Obstanbau in Ruthen : 2000 „saure“ Früchtchen gepflanzt

Für das Pflanzen in einer Flucht braucht es viele Helfer.  Fotos: sabrina panknin
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Für das Pflanzen in einer Flucht braucht es viele Helfer. Fotos: Sabrina Panknin

Obstbau Stralendorf mit Standort in Ruthen bei Lübz setzt auch 26 Jahre nach der Wende noch immer auf alle Kulturen

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20. April 2017, 21:00 Uhr

Der Wind peitscht, der Regen auch. Und dann noch die Kälte. Unaufhörlich sind die zwölf Helfer auf dem Acker unterwegs. Mitten unter ihnen Jens Strube, Juniorchef beim Obstbau Stralendorf. Er koordiniert die Pflanzaktion von insgesamt 2000 neuen Sauerkirschen. „Die Fläche ist gut 2,3 Hektar groß und gut geschützt vor Wind und Regen“, erzählt er vor Ort. Aber eisig bleibt es. Zwischendurch können die Helfer aufatmen, der Regen hat nachgelassen, doch dann plätschert es wieder aus vollen Eimern. Die Bäume aber müssen in die Erde.

In Reih und Glied liegen die Kirschbäume auf dem vorbereiteten Boden. Langsam nähert sich der Trecker. Stopp. Jetzt wird das Pflanzloch gebohrt. Vorsichtig gräbt sich der Erdlochbohrer in den Boden, schleudert Mutterboden zur Seite. „Wir bohren einen Meter tief. Eigentlich brauchen wir nur 60 Zentimeter. Aber für die Wurzeln ist es besser, wenn wir tiefer bohren. Unten kommt noch Mist rein“, erklärt der Juniorchef. Wenn das Pflanzloch vorbereitet ist, sind die Helfer gefragt – und die Bäume. Die Kirschen kommen nach und nach in Boden. Jetzt aber Vorsicht. Alle Bäume müssen in einer Flucht stehen. Es soll auch gut ausschauen, wenn Auto- oder Radfahrer sowie Spaziergänger am Standort in Ruthen – unmittelbar an der L17 zwischen Lübz und Passow – vorbeikommen.

Umbau der Stralendorfer Verkaufshalle

Im gut 60 Kilometer entfernten Stralendorf bei Pampow – dem Sitz des Unternehmens – wird ebenfalls fleißig gearbeitet. Die Verkaufshalle ist ausgeräumt. „Aber keine Angst, den Obstbau Stralendorf wird es weiterhin geben“, erzählt Walter Strube, um alle aufkommenden Gerüchten den Garaus zu machen. Alles hat seine Zeit, auch eine Verkaufshalle. Deshalb wird diese derzeit renoviert und umgebaut. „Unsere Kunden bekommen während des Umbaus alles, was sie vorher auch bekommen haben“, erklärt Mitarbeiterin Gabriele Rau. Die Kunden müssen einfach weiter auf den Hof fahren, dann finden sie alles.

Ob in Stralendorf, Wittenburg oder Ruthen – bei Walter Strube laufen alle Fäden zusammen. „Alle drei Annahmestellen haben Bestand“, verdeutlicht der Unternehmer, dem es wichtig ist, zu betonen, dass sein Obstbau noch immer alle Kulturen anbietet. „Wir haben hier auch mehr als 200 Bienenvölker.“ Also Honig aus eigener Produktion gibt es ebenfalls. Die Angebotspalette ist breit. „Wir würden uns auch freuen, wenn uns wieder Schulklassen besuchen. Hier können die Kinder hautnah Natur erleben und lernen, wie zum Beispiel eine Blüte aufgebaut ist“, sagt Walter Strube.

Regionale Produkte an drei Standorten

Am Standort Ruthen geht es unterdessen weiter. Die Sauerkirschbäume sind gepflanzt. Bis sie allerdings Früchte tragen, wird es noch dauern. Auf einer anderen Fläche wird derzeit aufgeräumt. Einige Obstbäume – Apfelbäume und Süßkirschen – wurden gerodet. „Die normative Laufzeit, also die Lebensdauer von zirka 25 Jahren, war erreicht. Deshalb haben wir die Bäume gerodet“, erklärt Walter Strube. Und: Der Pachtvertrag für die Fläche ist ausgelaufen. „Der Eigentümer hat an einen Landwirt verkauft“, erklärt der Seniorchef. Am Standort Ruthen wird sich nichts ändern, der Obstbau bleibt auch dort bestehen. „Wir werden weiterhin alles anbieten.“ Auch das Tauschgeschäft. Wer zu viel Obst hat, kann es in Ruthen, Stralendorf oder Wittenburg abgeben und erhält dafür Saft.

Regionale Produkte – das ist das Erfolgsrezept vom Obstbau Stralendorf. Auch 26 Jahre nach der Wende. Wenn sich hoffentlich bald das Aprilwetter vom Acker macht, geht es beim Obstbau Schlag auf Schlag weiter – dann startet die Saison der Selbstpflücker. Erdbeeren, Süß- und Sauerkirschen, Pflaumen, Äpfel und Birnen warten auf ihre Abnehmer.

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