zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 01:14 Uhr

Leser des Monats : Zwischen Feuerwehr und Garten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ein sehr gutes Team: Karl-Heinz und Helga Rönke aus Wüstmark sind seit 65 Jahren verheiratet, sie lesen fast genauso lange die SVZ

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 15:48 Uhr

Beim Feuerwehrball in Zieslübbe hat es gefunkt. „Bei mir war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt Heinz Rönke zu seiner Frau Helga und wird dabei ein bisschen lauter. Glaubt sie ihm etwa nicht? „Das habe ich schon tausendmal zu meiner Frau gesagt“, fügt der heute 86-Jährige hinzu und lächelt charmant. 66 Jahre ist dieser entscheidende Augenblick jetzt her, seit 65 Jahren sind Heinz und Helga Rönke verheiratet – und fast genauso lange lesen sie auch die Volkszeitung. Zuerst die Parchimer Ausgabe, weil Heinz Rönke dort bei der Berufsfeuerwehr arbeitete. Zur Feuerwehr-Legende ist der gelernte Schornsteinfeger allerdings in Schwerin geworden. Von hier aus bildete er sich fort, absolvierte sogar ein Ingenieursstudium, war schließlich 15 Jahre lang Kommando-Leiter, bevor er 1979 freiwillig aus der Berufsfeuerwehr ausschied. Den Blauröcken blieb er trotzdem treu. Die Freiwillige Wehr der Stadt Schwerin hatte er mit aufgebaut und als die Familie nach Wüstmark zog, gründete er hier ebenfalls eine Freiwillige Feuerwehr. Das war 1963. Noch heute schreibt und pflegt er ihre Chronik. Niemand ist seit so langer Zeit Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr wie Karl-Heinz Rönke. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er im Brandschutz aktiv.

Die Frau an seiner Seite hat sich in all den Jahren um ihre Familie gekümmert und nebenbei im eigenen Garten eine kleine Gärtnerei aufgebaut. Später hat dort die Tochter ihr Haus gebaut, lebt dort noch heute mit ihrem Mann. Der Sohn ist nach Amerika gezogen.

In Schwerin verkaufte Helga Rönke ihre selbst gezogenen Blumen auf dem Markt, manchmal zusammen mit Ehrenbürgerin Berta Klingberg. Die heute 85-Jährige stammt vom Bauernhof, ist harte Arbeit von Kindesbeinen an gewohnt. „Wir hatten drei Pferde, acht Milchkühe, Jungtiere und etwa 30 Hektar Land“, sagt sie. Viele dienstfreie Tage hat ihr Mann bei den Schwiegereltern auf dem Kartoffelacker oder bei der Getreideernte verbracht. Anfangs lebte das junge Paar in Zieslübbe, zog 1951 nach Parchim und ein paar Jahre später nach Schwerin. Mit dem eigenen Hausstand kam auch die eigene Zeitung. Bis heute ist die SVZ für Karl-Heinz Rönke noch die erste Lektüre des Tages – während seine Frau den Kaffee kocht, liest er, was in der Welt und in Schwerin so los ist. Ein bisschen ärgerlich findet er, dass er dazu mittlerweile eine Lupe braucht. Und dass ihn beim Gehen zwei Stöcke unterstützen und er nicht mehr selbst das Laub wegfegen kann, wurmt ihn ebenfalls ein wenig. Denn harte Arbeit ist auch er seit Kindestagen gewohnt. Nachdem er bei der Berufsfeuerwehr ausgeschieden war, half er seiner Frau in der Gärtnerei – grub um, zupfte Unkraut, „all das, was ich nicht gerne machte“, sagt sie lachend. „Er war sehr gründlich, ich war sehr schnell.“ Ein perfektes Team? Auf jeden Fall. „In 65 Jahren Ehe war es manchmal windig, aber wir hatten nie einen Sturm oder einen Orkan“, sagt Karl-Heinz Rönke und seine Frau nickt: „Es gibt immer mal Spannungen, aber es gibt auch immer eine Versöhnung. Jeder gibt mal nach.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen