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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 04:32 Uhr

Schwerin-Zippendorf : Zwangspause am Kurhaus

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Investorengruppe wird neu zusammengestellt. Architekturbüro aus München hält aber an Ursprungsplänen für Wohnbebauung fest

von
erstellt am 23.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Das Kurhaus-Projekt ist erneut ins Stocken geraten, der Umbau des denkmalgeschützten, imposanten, aber inzwischen maroden Gebäudes zwischen Zippendorf und dem Zoo wird wohl noch einige Monate auf sich warten lassen. Der Grund: Den ursprünglichen Zusammenschluss der Investoren gibt es nicht mehr. „Teile der Gruppe sind skeptisch geworden und ausgeschieden“, sagt Stephan Röhrl auf SVZ-Nachfrage. „Wir versuchen jetzt, eine neue Investorengruppe zusammenzustellen. Das ist im Fluss.“ Röhrl ist Inhaber des Münchener „Architekturbüro von Seidlein Röhrl“, das in dem historischen Haus elf hochwertige Wohnungen bauen will. Und zwei weitere Häuser nebenan – mit insgesamt sieben Wohneinheiten, viel Glas und in fächerförmig geschwungener Bauweise. Möglichst alle der insgesamt geplanten 18 Wohnungen sollen See- und Waldblick haben. Etwa 3000 Quadratmeter Wohnfläche sollten entstehen.

Das Projekt war im vergangenen Jahr schon weit vorangekommen. Ein hochkarätig besetzter Gestaltungsbeirat hatte sich in Schwerin mit den Architekten aus Bayern getroffen. Modelle wurden gezeigt, es wurde engagiert und leidenschaftlich diskutiert. „So weit wie jetzt waren wir mit den Planungen noch nie“, sagte Schwerins Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum noch im Dezember optimistisch. Er hoffte, „mit diesem seriösen Partner“ wirklich ans Ziel zu kommen. Denn: Das aus massivem Beton gebaute, 116 Jahre alte Haus an einer der Haupteinfallstraßen Schwerins steht seit Anfang der 1990er-Jahre leer. Jahrelang regnete es durchs Dach, im Innern sind Treppen weggebrochen, Decken eingestürzt, eine Graffiti-Galerie prangt an den Wänden. Eine Berliner Investorengruppe wollte 1995 auf dem Bornberg ein 4-Sterne-Hotel mit 320 Betten, Bar, Restaurant, Schwimmbad, Sauna und Fitnessbereich errichten. Sechs Jahre später plante der damalige Chef des Datenverarbeitungszentrums eine Internet-Uni fürs Kurhaus. Es blieb bei der Idee. Mehrfach wurde das Anwesen zwangsversteigert. 2008 kaufte der Schweriner Dr. Horst Brandt das Gebäude, plante eine medizinische Fortbildungsakademie mit Gesundheitszentrum und 50-Zimmer-Hotelbetrieb. Weil die Finanzierung nicht klappte, schwenkte er auf Ferienwohnungen und dann Wohnungen um. Vor einigen Jahren verkaufte er das Anwesen an eine Bremer Gesellschaft. Die wollte drei Millionen Euro investieren und 22 Eigentumswohnungen bauen. Auch daraus wurde nichts.

Stephan Röhrl möchte das Schweriner Projekt aber nicht aufgeben und hält unverändert an seinem Wohn-Konzept fest. „Die Grundrisse für alle Wohnungen liegen bereits vor“, sagt er.

Etwa bis zum Jahresende geben sich die Münchner Zeit, neue Partner für das Schweriner Projekt am See zu finden. Bis dahin sei das Dach gut geschützt, das Gelände mit einem Bauzaun ausreichend gesichert. Wenn Investoren gefunden sind, würde es aber erst ins Genehmigungsverfahren gehen. Bis tatsächlich Bagger rollen und Handwerker ihre Arbeit aufnehmen am Kurhaus, wird noch einige Zeit vergehen.


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