Wertvolle Biotope : Zwischen Säge und Lebensraum

Wo ist der Burgsee? Zur Gartenschau 2009 durften diese Sträucher heruntergeschnitten werden. Nach fünf Jahren verdecken sie wieder den Blick auf See und Schloss.
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Wo ist der Burgsee? Zur Gartenschau 2009 durften diese Sträucher heruntergeschnitten werden. Nach fünf Jahren verdecken sie wieder den Blick auf See und Schloss.

Stadt will Ufergehölze im Burgsee kappen, der BUND hat den Schutz des Biotops per Gericht durchsetzen lassen

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14. Dezember 2014, 19:20 Uhr

Der Stadtspitze ist das „Dickicht“ im Burgsee ein Dorn im Auge, weil es den freien Blick auf das Schloss vereitelt. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist das Ufergehölz entlang der Graf-Schack-Allee ein Naturschatz, in dem seltene Vögel, Insekten und Pflanzen zu Hause sind.

Nachdem die Stadtvertretung entschieden hatte, die Gehölze erneut zu kürzen, um die für die Unesco-Weltkulturerbe-Bewerbung wichtige Sichtachse auf das Schloss zu sichern, stellte sich der BUND erneut zwischen Säge und Gewächs und ließ per einstweiliger Verfügung die Abholzung stoppen (SVZ berichtete).

„Die Ufergehölze am Westufer des Burgsees vis-á-vis des Schlosses werden durch die Stadt immer wieder auf den Stock gesetzt, obwohl der BUND mit der Stadt in einem Gerichtsverfahren zur der Buga 2009 den unbeeinträchtigten Erhalt dieser Areale vereinbart hat“, kritisiert Arndt Müller, Landesvorstandsmitglied des Bundes. Im Zuge der damaligen Baumaßnahmen seien neben weiteren gesetzlich geschützten Biotopen auch 731 Quadratmeter des betreffenden Gehölzsaumes beseitigt worden.

Aber was macht das unscheinbare Dickicht so wertvoll? Wo sich zurzeit nur bizarre Äste in den Dezemberhimmel recken, besticht das Gebüsch im Frühjahr mit einem Ohrenschmaus. Das Schwirren und Surren der Insekten gibt einen lebendigen Eindruck von der Welt zwischen Wurzeln und Zweigen. Wildbienen, Honigbienen und Hummeln können sich nach einem langen Winter an den Weidenkätzchen endlich wieder sattfuttern – und helfen den Weiden bei der Fortpflanzung. Im Frühjahr erhebt auch die Nachtigall ihre Stimme. Jungfische und unzählige kleine Wasserorganismen bereiten sich im Schutz des Unterwasserdickichts auf den Start ins Erwachsenenleben vor, berichten die Experten vom BUND. Über der Wasseroberfläche jagen Fledermäuse in den Ästen. Viele Singvogelarten verstecken sich zwischen Blättern, Ästen und Röhricht. Der Schilfrohrsänger stillt seinen Hunger. Der Teichrohrsänger zieht seine Brut auf. Und im Herbst geben Amsel und Buchfink ein besinnliches Konzert. In den kalten Monaten lassen Vögel wie Zilpzalp ihre Stimmen hören. Tafelenten, Reiher- und Kolbenenten und Fischreiher suchen den Schutz der Zweige. Die hohlen, luftgefüllten Wurzeln der Weiden transportieren lebenswichtigen Sauerstoff und sichern so bei Überschwemmung die Belieferung der sonst von der Sauerstoff-Versorgung abgeschnittenen Biotopregionen. Weidengebüsche gelten als Überlebensstrategen, denn ihre sehr biegsamen Triebe trotzen den Naturgewalten des Wassers. Die mehrere Meter hohen Weidenbüsche werfen lange Schatten auf den Burgsee, bremsen die Verkrautung und beschleunigen den Abbau von Nitrat und Phosphor – wichtig gegen die Gewässerüberdüngung. Die Wurzeln stabilisieren das Ufer. Im heißen Sommer sorgt die Ufervegetation für Kühle, die auch in der Stadt zu spüren ist. Werden die Gehölze nun zurückgeschnitten, verlieren sie ihre Wirkung.

„Nach dem Naturschutzausführungsgesetz MV gehören standorttypische Gehölzsaume an stehenden Gewässern zu dem gesetzlich geschützten Biotop Verlandungsbereiche stehender Gewässer“, erläutert Arndt Müller. Das Weidengehölz im Burgsee zähle dazu. „Wir sehen keine fachliche Grundlage dafür, dass die Stadt von unserem damals gefundenen Kompromiss abweichen kann“, ergänzt BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag.



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