Fusion – Nein Danke : Zülow will eigenständig bleiben

Der Zufluss zum Ottergraben soll in diesem Jahr in Ordnung gebracht werden, erklärt Bürgermeister Volker Schulz.
Der Zufluss zum Ottergraben soll in diesem Jahr in Ordnung gebracht werden, erklärt Bürgermeister Volker Schulz.

Gemeinde zählt 155 Einwohner und hält nichts von einem Zusammenschluss – auch wenn das Land mit Prämien locken will

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06. Januar 2016, 22:00 Uhr

Mit einer Prämie von bis zu 200 000 Euro will das Land kleine Gemeinden zu Fusionen bewegen. Dabei gilt weiterhin der Grundsatz der Freiwilligkeit. Den Zülower Bürgermeister Volker Schulz berührt das eher wenig. Er sagt: „Ich sehe in Fusionen keine großen Vorteile.“ Bisherige Bemühungen, das Dorf mit 155 Einwohnern etwa nach Stralendorf zuzuschlagen, scheiterten. Und auch jetzt gäbe es keine Fusionspläne seitens der Gemeinde.

Volker Schulz führt gleich mehrere Gründe an, die seiner Ansicht nach gegen einen Zusammenschluss sprechen. So ist er zum Beispiel der Auffassung, das „die Kreisgebietsreform bisher für uns und die anderen Gemeinden keine wesentlichen Vorteile gebracht hat“. Finanzielle Einsparungen, so wie ursprünglich anvisiert, sehe er bislang nicht. Im Gegenteil, so Schulz. „Die Kreisumlage steigt. Mal mehr, mal weniger.“ Und da freue er sich, dass die kleine Gemeinde Zülow immer noch einen ausgeglichenen Haushalt vorlegt. Sie kann die Umlagen – etwa für den Kreis Ludwigslust-Parchim, für Amt und Schule in Stralendorf – bezahlen und auch für ihre weiteren Pflichtaufgaben aufkommen. „Wir haben uns jedes Jahr eine größere Investition vorgenommen und so peu à peu die Infrastruktur unseres Dorfes auf Vordermann gebracht“, betont der Bürgermeister: „Unsere Gemeindestraßen sind in Ordnung.“

In diesem Jahr wollen die Zülower gemeinsam mit dem Wasser- und Bodenwasserverband Schweriner See/Obere Sude den Zufluss zum Ottergraben in Ordnung bringen. Dieser werde ausgebaut und renaturiert. Der Grund: In einem Teilstück des etwa einen Kilometer langen Grabens liegt ein knapp 80 Meter langes Rohr. Das sei marode. Nun soll es stillgelegt werden und der Wassergraben offen gestaltet werden. Das ganze Vorhaben soll um die 120 000 Euro kosten, informiert der Bürgermeister. Den Großteil der Kosten übernimmt der Verband, die Gemeinde trägt zehn Prozent. „Diese Summe wollen wir in den neuen Haushalt einstellen. Und wir gehen davon aus, dass das Vorhaben 2016 umgesetzt wird“, sagt Volker Schulz.

Andere gemeindliche Kosten seien überschaubar. Wenn etwa eine Firma bestellt werden muss, um einen großen, kranken Baum abzunehmen, muss Geld in die Hand genommen werden. Ansonsten erledigen die Zülower vieles selbst. Den Platz am Dorfgemeinschaftshaus zum Beispiel mäht der Bürgermeister selbst. Und wenn mal eine Lampe bei den Straßenleuchten auszuwechseln ist, übernehmen das auch die Zülower in Eigenregie. Einen Gemeindearbeiter könne sich das Dorf nicht leisten.

In so einer kleinen Gemeinde wie Zülow sei der Gemeinschaftssinn sehr ausgeprägt, nennt der Bürgermeister einen weiteren Vorteil. Zülower mit runden Geburtstagen dürfen sich immer auch auf persönliche Glückwünsche des Bürgermeisters freuen. Und auch bei solchen Gelegenheiten werde über die eine oder andere dörfliche Angelegenheit gesprochen. „Das bleibt doch gar nicht aus.“ In einem großen Gemeinde sei dies so gar nicht möglich, meint Volker Schulz. Und diese Bürgernähe zahle sich auch aus. Wenn die Gemeinde zum Frühjahrsputz ruft, würden sich immer an die 50 Helfer melden. Das ist Drittel der Einwohnerzahl. „Und nahezu jeder bringt ein Gerät oder Werkzeug mit. Da schreibt auch keiner die Benzinkosten auf, wenn jemand mit seinem privaten Fahrzeug eine Tour für die Gemeinde fährt“, erzählt Schulz.

„Unterm Strich“, so betont er, „kommen wir als kleines Dorf ganz gut zurecht.“ Würde sich Zülow einer Nachbargemeinde wie Stralendorf anschließen, sehen die Zülower die Gefahr, immer als ein Anhängsel betrachtet zu werden. „Als selbstständige Kommune können wir über das Wohl und Wehe von Zülow selbst entscheiden.“ Nach einem Zusammenschluss gäbe es in der neuen Gemeindevertretung vielleicht einen Zülower. Der könne, geht es um konkrete Vorhaben in Zülow, dann überstimmt werden., Die Gefahr sehe er, so Schulz.

Ein Problem haben die Zülower schon vor einigen Jahren auf ihre Weise gelöst. Wegen Personalmangels hatte sich die Feuerwehr aufgelöst. Die Aufgaben des Brandschutzes hat die Stralendorfer Wehr übernommen. Das ist vertraglich mit finanzieller Kostenbeteiligung so geregelt und funktioniere gut, sagt Kurt Müller, zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters.

Für so eine Gemeindefusion, wie sie das Land nun wieder vorantreiben möchte, sei selbst eine großzügige Prämie nicht verlockend, sagt Volker Schulz. „Das Geld ist schnell ausgegeben.“ Fusionen dieser Art hält er nicht für die beste Variante. Sinnvoller sei es, eine Großgemeinde zu bilden – ein Amt, eine Gemeinde. Dann könnte es in dieser Großgemeinde zum Beispiel einen eigenen Bauhof geben, eine gut ausgestattete Feuerwehr, die in den anderen Dörfern kleine Einheiten hat. Aber für solch ein Modell gäbe es derzeit hierzulande keine Mehrheit, weiß Volker Schulz. Und so bleibt in Zülow vorerst alles beim Alten.

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