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Mecklenburg-Vorpommern : Zweiter Bildungsweg gerät in Gefahr

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

•  An den Volkshochschulen in MV fehlen zunehmend Lehrer •  Interesse am Nachholen von Schulabschlüssen groß

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Der Zweite Bildungsweg könnte für viele in Mecklenburg-Vorpommern künftig mit erheblichen Wartezeiten verbunden sein. Etwa 1000 junge Menschen wollen in diesem Jahr ihren Schulabschluss der Mittleren Reife (Realschulabschluss) und der Berufsreife (Hauptschulabschluss) an den Volkshochschulen des Landes nachholen. Doch den Einrichtungen fehlen zunehmend Lehrer. „Noch haben wir für unsere Kurse Lehrkräfte gefunden, doch es wird immer kritischer“, sagte gestern Ines Schmidt, Direktorin des Volkshochschulverbands Mecklenburg-Vorpommern, gegenüber unserer Redaktion. An der Rostocker Volkshochschule beispielsweise schaffen die 31 Lehrer die Arbeit in den acht Abschlussklassen im Bereich des Zweiten Bildungswegs nur noch mit Not. Lehrkräfte fehlen dort besonders für Geografie, Englisch und Informatik.

Ein Grund für die Misere: In den vergangenen 20 Jahren gab es genügend Bewerber, weil Pädagogen an allgemeinbildenden Schulen durch das Lehrerpersonalkonzept des Landes häufig in Teilzeit arbeiten mussten und sich abends an den Volkshochschulen Geld dazuverdienen wollten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Inzwischen werden nahezu überall Lehrer gesucht, Teilzeit gibt es für Pädagogen kaum noch. „Viele unserer Lehrer sind älter, Nachfolger zu finden ist schwierig“, sagte Ines Schmidt.

Dabei ist der Zweite Bildungsweg gerade für Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtig. Erst in der letzten Woche ließ Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) verlauten, dass im vergangenen Schuljahr 10,3 Prozent der Schüler die Schule ohne Berufsreife verließen. Fünf Jahre zuvor lag die Quote bei 15,8 Prozent. Trotz des Rückgangs weist der Nordosten aber noch immer die höchste Quote bundesweit auf. Vielen Schulabbrechern wird ihr Bildungsmanko erst später bei der Jobsuche bewusst. „Das Interesse am Nachholen der Schulabschlüsse an den Volkshochschulen ist groß“, so die Direktorin.

Der Volkshochschulverband sei mit dem Bildungsministerium, den Landtagsfraktionen und den Landkreisen im Gespräch, um nach Lösungen für das Lehrerproblem zu suchen. Angestrebt wird beispielsweise, das Honorar für eine Unterrichtsstunde auf 20 Euro festzusetzen. Doch die Entscheidungen dazu treffen Landkreise und kreisfreien Städte, in deren Trägerschaft sich die Volkshochschulen befinden. Die Landesregierung unterstützt den Zweiten Bildungsweg jährlich mit 330 000 Euro.

Insgesamt arbeiten an den acht Kreisvolkshochschulen des Landes 2250 Kursleiter. Nahezu alle sind auf Honorarbasis beschäftigt. Von Sprachen über Yoga bis zur Alphabetisierung bieten die Einrichtungen derzeit 5000 Kurse landesweit. Bei Sprachen sei das Interesse in den vergangenen Jahren leicht rückläufig, Schwedisch, Dänisch und Norwegisch seien allerdings weiter sehr gefragt. Koch- und Gesundheitskurse erfreuen sich ebenfalls zunehmender Nachfrage.

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