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„Schnauferl-Rallye“ : 64 motorisierte Träume bewundert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Die Teilnehmer an der „Schnauferl-Rallye“ kamen zum Mittagessen am Lübzer Amtsturm und genossen das Ambiente der Stadt.

Im Rahmen der mittlerweile neunten, in Demen gestarteten „Schnauferl-Rallye“ mit bis auf ein 311er Wartburg-Cabriolet durchweg vor 1945 gebauten Fahrzeugen hielten die 64 Schätze am Sonnabend unter anderem in Lübz – je zur Hälfte Autos und Motorräder, die ältesten bald 100 Jahre alt.

Die Zahl der Besucher dieser besonderen Veranstaltung hielt sich zwar in Grenzen, aber wer kam, war in der Regel hellauf begeistert. Einen Favoriten zu benennen dürfte angesichts der gezeigten Vielfalt jedem schwer fallen. Fest steht, dass der 1933 gebaute 290er Mercedes W18 von Horst Taube aus Berlin immer wieder besonders bewundert wurde. Er hat den luxuriösen, einst in der Bundeshauptstadt ausgelieferten Wagen, der den Krieg in der Tschechei überstand, wieder zu dem gemacht, was er auch im Original war: „Als ich ihn 2000 in Hildesheim kaufte, sah er traurig aus, weil der Vorbesitzer die Restaurierung in großen Teilen mehr schlecht als recht vorgenommen hatte.“ Das Auto musste unter anderem neu lackiert werden und erhielt eine komplett neue Innenausstattung, mit der ein alter, mittlerweile leider schon verstorbener Polsterermeister sein ganzes Können zeigte. Von genanntem Modell, angetrieben von einem 60 PS starken Sechszylinder-Motor mit fast drei Litern Hubraum, wurden rund 3600 Stück hergestellt. Existent sind maximal noch sechs Stück.

Wer wollte, erfuhr auch menschlich interessante Begebenheiten. Nach 60 Jahren Ehe trifft der Tod seiner Frau Günter Naumann aus Hoyerswerda hart. Zwei Tage vor Weihnachten trifft er im Kaufhaus eine Frau, kommt mit ihr ins Gespräch und erfährt: „Mein Mann ist auch gerade gestorben.“ Kurze Zeit später treffen sich beide zum Kaffeetrinken. Nicht nur die aus Moskau stammende Gattin eines früher in der DDR stationierten Offiziers der Roten Armee war jetzt mit bei dem Treffen, sondern auch ihr Enkel, der in der russischen Hauptstadt studiert. Weil ihr mittlerweile 80-jähriger Partner ein neues Kniegelenk bekommen hat und derzeit kein Motorrad fahren kann, lud er seine „Exelsior“ auf einen Anhänger, um wenigstens so dabei zu sein.

Übrigens: Das außergewöhnlichste Auto der gesamten Runde war ein vor dem Rathaus geparkter Kleinwagen der Marke AGA von 1924, was kaum jemand gedacht haben dürfte – Rallye-Organisator Michael Przibilski zufolge ist es das einzige noch existierende Exemplar.

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erstellt am 28.Mai.2017 | 20:30 Uhr

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