Schwerins Schloss : Zwei Damen auf dem Dach

Gut eingepackt für ihre Reise aufs Schlossdach: Diese „Dame im Gewand“ ist eine Replik, das Original kommt ins Museum. Claudia Richter und Jürgen Schröder finden sie beeindruckend.
1 von 2
Gut eingepackt für ihre Reise aufs Schlossdach: Diese „Dame im Gewand“ ist eine Replik, das Original kommt ins Museum. Claudia Richter und Jürgen Schröder finden sie beeindruckend.

Lebensgroß und 400 Kilogramm schwer: Zwei klassizistische Skulpturen kehren zurück ins Schloss

von
11. August 2016, 12:00 Uhr

Seitdem der Innenhof des Schlosses am Wochenende für alle geöffnet hat, fühlt sie sich sonnabends und sonntags oft wie beim Tag der offenen Tür, sagt Claudia Richter lächelnd. Sie ist beim Landtag zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Besucherdienst. Das Interesse sei riesengroß und zu entdecken gibt es wirklich jede Menge. Seit gestern sind zwei griechisch-antik anmutende Damen zu bestaunen, die eine spannende Geschichte haben. Jürgen Schröder, als Projektleiter beim Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) zuständig fürs Schloss, erzählt sie gern.

Etwa im Jahr 1857 wurden mehrere lebensgroße Terracotta-Damen aufs Dach des Schlosses gestellt, fünf blicken aus 25 Metern Höhe auf den Innenhof. Sie stammen aus der Steingutfabrik Ernst March & Söhne in Berlin, die auf die Herstellung von Großkeramiken spezialisiert war und europaweit lieferte. „Es gab sogar einen richtigen Bestell-Katalog mit den Figuren“, erzählt Schröder. Im Klassizismus lagen sie absolut im Trend.

Drei der fünf Schweriner Innenhof-Figuren sind klare Allegorien, tragen Ruder, Tempel, Stock und Spindel, symbolisieren also Schifffahrt, Baukunst und Handwerk. Die beiden anderen seien einfach nur schön, erhielten vom BBL den Arbeitstitel „Dame im Gewand I und II“. Obwohl Terracotta sehr haltbar ist, wurden die ersten drei in den 80er-Jahren aus Sicherheitsgründen abgebaut und in Kisten verstaut. Im März 2003 fiel ein etwa zehn Kilo schweres Stück von einer „Dame im Gewand“ auf den Hof. Verletzt wurde niemand, aber die Figuren mussten nun auch abgenommen werden. „Damit begann die groß angelegte Fassadensanierung am Schloss“, sagt Schröder. Rund 34 Millionen Euro seien inzwischen in dieses Projekt geflossen. Dagegen erscheint die Restaurierung der fünf Damen fast gering. Insgesamt 150 000 Euro kostete es, sie fachgerecht wieder zusammenzusetzen und schließlich eine Replik aus Mineralmörtel zu erstellen. Eben jene Kopien wurden jetzt aufgebaut – die drei Allegorien vor einiger Zeit, die beiden Schönheiten gestern. Satte 400 Kilo wiegt jede Dame, ein Kran hievte sie aufs Portal. Mitarbeiter der Dessauer Werkstätte Schellbach, die auch die Skulpturen restauriert hatten, brachten sie auf dem Dach an. Millimeter-Arbeit mit Augenmaß, Wasserwaage und Bleiplättchen.

Die wertvollen Originale sollen einmal im Weinlaubsaal des Schlossmuseums ausgestellt werden, in den Innenhof kehren sie nicht zurück. Der soll übrigens bis 2019 fertig sein, verrät Jürgen Schröder. Unter den „Damen im Gewand“ verdecken jetzt Gerüste und Planen den Blick aufs Schloss.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen