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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

15. Dezember 2017 | 15:12 Uhr

Goldberg : 500-jährige Weihekreuze entdeckt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Goldberger Stadtkirche: Erster Bauabschnitt der Sanierung läuft und liegt gut im Plan. Dachziegel als Kerzenhalter bringen Einnahmen, die für den Eigenanteil wichtig sind.

von
erstellt am 21.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Während in einer Kirche eigentlich liturgische Gesänge, Orgelmusik oder andächtige Stille herrschen, ist es in der evangelischen Stadtkirche in Goldberg, die aus der 12./13. Jahrhundert stammt, derzeit anders. Hier beherrschen Werkzeuge wie Kreissäge, Hammer und Meißel tagsüber das Geschehen. Der erste Bauabschnitt der geplanten Sanierung läuft und liegt im Plan.

„Ja, es klappt bestens, bislang gab es auch keine bösen Überraschungen, die bei der Sanierung alter Bauten mitunter zutage kommen“, bestätigt Annett Ohm, Bauleiterin und Architektin bei einer Bauberatung am vergangenen Freitag. Sie hat sich auf Altbausanierung spezialisiert, und dazu gehört auch die Stadtkirche der Mildenitzstadt. Gemeinsam mit den Kirchenältesten Uwe Dahl und Harry-Kurt Nast sowie Pastor Christian Hasenpusch wird der Fortgang der Arbeiten in luftiger Höhe auf dem Gerüst begutachtet. Mitarbeiter der Neumühler Bauhütte GmbH sägen dicke Balken passgenau und wechseln einige Deckenbalkenköpfe, Sparrenköpfe und Aufschieblinge aus. „Das Holz ist relativ gut erhalten, kein Schwamm oder ähnliches ist vorhanden, dennoch muss einiges ausgewechselt werden, denn der Zahn der Zeit hat hier und da doch seine Spuren hinterlassen“, heißt es. An anderer Stelle ist die Diagonalstrebe vom senkrechten Drempel getrennt und stattdessen ein Zuganker eingesetzt. „So wird der Druck anderweitig abgefangen und der Drempel entlastet“, erklärt Tischlermeister und Kirchenältester Harry-Kurt Nast.

Ursprünglich sollte das Dach in mehreren Schritten erneuert werden, „doch wir haben uns entschieden, nun alles in einem Ritt durchzuführen“, sagt die Architektin. Aus drei langen Brettern haben die Bauleute eine schmale Rutsche gebaut und lassen einen Dachziegel (Biberschwänze) nach dem anderen herunter. Nach dem Aschenputtelprinzip kommen die guten ins Töpfchen, sprich werden wiederverwendet, während die anderen in den Container wandern. Rund 27  500 Biberschwänze, so diese Dachziegel, werden abgenommen und wieder aufgebracht, wenn die Dachkonstruktion einschließlich der neuen Dachlatten fertig ist. Knapp drei Kilometer Länge weisen insgesamt die Dachlatten auf dem Dachstuhl aus. „Einige der alten Biberschwänze haben wir zu rustikalen Kerzenhaltern umgebaut, bieten diese zum Verkauf an und finanzieren so auch unseren aufzubringenden Eigenanteil“, erzählt Pastor Hasenpusch.

Auch wenn bislang keine Dinge, die den Baufortschritt oder die Kosten negativ beeinflussen, aufgetreten sind, so gab es doch Überraschungen. „In der Tat. In der Kirche haben wir nach dem Abnehmen von Sauerkrautplatten an der Wand im Chorraum Weihekreuze entdeckt“, sagt der Pastor und zeigt auf eines. Diese, aus gebogenen Linien bestehenden Kreuze sind von einem Kreis umschlossen und stammen noch aus katholischen Zeiten, also vor der Reformation vor über 500 Jahren. Zwölf Stück wurden in den Stein geritzt und koloriert. Apropos ritzen, in der Fassade sind ebenfalls verschiedene Namen eingeritzt. Sie stammen von einstigen Handwerkern, die sich nach früheren Sanierungsarbeiten auf diese Weise verewigt haben.

Der erste Bauabschnitt soll etwa im November beendet sein. Im nächsten Jahr folgt der zweite. Dann soll das Kircheninnere saniert werden. Insgesamt werden rund 650  000 Euro für die Maßnahmen veranschlagt. „Während die Hälfte, 325  000 Euro, vom Bund kommt sind 140  000 Euro sogenannte Patronatsmittel der Kirche. „155 000 Euro sind Eigenmittel und um diese aufzubringen, hoffen wir auf Spenden und viele Sponsoren“, sagt der Pastor.

Etliche Ideen hatte auch der gebildete Freundeskreis eingebracht und so sehen alle optimistisch in die Zukunft.

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