Kitas ausgezeichnet : Zukunftspreis geht an 2000 Kinder

Neues Spiel- und Lerngerät an der Retgendorfer Kita: Die Wasserstrecke  auf dem Spielplatz  wurde gerade erst aufgestellt. Nun werden hier auch die Heilmethoden von Pfarrer Kneipp vermittelt. Werner Mett
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Neues Spiel- und Lerngerät an der Retgendorfer Kita: Die Wasserstrecke auf dem Spielplatz wurde gerade erst aufgestellt. Nun werden hier auch die Heilmethoden von Pfarrer Kneipp vermittelt. Werner Mett

Die kleine Jolina ist das erste Kind von 2000 Mädchen und Jungen, das den Pokal in Händen halten darf. Die Kitas des Diakoniewerkes Neues Ufer und die Frühförderstelle Crivitz wurden für ein Projekt ausgezeichnet.

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19. September 2012, 10:45 Uhr

Retgendorf | Die kleine Jolina ist das erste Kind von 2000 Mädchen und Jungen, das den Pokal in Händen halten darf. "Guckt, da steht eine Eins drauf", zeigt Regina Möller, Kita-Bereichsleiterin beim Diakoniewerk Neues Ufer. "Und pass auf, der Pokal ist ganz schön schwer." Danach geht das kostbare Stück in der Retgendorfer "Kita für Alle" von Hand zu Hand. Stolz sind die Kleinen auf diese Auszeichnung - auch wenn Regina Möller und Kita-Leiterin Angela Folgmann ihnen erst erklären müssen, wofür es diesen Pokal gab. Die offizielle Begründung der Jury von der Evangelischen Kreditgenossenschaft mit Sitz in Kassel verstehen die Kleinen natürlich noch nicht. "Der Preis geht an euch alle, weil ihr euch so gut auf die Schule vorbereitet, jeden Tag anstrengt und drauf achtet, dass alle jeden Tag etwas Neues lernen", sagt Möller. Das verstehen die Kinder.

Was Regina Möller den Kindern nicht so deutlich sagt: In erster Linie geht der Preis an die 200 Kindergärtnerinnen und Erzieher in den 13 Tagesstätten des Diakoniewerkes in und um Schwerin sowie an die Mitstreiter in der Frühförderstelle Crivitz. Schon seit dem Jahr 2009 läuft in allen Häusern das Projekt "Stärken der Kinder stärken, um Schwächen zu schwächen". "Gearbeitet nach diesem Prinzip wird bei uns aber bereits viel länger", unterstreicht Angela Folgmann. "Eigentlich vom ersten Tag an." Und der liegt in der "Kita für Alle" viel länger zurück. 1992 öffnete diese Tagesstätte auf dem einstigen Gelände der Staatssicherheit bei Rampe, am heutigen Sitz des Diakoniewerkes "Neues Ufer" ihre Türen. Es war der erste Kindergarten in Mecklenburg-Vorpommern in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut wurden. Auch nach dem Umzug in den Neubau nach Retgendorf ist dieses Haus eine integrative Einrichtung geblieben. Zudem wird in Retgendorf nach den Grundsätzen der Montessori-Pädagogik gearbeitet. "Bei uns wird einfach jedes Kind so wahrgenommen, wie es ist", unterstreicht Angela Folgmann. Die Bildungs- und Lerngeschichte jedes Jungen und jedes Mädchen wird von den Erziehern aufgeschrieben. Das ist aber weder ein "Nachweisbuch" noch eine "Mängelliste". Diese Bildmappe hilft ganz einfach, um zu erkennen, welche Fortschritte das Kind macht, wo noch etwas mehr gearbeitet werden muss. "Das Ganze geschieht natürlich immer in enger Zusammenarbeit mit den Eltern", unterstreicht Regina Möller. Und solche individuellen Förderpläne werden in allen Kindereinrichtung des Diakoniewerkes geführt. Dafür gab es von der Jury beim erstmals vergebenen Nachhaltigkeitspreis der Evangelischen Kreditgenossenschaft viel Lob. Das Projekt "Stärken der Kinder stärken, um Schwächen zu schwächen" ermögliche den Kindern Chancengleichheit und stärke deren Bildungskompetenz. Tiergestützte Pädagogik auf dem Diakoniegelände in Rampe, Sprachförderung, Integration und vieles mehr: Insgesamt stehe die Stärkung der kindlichen Persönlichkeit im Fokus, urteilte die Jury. Sie vergab dafür den ersten Preis in diesem bundesweiten Wettbewerb. "Damit hatten wird überhaupt nicht gerechnet", freut sich Regina Möller. Als die Einladung zur Preisverleihung in Kassel beim Diakoniewerk eintraf, wurde bereits verraten, dass die Mecklenburger zu den Preisträgern gehören. "Nachdem dann die Zweitplatzierten aufgerufen wurden und wir immer noch nicht dran waren, wurde aus Aufregung und Stauen Jubel", erzählt Regina Möller. 10 000 Euro erhält der Sieger dieses Wettbewerbes als Preisgeld. "Das stecken wir komplett in die Fortbildung unserer Erzieherinnen", sagt die Kita-Bereichsleiterin. Und nicht nur das Geld ist ein Gewinn. "Dieser Preis gibt uns allen Auftrieb, weil er einfach bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", unterstreicht Angela Folgmann. Dazu gehöre auch, nicht stehen zu bleiben. Die Retgendorfer haben sich so für das laufende Ausbildungsjahr auf die Fahnen geschrieben, sich mehr mit den Lehren von Kneipp zu beschäftigen. Dazu passt hervorragend, dass gerade auf dem Spielplatz eine Wasserstrecke errichtet wurde. Hier können die Kleinen nach Herzenslust planschen und matschen. Und die Begeisterung fürs Element Wasser kann dann gleich genutzt werden, um die Kneippschen Heilmethoden zu vermitteln. Fachkundige Hilfe erhalten die Retgendorfer Erzieherinnen dabei von ihren Kolleginnen aus Neumühle: Da unterhält das Diakoniewerk einen Kneipp-Kindergarten.

Insgesamt gehören 13 Tagesstätten und die Frühförderstelle in Crivitz zu den Kindereinrichtungen beim Diakoniewerk. Die Hälfte davon sind integrative Häuser. In allen wird in den nächsten Tagen und Wochen der Pokal für den Erfolg in Nachhaltigskeitswettbewerb gezeigt und der Sieg gemeinsam mit den Kindern gefeiert.

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