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Zeitung für Lübz, Goldberg, Plau

18. November 2017 | 20:57 Uhr

Bildung : 2500 nutzen Chancenangebot nicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für Lübz – Goldberg – Plau

Bildungs- und Teilhabepaket: Landkreisweit gibt es etwa 8000 leistungsberechtigte Kinder / Zwei Drittel profitieren bereits von den Hilfen

von
erstellt am 14.Jan.2015 | 22:00 Uhr

Damit kein Kind aus dem gesellschaftlichen Leben, aus Sport, Kultur und Bildung ausgeschlossen wird, wurde 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) eingeführt. Noch gibt es im Landkreis viele Mädchen und Jungen, die die Vergünstigung nicht nutzen. Dabei ist es Ziel, dass alle Kinder und Jugendlichen von Anfang an und überall mitmachen können, ob in der Kita, der Schule oder in der Freizeit. Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungspaket hat nicht jeder. Er besteht jedoch immer dann, wenn Eltern oder ihre Kinder leistungsberechtigt sind nach den SGB II (insbesondere Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld), Sozialhilfe nach dem SGB XII oder nach §2 Asylbewerberleistungsgesetz oder Wohngeld bzw. Kindergeld nach dem BKGG beziehen.

Das Bildungs- und Teilhabepaket bedeutet eine Förderung durch finanzielle Unterstützung, die in jedem Fall den Kindern zugute kommen soll. Möglich ist das auf vielfältige Art. Monatlich bis zu zehn Euro stehen etwa zur Verfügung, damit Kinder aus finanziell benachteiligten Familien an Angeboten in den Bereichen Kultur, Sport und Freizeit partizipieren können. Etwa wenn sie im Verein Sport treiben oder die Musikschule besuchen möchten. Zuschüsse zu einem Eigenanteil von einem Euro gibt es auch für Mittagessen in Kita, Schule und Hort. Für Schulmaterialien können Leistungsberechtigte im ersten Schulhalbjahr 70, im zweiten Halbjahr 30 Euro erhalten. Desweiteren gibt es über das Bildungs- und Teilhabepaket finanzielle Unterstützung zur Lernförderung, etwa wenn die Versetzung gefährdet ist. Und selbst für Tagesausflüge oder Klassenfahrten und für die Schülerbeförderung können finanzielle Hilfeleistungen in Anspruch genommen werden.

Sie werden es jedoch nicht in jedem Fall, wie Tobias Wüstenhagen, Koordinator BuT beim Landkreis, erklärte. Aktuelle Zahlen machen das deutlich: Landkreisweit gebe es momentan etwa 8000 leistungsberechtigte Kinder. „Für etwa zwei Drittel haben die Eltern die entsprechenden Anträge gestellt. Das andere Drittel kennt das BuT möglicherweise nicht, weiß nicht, wohin es sich wenden muss und welche Schritte zu unternehmen sind, möchte Hilfen aus dem BuT nicht in Anspruch nehmen oder hat andere Gründe“, so Wüstenhagen.

Das mit dem Wohin sei im Grunde aber einfach und in zwei Sätzen erklärt: Hartz IV-Empfänger stellen die jeweiligen Anträge im Jobcenter, was in der Regel ohnehin automatisch läuft. Familien, die Wohngeld, Kinderzuschlag oder Hilfe zum Lebensunterhalt beziehen, wenden sich mit ihren Anträgen wiederum an den Landkreis, und hier an den Fachdienst Soziales in Parchim. Das heißt nicht, dass Antragsteller aus Plau am See, Dömitz, Boizenburg oder Blankenberg dafür unbedingt bis nach Parchim fahren müssen. Die Anträge liegen auch in den wesentlich näheren Bürgerbüros und in den Wohngeldstellen aus. Sie müssen ausgefüllt, in einen Umschlag gesteckt und an den Landkreis geschickt werden. Das übernehmen gern auch die Einrichtungen. Wichtig wäre dann nur der Vermerk „BuT“ auf dem Umschlag, denn andernfalls könnte die Zustellung unnötig lange dauern. „Wir haben die Kriterien weitergegeben, so dass die beteiligten Bereiche Bescheid wissen. Und davon müssen wir auch ausgehen“, so Wüstenhagen. Mit Einführung des BuT habe es ein große Kampagne gegeben, Medien haben umfangreich und wiederholt berichtet. Und auch auf dem Internetportal des Landkreises kann man sich aktuell informieren. „Oft hieß es auch, die Anträge seien zu kompliziert. Ich muss sagen, der Antrag zum BuT umfasst lediglich zwei Seiten und ist nicht vergleichbar mit Anträgen zur Grundsicherung oder Hilfen zum Lebensunterhalt“, will Tobias Wüstenhagen potenziellen Antragstellern die Bürokratie-Angst nehmen. „Ansonsten sind meine drei Kollegen in der Verwaltung und auch die Mitarbeiter im Jobcenter gern behilflich.“

Um Eltern, deren Kinder sowie die Leistungserbringer (Vereine, Essenanbieter, Musikschulen, Einrichtungen der Nachhilfe…) die Nutzung und Abrechnung der BuT-Leistungen zu erleichtern, war im August 2013 die Bildungskarte eingeführt worden. Die kommt nicht wie ein amtliches Schreiben, sondern eher wie eine Kreditkarte daher und nimmt so vielen die Schwellenangst. „Mit ihr hoffen wir noch mehr Kinder und Jugendliche zu motivieren, die ihnen zustehenden Leistungen zu nutzen“, so Tobias Wüstenhagen. 2000 Bildungskarten etwa sind im Landkreis seit November letzten Jahres in Nutzung. „Momentan sind wir dabei, auch den Kita-Bereich umzustellen, was in etwa die Hälfte aller leistungsberechtigten Kinder ausmacht.“

Etwa zwei Drittel aller Leistungen, die über das BuT möglich sind, können derzeit über die Bildungskarte abgerechnet werden. Dazu ist es notwendig, das sich die Anbieter registrieren. Das entsprechende Handbuch kann man sich unter www.but-konto.de herunterladen; Informationen sind auch auf der Homepage des Landkreise hinterlegt.

Eingereichte Anträge sollten in der Regel binnen zwei Monaten bearbeitet sein. „Es kann zu Verzögerungen kommen, weil die Antragsdichte sehr hoch ist“, räumt Tobias Wüstenhagen ein. „Mein Tipp wäre daher, Ansprüche so früh wie möglich geltend zu machen.“

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