Auch das noch : Zu wenig Betreuungsplätze

Ortstermin Dreescher Werkstätten: Behindertenbeauftragter Matthias Crone (2.v.r.) spricht mit Einrichtungsleiter Stephan Hüppler (3.v.l.) und dessen Mitarbeitern über aktuelle Probleme.  Fotos: Bert Schüttpelz/ Reinhard Klawitter
Ortstermin Dreescher Werkstätten: Behindertenbeauftragter Matthias Crone (2.v.r.) spricht mit Einrichtungsleiter Stephan Hüppler (3.v.l.) und dessen Mitarbeitern über aktuelle Probleme. Fotos: Bert Schüttpelz/ Reinhard Klawitter

Behindertenbeauftragter Matthias Crone unterstützt Forderung der Dreescher Werkstätten nach Neuverhandlung der Förderinstrumente

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26. November 2014, 12:00 Uhr

Sind die Bedingungen, unter denen Menschen mit Behinderungen leben und arbeiten, zeitgemäß? Dieser Frage ist Matthias Crone, Bürgerbeauftragter des Landes und gleichzeitig Behindertenbeauftragter, bei seinem Besuch der Dreescher Werkstätten nachgegangen. Sein Fazit: Es gibt Handlungsbedarf. „Wir stehen vor neuen Herausforderungen, haben aber veralterte Instrumente“, fasste Crone zusammen.

Zunächst hatte er sich bei einem Rundgang durch die Werkstätten gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Stephan Hüppler einen Überblick verschafft und dann mit ihm verschiedene Themen diskutiert wie etwa die tagesstrukturierenden Angebote in der Werkstatt, in Fördergruppen oder die Möglichkeiten der Unterbringung auswärtiger Menschen mit Behinderungen, die in der Werkstatt arbeiten. Einig waren sich die beiden darin, dass die Angebote im Produktionsbereich weitgehend bedarfsgerecht sind, nicht aber im Wohnbereich, wo es lange Wartelisten gibt. „Wir haben 112 stationäre Wonplätze, bräuchten aber mindestens 150“, sagt Evelyn Marten, Bereichsleiterin Wohnen in den Dreescher Werkstätten. Aber Investitionshilfen für den Bau neuer geeigneter Häuser auf dem Gelände, die es früher gab, stünden jetzt nicht mehr zur Verfügung.

Das größte Problem indes sind differenzierte Angebote. Auf der einen Seite werde von der Politik der Anspruch formuliert, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben individuell gestaltet werden soll, auf der anderen Seite gäbe das der geltende Betreuungsschüssel für Einrichtungen der Behindertenhilfe gar nicht her, so Hüppler. Der Schlüssel, der vor 20 Jahren zwischen den Spitzenverbänden und dem Sozialministerium ausgehandelt wurde, sei längst veraltert. Viele Betroffene seien jetzt erheblich älter, was ganz neue, bislang nicht gekannte Probleme bringe und die jungen Leute hätten heute auch andere, zeitgemäße Wünsche. Darauf müsse reagiert werden.

Evelyn Marten untermauerte das. So habe die Zahl der Schwerstmehrfachbehinderten deutlich zugenommen, ebenso die der behinderten Menschen mit schweren Verhaltensauffälligkeiten. So etwas habe es früher nicht gegeben. Eine individuelle Betreuung lasse sich mit dem alten Schlüssel gar nicht reallisieren und überfordere das sich aufopferungsvoll engagierende Personal. „Das lässt sich durch die Arbeit des Ehrenamtes nicht abfangen, dafür braucht man ausgebildete Fachleute“, betonte Hüppler.

Crone sicherte Unterstützung zu und versprach, die Dringlichkeit der Probleme gegenüber der Landesregierung und in Gesprächen mit Trägern der Sozialhilfe deutlich zu machen. Er verschwieg aber nicht, dass für Verhandlungen der Leistungserbringer mit den Kostenträgern ein langer Atem nötig sei.

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