt geworden - das war keine Seltenheit", erzählt Petra Teschner, die seit acht Jahren schon diese Führung am Kloster Dobbertin vornimmt.

Noch immer fallen leise die Schneeflocken auf den Boden. Auf dem See ist auch von weitem eine dünne Eisschicht zu erkennen. Nur vereinzelt ziehen Enten ihre Bahnen. Die Gruppe wandert weiter - von einem Punkt zum nächsten. Hier und da werden Fotos gemacht, als Andenken an eine Klosterführung in Dobbertin. Die Wangen sind leicht gerötet, die Nasen sind rot. Doch jemand fehlt: Die Katze hat sich an einem der Backsteinmauern ein ruhiges Plätzchen gesucht, nimmt nicht mehr an der Führung teil. Sie ruht sich aus, putzt ihre Samtpfoten am Rande eines Weges.

Von einem kleinen Zaun geschützt, steht er da: noch ohne Blätter, aber Petra Teschner verspricht, dass der Tulpenbaum im Sommer ein wahrer Augenschmaus sein wird. "Ich empfehle Ihnen, im Sommer noch einmal an einer Führung teilzunehmen, um dann den Baum in seiner vollen Pracht zu bewundern", so die Klosterführerin. Der Tulpenbaum des Klosters Dobbertin spielt auch in den Briefen eines großen deutschen Dichters eine wichtige Rolle: Kannte er diesen doch sehr gut, schließlich hat er ihn aus einem der Klosterzimmer durchs Fenster betrachtet: Theodor Fontane war immer mal wieder Gast im Damenstift, denn hier lebte eine sehr enge Freundin von ihm: Mathilde von Rohr.

Stille herrscht, unheimlich nahezu. Das findet auch Klosterführerin Petra Teschner, als sie mit den Besuchern im Refektorium steht. "Wenn Sie mal ganz genau lauschen, werden Sie eines bemerken: Sie hören nichts. Es ist schon fast eine unheimliche Stille hier drin." Die Klosterführerin wandelt mit ihren Gästen durch die Kreuzgänge des Klosters. Hier und da gibt es an den Wänden Informationen zur Klostergeschichte, hier und da halten die Besucher an, schauen sich alles genau an und knipsen ein Foto. Wieder ein Andenken fürs Fotoalbum. Es ist kurz vor halb fünf: Petra Teschner hat die Besucher einmal ums Kloster herum, durch die Kirche und die Kreuzgänge geführt. Einmal 800 Jahre Kloster: Hin und wieder zurück sind sie alle geschritten. Draußen fallen sie immer noch leise zu Boden: Schneeflocken.

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