zur Navigation springen

Schweriner Jugendamt fehlt Personal : Zu wenig Helfer für Kinder in Not

vom

Der Bundesrat hat gerade ein neues Kinderschutzgesetz beschlossen. Der Anlass: Der tragische Hungertod der kleinen Lea-Sophie im November 2007 in Schwerin. Doch ob die Stadt das neue Gesetz umsetzen kann, ist fraglich.

Schwerin | Der Bundesrat hat gerade ein neues Kinderschutzgesetz beschlossen. Mehr Kontrollen und mehr Hilfsangebote für Familien soll es ermöglichen. Der Anlass: Der tragische Hungertod der kleinen Lea-Sophie im November 2007 in Schwerin. Doch ob die Landeshauptstadt das neue Gesetz überhaupt umsetzen kann, ist fraglich.

Die Arbeit des Jugendamtes sollte deutlich verbessert werden. Mit diesem Versprechen ging Angelika Gramkow in den Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten. Und als sie auf dem Chefsessel der Stadtverwaltung saß, baute sie das Jugendamt um. Ihr Ziel: Ein Fall wie Lea-Sophie sollte sich nicht wiederholen und die Zahl der betreuten Familien wollte sie senken.

Jetzt muss Angelika Gramkow eingestehen: Der Sozialpädagogische Dienst der Stadtverwaltung ist nicht voll arbeitsfähig. Nach den Worten der Oberbürgermeisterin gibt es einen "erheblichen Arbeitsstau bei der Bearbeitung von Anträgen auf Hilfen zur Erziehung" durch die Nichtbesetzung von drei Stellen im so genannten Team 2. Das ist für den Bereich Hilfen zur Erziehung und für die Jugendgerichtshilfe zuständig.

Die Ausfälle resultieren aus dem Weggang eines Mitarbeiters, Dauererkrankungen und der Mutterschaft von Mitarbeiterinnen. Zwischenzeitlich wurde zwar eine Dreiviertel-Stelle geschaffen, um die Stundenausfälle aufgrund reduzierter Arbeitszeiten von vier Mitarbeitern auszugleichen. "Es bleibt jedoch festzustellen, dass ein solcher langfristiger Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Sozialpädagogischen Dienst nicht zu kompensieren ist, auch nicht durch punktuelle Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus anderen Teams", so die Oberbürgermeisterin.

Auch bei der Bearbeitung der Fälle von der Feststellung der Hilfebedürftigkeit einer Familie bis zum Geldfluss an einen Freien Träger gibt es der Verwaltungschefin zufolge Verzögerungen. "Leider ist es aufgrund der Personalsituation in der Vergangenheit vorgekommen, dass dieser verwaltungsinterne Ablauf nicht immer zeitnah abgesichert werden konnte", bedauert Angelika Gramkow. Allerdings kann sie derzeit immer noch nicht detailliert angeben, wie viel im Monat September für Hilfen zur Erziehung an die Freien Träger ausgezahlt wurde. Zwar versichert die Oberbürgermeisterin, dass alle Rechnungen "nach entsprechender Prüfung der sachlichen und rechnerischen Richtigkeit zur Zahlung angewiesen" wurden. Eine detaillierte Aufstellung kann die Stadtverwaltung jedoch nicht herausgeben. Die Begründung der Verwaltungschefin: Sie könne keine Kostenaufstellung liefern, "da die im Bereich zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die Umstellung des Haushaltes auf die kommunale Doppik und die Jahresabschlussbuchungen stark gefordert sind".

Dabei bemüht sich die Verwaltung, vakante Stellen schnellstmöglich zu besetzen. "Der Jugendhilfebereich ist der einzige in der Stadtverwaltung, der in Personalfragen unkompliziert agieren kann, ohne jedes Mal die Verwaltungsspitze zu fragen", sagt der Personalamtschef Hartmut Wollenteit. Die Materie sei aber so kompliziert, dass immer wieder Stellen unbesetzt bleiben. Eine schnelle Änderung der Situation sei nicht in Sicht.

Das wirkt sich auch auf die zu bearbeitenden Fälle aus. "Pro Jahr sind es immer zwischen 45 und 60", sagt Wollenteit. "Aktuell müssen sich die Mitarbeiter um 58 Fälle kümmern." Das sind deutlich mehr, als von der Stadtverwaltung nach dem Fall Lea-Sophie und der Umstrukturierung des Jugendamtes erhofft.

zur Startseite

von
erstellt am 19.Dez.2011 | 07:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen