Schwerin: Streit um Hausboote : Zum Ablegen gezwungen

Stein des Anstoßes am Heidensee-Westufer: Das Hausboot braucht eine Baugenehmigung, um dort festmachen zu dürfen. Doch es fehlen Planer, die sich mit der komplizierten Materie überhaupt auskennen. Verlierer ist der Wassertourismus.Reinhard Klawitter
Stein des Anstoßes am Heidensee-Westufer: Das Hausboot braucht eine Baugenehmigung, um dort festmachen zu dürfen. Doch es fehlen Planer, die sich mit der komplizierten Materie überhaupt auskennen. Verlierer ist der Wassertourismus.Reinhard Klawitter

Sie hat Ruhe auf dem Wasser in idyllischer Lage gesucht, doch nun muss Unternehmerin Monika Waldow mit ihrem Hausboot wieder ablegen. Am Westufer des Heidensees war ihr schwimmendes Zuhause nicht gern gesehen.

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13. Mai 2013, 06:03 Uhr

Werdervorstadt | "Das Ergebnis ist schlimm für den Wassertourismus in Schwerin", hat Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow unumwunden auf SVZ-Anfrage zugegeben. "Aber ich musste handeln." Das Hausboot von Monika Waldow wird vom Westufer des Heidensees ablegen und einen neuen Platz suchen. Dabei hatte die Unternehmerin doch nur die Ruhe auf dem Wasser in idyllischer Lage gesucht. Sie mietete einen Platz am Steg, organisierte sich einen Wasseranschluss vom benachbarten Kleingartenverein, hat sogar einen eigenen Stromzähler am Steg. Die 4000 Liter fassenden Abwassertanks müssen nur zweimal im Jahr von einer Fachfirma geleert werden. Sogar eine Genehmigung vom Schifffahrtsamt in Lauenburg hat sich Monika Waldow geholt. Sie hat an fast alles gedacht - nur nicht an die benachbarten Anwohner in der Käthe-Kollwitz-Straße 11-17, die sich durch das Hausboot gestört fühlen, und an die Gesetze in MV.

Denn ein Hausboot wie ihres, das selbst über keinen Motor verfügt, braucht laut Landesbauordnung eine Baugenehmigung, wenn es irgendwo festmachen will. Und die hat Monika Waldow nicht. Anders verhält es sich mit dem Hausboot, das SVZ vor einer Woche an dieser Stelle im Foto gezeigt hat. Das derzeit am Ostufer liegende Boot hat einen Motor und eine Genehmigung.

"Ich könnte natürlich einen Motor nachrüsten und alles, was für eine Bootserlaubnis nötig ist", sagt Monika Waldow. "Aber das würde mindestens 10 000 Euro kosten." Und es gäbe keine Garantie, dass damit der Ärger beseitigt wäre. Deshalb werde sie "in naher Zukunft" ihr Hausboot auf einen anderen See ziehen lassen. Eine Baugenehmigung zu bekommen, hält sie indes für aussichtslos. "Das haben schon andere versucht", sagt sie. Wassertouristen kennen sich untereinander. Das Problem: Selbst in der Baubehörde ist man sich nicht sicher, wie ein Bauantrag für ein Hausboot aussehen müsste. "Die Stadtspitze war wirklich bemüht, uns zu helfen", sagt Monika Waldow. Genützt habe es nichts. Dabei steht der Ausbau des Wassertourismus im Schweriner Leitbild. "Wenn man dagegen die Realität auf den Schweriner Seen sieht, dann tut das richtig weh."

Das sehen auch viele SVZ-Leser so, die sich zum Thema an unsere Redaktion gewandt haben. "Etwas mehr Toleranz und Flexibilität würde der Stadt Schwerin sehr gut zu Gesicht stehen, besonders wenn sie den Wassertourismus fördern will", schrieb uns Ute Moldenhauer. Und Annelie Drahn betonte: "Dass es immer noch keine Wassertankstelle gibt, ist für Bootstouristen, die Schwerin besuchen, ein großer Mangel. Und wenn Hausboote gewollt sind, muss die Stadt auch für geeignete Anleger sorgen." Der Bedarf ist da: An der Marina am Heidensee sind alle Bootsliegeplätze ausgebucht.

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