Hindernis-Abbau in Schwerin : Zwischen Stolperfalle und Barriere

Problemfall Markt: Historisches Kopfsteinpflaster sieht gut aus, ist aber für Rollstuhlfahrer nur schwer passierbar. Klawitter
Problemfall Markt: Historisches Kopfsteinpflaster sieht gut aus, ist aber für Rollstuhlfahrer nur schwer passierbar. Klawitter

Zugänglichkeit für alle wird es in Schwerin nie geben. Das ist das Fazit von Manfred Rehmer. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates beurteilt und berät die Stadt seit Jahren in Sachen Barrierefreiheit.

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30. Mai 2013, 10:36 Uhr

Schwerin | Zugänglichkeit für alle wird es in Schwerin nie geben. Das ist das Fazit von Manfred Rehmer. Der Vorsitzende des Behindertenbeirates Schwerin beurteilt und berät die Stadt seit Jahren ehrenamtlich unter anderem in Sachen Barrierefreiheit. Damit setzt er sich für die Belange der mehr als 20 000 Behinderten und Schwerbehinderten in der Landeshauptstadt ein.

Rehmer ist zufrieden: "Der Nahverkehr ist in Schwerin zu 100 Prozent barrierefrei" genauso wie der Hauptbahnhof - im Humboldthaus des Zoos hat es dagegen lange gedauert. Behinderte kommen in der Landeshauptstadt zwar gut voran, aber "Barrierefreiheit zu schaffen, ist eine permanente Aufgabe" und die stetige Suche nach dem Kompromiss - auch zwischen den verschiedenen Behinderungen. Was für die einen eine Stolperfalle ist, kann für Menschen mit Handicap wichtig sein. Ein Beispiel: Zwar würden Gehbehinderte auf einem stufenfreien Marienplatz nicht mehr straucheln, allerdings würden Seebehinderte ohne Orientierungskanten auf dem zentralen Platz herumirren. Immer wieder kritisieren vor allem ältere Menschen die drei Zentimeter hohen Orientierungskanten auf dem Marienplatz(SVZ berichtete). Anders verhält es sich in der Mecklenburgstraße. "Hier sind die für Sehbehinderte nötigen drei Zentimeter eingehalten", sagte Rehmer. Von dortigen Schwierigkeiten habe er noch nie gehört. "Erst in Wechselwirkung mit zahlreichen Hindernissen erfahren Menschen eine Behinderung", so Rehmer weiter. "Eine Behinderung ist keine persönliche Eigenschaft."

Ein weiteres Beispiel: In der historischen Altstadt wird das charakteristische Kopfsteinpflaster immer wieder zur Stolperfalle. So seien die Behindertenparkplätze vor dem Stadthaus, am Finanzamt und am Arsenal fast unpassierbar, wie unsere Leserin Sabine Schult schreibt. "Alle sind nur mit viel Mühe wegen des Kopfsteinpflasters zu nutzen." Auch der zentrale Markt ist für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte sowie viele Multiple-Sklerose-Patienten fast unpassierbar. Wer betroffen sei, komme sich vor wie jemand, der zu einer Party eingeladen ist, und nicht durch die Tür passt, sagt Gudrun Schäfer, Vorsitzende der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft MV.

Manfred Rehmer sieht weitere Herausforderungen auf Schwerin zukommen: "Ein Problem besteht beim Wohnen für Menschen mit Behinderungen und bei der Beschaffung von Wohnraum für das Alter. Wenn wir diesbezüglich heute nicht dafür Sorge tragen, dann müssen wir morgen dafür Pflege- und Altenheime bauen." An dieser Stelle ist der Seniorenbeirat der Landeshauptstadt allerdings anderer Meinung. Die Stadt sei für die alternde Bevölkerung gut aufgestellt, sagt der stellvertretende Vorsitzende Siegfried Schwinn.

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