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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. September 2017 | 03:07 Uhr

Schwerin : Zwischen Spielzeug und Windeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gunhild Nienkerk führt seit acht Jahren ihr eigenes Café – und bietet jungen Familien einen Wohlfühl- und Rückzugsort in der Altstadt

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2017 | 14:00 Uhr

„Schuhe aus“ heißt es für jeden, der ins „Mama Chocolate“ kommt. Ob Baby, Mama oder Papa: Im Stillcafé in der Friedrichstraße ist die ganze Familie willkommen. „Mein Ziel ist es, jungen Eltern einen Rückzugsort in Schwerin zu bieten“, erzählt Inhaberin Gunhild Nienkerk. Das klappt: Seit acht Jahren gibt es das „Mama Chocolate“ jetzt, vor vier Jahren wurden die Räumlichkeiten sogar vergrößert. Doch wie ist das eigentlich in einem Stillcafé?

Oskar freut sich. Der Einjährige sitzt bei seiner Mutter Nina auf dem Schoß und nuckelt an seiner Flasche. Die ist gemeinsam mit ihrer Freundin Juliane und deren Tochter Charlotte Stammgast im Café. Seit April kommen die beiden Schwerinerinnen zu Nienkerk. „Gunni ist klasse. Man merkt ihr richtig an, dass ihr dieser Ort Spaß und Freude bereitet“, sagt Nina. Oskar wackelt ungeduldig mit dem Kopf und steht auf. Mit der Flasche in der Hand erkundet er die Spielfläche. Spielzeug findet er dort zuhauf: Klassisches Holzspielzeug, das besonders die Eltern bevorzugen, gibt es ebenso wie Plastikspielsachen in bunten Farben. „Ich möchte mich nicht auf irgendein bestimmtes Spielzeug festlegen. Die Kinder sollen selbst entscheiden, mit was sie spielen wollen“, erzählt Nienkerk. Viele der Sachen, mit denen ihre jungen Gäste spielen, habe sie von Müttern bekommen, die das Spielzeug nicht mehr brauchen würden.

Doch Oskar möchte heute nicht spielen. Er erkundet lieber den vorderen Bereich des Cafés. Die elf Monate alte Charlotte lässt sich von Oskars Erkundungstour nicht beirren und bleibt ganz ruhig auf dem Schoß ihrer Mama Juliane sitzen. Nach kurzer Zeit kommt ihr Freund Oskar zurück. Mit der Hilfe seiner Mama isst der Einjährige die Nudeln, die Gunhild Nienkirk kurz vorher zubereitet hat. Genüsslich kaut der kleine Wirbelwind und macht sich wieder aus dem Staub.

„Bei mir sollen sich Kinder beschnuppern und Eltern austauschen können“, erzählt die „Mama-Chocolate“-Chefin. Dazu gehören auch die Erfahrungen beim Stillen oder Windeln wechseln. Oskar und Charlotte brauchen heute weder das eine noch das andere. Viele andere Gästen nutzen diese Option aber, die das Stillcafé von den anderen Cafés der Stadt unterscheidet. Denn: Stillen und Windeln wechseln sind hier gestattet und gewünscht. „Im Sanitärbereich haben wir einen Wickeltisch. Doch viele Mütter wechseln auch einfach direkt auf der Spielfläche die Windeln“, erklärt die Besitzerin. Jeder ihre Gäste wisse um die Bedürfnisse der jüngsten Besucher. „Das stört niemanden.“

Entstanden ist die Idee zu „Mama Chocolate“ auf der Reise um den Globus. „Ich bin mit meinem jetzt 17-jährigen Sohn früher viel gereist. Dabei habe ich festgestellt, dass Kinder in anderen Ländern in der Gastronomie herzlicher empfangen werden als hier. Das wollte ich ändern“, erzählt die Schwerinerin. Das ist ihr gelungen, sind Juliane und Nina einig. „Auch wenn Oskar in die Kita geht, werden wir uns hier treffen. Dann zwar nicht mehr so oft, aber bestimmt einmal alle zwei Wochen“, versichert Nina. Gunhild Nienkerk freut sich über das Lob. „Es ist schön, wenn andere Menschen die eigenen Gedanken teilen“, sagt sie. „Ich genieße jeden Augenblick. An ,Mama Chocolate’ hängt mein Herz.“

Oskar ist mittlerweile wieder auf Erkundungstour, während Charlotte sich an ihre Mama kuschelt. „Für uns ist dieser Ort der perfekte Treffpunkt“, sagt Oskars Mama Nina. Besonders das Verständnis und die vielen Gemeinsamkeiten mit anderen Gästen würden das Café zu einem besonderen Ort in Schwerin machen. Einem Ort, an dem sich Charlotte und Oskar in einer Woche wiedersehen – mit ihren Müttern. Und mit Gunhild Nienkerk.

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