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Wir begleiten junge Freiwillige : Zwischen Jobsuche und Berufung

vom

Louisa, John und Jan Erik starten in ein Freiwilliges Soziales Jahr. Unsere Zeitung begleitet die drei Jugendlichen in der Landeshauptstadt auf ihrem besonderen Weg zur Berufswahl.

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2012 | 07:14 Uhr

Schwerin | Ihre Kollegen haben sie schon ins Herz geschlossen. Seit September macht Louisa Appel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Dreescher Werkstätten in Schwerin-Süd. Die 17-Jährige aus Dalberg unterstützt die Mitarbeiter bei der Montage von Kabelverbindungen, hilft ihnen beim Essen, teilt ihre Freuden und ihren Alltag. "Ich bekomme viel zurück, erfahre eine große Dankbarkeit", sagt Louisa. Die Arbeit mit den behinderten Menschen sei sehr berührend.

Louisa hat das Schweriner Sportgymnasium in diesem Jahr mit der Mittleren Reife verlassen. Was sie beruflich einmal machen möchte, weiß die 17-Jährige noch nicht so genau. Deshalb habe sie sich für ein FSJ entschieden. "Eine Freundin hat mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht", erklärt Louisa, die sich auf der Suche nach einem Träger an den Inter nationalen Bund (IB) wandte. Anika Thormann, zuständige Mitarbeiterin beim IB in Schwerin, habe dann nach einem Vorstellungsgespräch den Kontakt zu den Dreescher Werkstätten hergestellt.

In der Einrichtung der Werkstätten in der Bunsenstraße hat Louisa schließlich ein Probetraining absolviert. "Mir wurden immer wieder neue Aufgaben übertragen, und ich habe festgestellt, dass mir die Arbeit mit Behinderten liegt", berichtet die Dalbergerin. Inzwischen könne sie sich auch gut vorstellen, mal einen Beruf im sozialen Bereich zu ergreifen.

Ein soziales Händchen hat auch John Sadetzki. Der 16-jährige Schweriner leistet ein FSJ in der Kita "Gänse blümchen" in der Weststadt. "Ich spiele mit den Kindern und helfe ihnen bei den Mahlzeiten", erzählt John, der in diesem Jahr seinen Realschulabschluss an der Bertolt-Brecht-Schule gemacht hat. Noch ist der 16-Jährige in der Krippe eingesetzt. Nach und nach soll er aber alle Bereiche der Kita kennen lernen. Auch John fand seine FSJ-Stelle mit Hilfe des IB. "Die Betreuung von Kindern bereitet mir viel Freude. Als Erzieher zu arbeiten, könnte eine echte Berufsperspektive für mich sein", schwärmt der 16-Jährige.

Jan Erik Martens hat sich bereits entschieden, was er beruflich machen will: "Ich möchte Geschichtslehrer werden", sagt der 20-jährige Schweriner. Aber gleich nach dem Abitur am Goethegymnasium beim Studium schon wieder Fachwissen zu pauken, das habe er auch nicht wollen. So sei ihm ein FSJ als ideale Form der Überbrückung erschienen, schildert Jan Erik. Und er fand eine passende Beschäftigung. Anika Thormann vermittelte den 20-Jäh rigen nämlich an das Ecolea-Gym na sium in der Landehauptstadt. Dort kümmert sich der Schweriner um Gastschüler aus China, gibt ihne n unter anderem Nachhilfe. "Das ist meine Stelle. Ich kann Verantwortung überneh men und mich vielleicht auch mal als Lehrer vor einer Klasse ausprobieren", betont Jan Erik.

Seit den 90er-Jahren bietet der Internationale Bund neben weiteren Trägern in Schwerin das FSJ als Bildungsmaßnahme für junge Menschen an. Das Spektrum der Einsatzmöglich keiten in MV und da rüber hinaus ist groß. So gäbe es Plätze etwa auch in der Al tenpflege, in Jugend herbergen und Kranken häusern, sagt Anika Thormann, die gege nwärtig rund 60 junge Leute betreut. "Nicht jeder Bewerber passt zu jeder Stelle", unterstreicht die IB-Mit arbeiterin. Deshalb werde auch stets ein ausführliches Vorstellungsgespräch geführt, sei ein Probetraining durchaus keine Ausnahme.

Wer ein FSJ macht, so die Idee, der erwirbt soziale Handlungskompetenz und zugleich Lebenserfahrung, die wertvoll ist für die berufliche und persönliche Zukunft. Grundlage des FSJ - wie auch des Freiwilligen Öko logischen Jahres (FÖJ) - ist das "Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten". Danach dient das soziale Bildungsjahr vor allem der Entwicklung des bürger schaftlichen En gagements junger Leute. Wie es Louisa, John und Jan Erik in ihrem FSJ ergeht, mit welchen Aufgaben sie betraut werden und welche Erwartungen sich erfüllen, darüber wird unsere Zeitung in den kommenden Monaten berichten.

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