Lübstorf : Zurück in ein Leben ohne Alkohol

Zum 21. Mal  gab es das Ehemaligentreffen von Patienten, Angehörigen, Ärzten und Helfern an der Lübstorfer Suchtklinik.
Zum 21. Mal gab es das Ehemaligentreffen von Patienten, Angehörigen, Ärzten und Helfern an der Lübstorfer Suchtklinik.

Ehemalige Patienten der Lübstorfer Suchtklinik trafen sich – ein Betroffener erzählt: Volker war erst 14 Jahre alt, als er zum ersten Mal Alkohol trank.

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31. August 2015, 08:00 Uhr

Einmal im Jahr lädt die Lübstorfer AHG Klinik „Schweriner See“ ehemalige Patienten ein. Am Sonnabend kamen wieder hunderte Gäste nach Lübstorf, nicht nur die ehemaligen Patienten, sondern auch deren Angehörige und Freunde waren dabei. Sie tauschten sich mit den damaligen Therapeuten aus – über die Zeit in der Klinik und das Leben danach. Einer von ihnen war Volker aus Hagenow.

Volker war erst 14 Jahre alt, als er zum ersten Mal Alkohol trank. Der Eierlikör, den er zu seiner Jugendweihe angeboten bekam, schmeckte. Endlich ist er kein Kind mehr und zählt zu den Erwachsenen. Er kann zu Discos gehen und mit seinen Kumpels durch die Stadt ziehen. Nur leider hatte fast jeder von ihnen bei diesen Touren eine Buddel Schnaps in der Tasche.

Mit 21 Jahren hatte sich Volker an das Saufen gewöhnt. Er trank jeden Tag zwei Flaschen Wodka und fünf Bier. Zunächst ging alles gut, er heiratete, wurde Vater und war im Verkehrswesen beschäftigt. Es möchte aufhören mit dem Trinken, doch der Teufel Alkohol lässt ihn nicht los. Sein Körper streikt, er kommt mit sich selbst nicht mehr klar und die Familie droht auseinander zu brechen. Nun erst findet Volker den Weg zur Suchtberatung. Nach mehreren Gesprächen beschließt er, sich stationär einweisen zu lassen. Das war im September vorigen Jahres. Am 2. Februar 2015 zog er in die Lübstorfer AHG Klinik „Schweriner See“ ein. „Wenn man fast 30 Jahre nicht aus dem Sumpf heraus kommt, ist es besser, sich von professionellen Ärzten und Therapeuten helfen zu lassen“, weiß Volker heute. Zunächst nahm er die Therapie nicht so ernst, ja, war sogar der Meinung, alles im Griff zu haben. Schließlich hatte er schon drei Wochen Selbstentzug hinter sich. Doch das Zusammensein mit den Mitpatienten, die Gruppen- und Einzelgespräche überforderten ihn. Volker wurde während der Therapiezeit rückfällig. Wieder folgte ein Entzug, diesmal aber unter der Aufsicht des geschulten Personals. Danach ist er erstmal richtig aufgewacht. „Vorher habe ich den Klinikaufenthalt nicht so ernst genommen, doch nach dem harten Entzug war ich endlich soweit, dass ich den festen Willen hatte mit dem Trinken aufzuhören.“ Die Patienten kommen in eine bestehende Gruppe und manche brauchen viel Zeit, um sich richtig öffnen zu können. Für Volker waren die Einzelgespräche mit seiner Bezugstherapeutin sehr hilfreich und natürlich seine Gruppe. „Wir waren alle gleich, hatten dieselben Probleme und ermutigten uns gegenseitig“, erzählt der Hagenower. Am 30. April wurde er entlassen. Hoffnungsvoll schaute er in die Zukunft.

Mittlerweile hat Volker einen neue Arbeitsstelle gefunden und, was er auch ein bisschen bedauert, seinen alten Freundeskreis verloren. Doch das gehört dazu, wenn er nicht wieder in das alte Muster hinein rutschen will. Volker ist sich bewusst, dass er noch einen schwierigen Weg vor sich hat. Doch er kann es schaffen. Seine Familie steht hinter ihn und die jährlich einmal stattfindenden Ehemaligentreffs an der Lübstorfer Klinik bieten beste Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch mit den ehemaligen Patienten, Ärzten und Therapeuten.

Das alljährliche Treffen bildet einen wichtigen Baustein in den Angeboten der Lübstorfer Klinik. Chefarzt Dr. Thomas Fischer ließ es sich daher auch nicht nehmen, die Gäste auf der Festwiese zu begrüßen. Neben den Gesprächen mit Fachleuten von der Klinik, informierten Selbsthilfegruppen über ihre Angebote. Musik, Kunst und Essenstände sorgten dafür, dass aus dem Treffen schnell ein Familienfest wurde. Und die Lübstorfer Feuerwehr sorgte wieder dafür, dass der Verkehr in geregelten Bahnen lief.

Gerda Jentsch

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