Zündstoff auf dem Truppenübungsplatz

Feuerwehreinsatz beim Brand im Wald bei Kölpin am 30. Juni.
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Feuerwehreinsatz beim Brand im Wald bei Kölpin am 30. Juni.

Wie hoch ist die Munitionsbelastung auf dem Gelände um den ehemaligen NVA- Raketenstandort Demen?

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12. Juli 2019, 17:54 Uhr

Am 30. Juni brannte es nicht nur auf dem Truppenübungsplatz bei Lübtheen. Auch im Wald bei Kölpin, in der Umgebung des ehemaligen NVA-Standortes Demen, loderten die Flammen. Die Feuerwehr erhielt von der Leitstelle die Information, es handele sich um ein Gebiet mit einer Munitionsbelastung der Stufe 3. Zum Glück wurden die Löscharbeiten dadurch nicht behindert, der Brand konnte nach einigen Stunden gelöscht werden. Trotzdem stellen sich nach der Brandkatastrophe von Lübtheen Fragen – auch beispielhaft für andere Armeestandorte in Mecklenburg-Vorpommern. Wo und wie ist das Gebiet um Demen wirklich mit Munition belastet? Was bedeutet „munitionsbelastet“ überhaupt? Welche Gefahr geht von dieser Belastung im Brandfall aus?

„Im Kampfmittelkataster ist eine Fläche erfasst, die zwischen den Ortschaften Kaarz, Kobrow, Demen, Kobande, Venzkow, Jülchendorf liegt“, erklärt der Pressesprecher des Innenministeriums, Michael Teich, im Auftrag des Munitionsbergungsdienstes. „Bei dieser Fläche handelt es sich um ein Gebiet, welches zu DDR-Zeiten als Übungs- und Ausbildungsgelände und später auch seitens der Bundeswehr in Teilen genutzt wurde. Sie beinhaltet unter anderem auch den ehemaligen Schießplatz Dabel – Demen.“ Für jede der Flächen müsse eine Einzelfallbetrachtung angestellt werden. Die Klassifizierung lehne sich an die Baufachlichen Richtlinien des Bundes zur Kampfmittelräumung an. Die Gefahrenkategorie 3 sage aus, dass dem Munitionsbergungsdienst belegbare Hinweise auf eine Munitionsbelastung in diesem Gebiet vorliegen. „Wir haben das Gebiet aber nicht sondiert“, so Teich. Das sei bei den meisten der vielen ehemaligen Armeestandorte und Kriegsschauplätze in MV unmöglich. „Diese Einstufung bedeutet, solange es bleibt, wie es ist, geht keine Gefahr davon aus. Erst die Änderung des aktuellen Zustandes kann zu einer Gefährdung führen. Diese Änderung kann beispielsweise durch einen Brand hervorgerufen werden.“ Auf Strecken, die nur für Fahrübungen genutzt wurden oder als Biwakplätze, sei die Gefahr sehr gering. „Brennt es hingegen auf einer alten Schießbahn oder im Zielgelände dieser, kann es im Einzelfall für die Einsatzkräfte der Feuerwehren gefährlicher werden.“

Bei den Darstellungen zu den Truppenübungsplätzen werde oft über das Ziel hinausgeschossen, findet dagegen der ehemalige DDR-Offizier Mark Einbeck. „Der Schießplatz von Demen wurde vor zwei Jahren vollständig beräumt und ist nun für die Öffentlichkeit zugänglich.“ Und das restliche NVA-Gelände? Wurde nur für Fahrübungen genutzt, so sei das bei einem ehemaligen Raketenstandort. Dort dürfte es kaum eine tatsächliche Belastung mit Munition geben. Der frühere stellvertretende Abteilungskommandeur der 5. Raketenbrigade in Demen und Verantwortliche für die Ausbildung erläutert: „Für die Standorte Demen und Dabel gab es nur einen 800 Meter mal 800 Meter großen Schießplatz. Der befindet sich nicht ganz auf halber Strecke zwischen den beiden Orten. Nur dort durfte wirklich scharf mit Maschinengewehren geschossen werden.“ Der Abschuss von Übungsraketen sei alle zwei Jahre ausschließlich in der kasachischen Steppe geübt worden. Einbeck ist der einzige DDR-Soldat, der überhaupt jemals eine echte Mittelstreckenrakete abgefeuert hat. „Die Panzer-Haubitzenabteilung aus Dabel ist nach Klietz in Sachsen-Anhalt zu Schießübungen gefahren“, sagt Einbeck. „Die Panzerjäger und motorisierten Schützen aus Stern-Buchholz übten auf dem Platz bei Lübtheen.“ Auch am Weststrand auf dem Darß durfte mit 300-Millimeter-Kanonen geübt werden. Auch dort könnte ein Brand sehr gefährlich werden.

„Aber das und auch der Übungsplatz Lübtheen sind nichts gegen die Gefahr, die um den ehemaligen sowjetischen Armeestandort Wünsdorf und im Kessel der Schlacht von Halbe in der Erde lauern“, so Einbeck. Die sowjetischen Truppen hätten zudem um ihre Standorte herum eher geschossen als die NVA, die feste Schießplätze hatte.



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