Kontrolle in Schwerin : Zu viele Raser an der Haltestelle

Schrittgeschwindigkeit oder zu hohes Tempo:  Joachim Poscher  und Manfred Krohn (r.), Vorstandsmitglieder des ACE Westmecklenburg, zählten an den Haltestellen am Grunthalplatz Verkehrssünder.  Sie hatten eine Stunde lang viel zu tun.
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Schrittgeschwindigkeit oder zu hohes Tempo: Joachim Poscher und Manfred Krohn (r.), Vorstandsmitglieder des ACE Westmecklenburg, zählten an den Haltestellen am Grunthalplatz Verkehrssünder. Sie hatten eine Stunde lang viel zu tun.

Autoclub beobachtete an drei besonders gefährlichen Stellen, wie sich Verkehrsteilnehmer verhalten, wenn blinkende Busse kommen

svz.de von
10. Juli 2014, 12:00 Uhr

„Wie verhalten Sie sich im Gegenverkehr, wenn ein Linienbus mit Warnblinklicht an der Haltestelle steht?“ Anhalten, Schrittgeschwindigkeit fahren oder ganz normal vorbeidüsen? Wer auf die mittlere Antwort getippt hat, liegt richtig. Doch wer glaubt, dass das schon Allgemeingut ist oder dass sich alle daran halten, der irrt gewaltig. „Bei einem kleinen Wissenstest mit vier Fragen zum Thema ,Verhalten an Bushaltestellen‘ kam heraus: 80 Prozent der Befragten machten mindestens einen Fehler“, sagt Frank Fleischhauer, Regionalbeauftragter Ost vom Auto Club Europa (ACE).

Was sich wie ein Kavaliersdelikt anhört, kann lebensgefährliche Folgen haben: Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2012 insgesamt 4541 Verletzte und 54 Tote bei Unfällen rund um haltende Busse. Am meisten gefährdet sind Kinder und ältere Menschen. Für den zweitgrößten deutschen Automobilclub waren diese Zahlen Grund genug, in diesem Jahr eine bundesweite Aktion an rund 500 Orten zu starten. Gestern war Schwerin dran, genauer gesagt die drei Bushaltestellen mit besonderem Gefahrenpotenzial: einmal Külzstraße und zweimal Bahnhofsvorplatz. Hier müssen die Busse beim Einfahren in die Haltestelle den Warnblinker einschalten. Für alle Autofahrer, auch im Gegenverkehr, gilt nun: Schrittgeschwindigkeit beim Vorbeifahren. Denn Bus-Passagiere könnten plötzlich hinter dem Wagen auftauchen. Mitstreiter des ACE zählten am Morgen und im Feierabendverkehr jeweils eine Stunde lang, wer zu schnell und wer langsam genug fuhr. Das Ergebnis war eindeutig: Die wenigsten hielten sich an die Schrittgeschwindigkeit. Zu einer bedrohlichen Situation für Fußgänger sei es allerdings nicht gekommen, sagt Joachim Poscher, stellvertretender Vorsitzender beim ACE-Kreis Westmecklenburg, zu dem auch Schwerin gehört. Der zählt aktuell 3500 Mitglieder und ist – auch Dank des ADAC-Skandals – auf Wachstumskurs.

Die Zahlen, die die fleißigen Helfer vor Ort ermitteln, werden jetzt statistisch aufbereitet und veröffentlicht. An besonders brenzligen Stellen wird bei Bedarf mit Verkehrsbehörden und Polizei nach geeigneten Gegenmaßnahmen gesucht. Fest steht für den ACE aber auch: „Abkassieren werden wir die Kraftfahrer nicht.“

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