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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 11:28 Uhr

Artenvielfalt : Zu Besuch im reichsten Biotop

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Paradies für Flora und Fauna bedroht: Nirgends sonst fühlen sich so viele Arten wie am Grimke See zu Hause – fast mitten in der Stadt

von
erstellt am 20.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Gleich hinter dem Alten Friedhof pulsiert das Leben: Nahezu unberührt ist der Grimke See für Schwerins Flora und Fauna das Zentrum der Stadt – wie der Marienplatz für die Landeshauptstädter. Das seit 1958 ausgewiesene alte Landschaftsschutzgebiet gibt knapp 300 Pflanzen-, 8 Amphibien-, 2 Reptilien-, knapp 100 Vogel- und mehr als 20 Libellenarten ein Zuhause. Ein Paradies für Naturliebhaber und fast nur über einen versteckt gelegenen Trampelpfad zu erreichen. „Aber das sensible Biotop ist gefährdet“, sagt Hauke Behr von der Unteren Naturschutzbehörde.

Es ist die sensible Welt der zart besaiteten Insekten, empfindsamen Pflanzen und schreckhaften Piepmätze. Aber auch die brutale Realität der aus dem Gleichgewicht geratenen Unterwasserwelt, der alles überwuchernden Algen und eines Biotops, das ohne den Menschen verliert und gleichzeitig gewinnt. Beispiel Breitblättriges Knabenkraut. Die Orchideen gedeihen auf den feuchten, schwer zugänglichen Wiesen rund um den Grimke See. „Aber nur, so lange die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen die Grünflächen einmal im Spätsommer mähen“, erklärt Hauke Behr. „Das ist aufgrund des weichen Untergrundes aufwändige Handarbeit, die die Stadt künftig einsparen will.“ Dann gewinnt der Stärkere: Widerstandsfähigeres Schilf wird die Vorherrschaft auf den Feuchtwiesen erobern, die sensiblen Wiesenpflanzen verdrängen. Auch ein Beweis für das teils widersprüchliche Gleichgewicht, um das Mensch und Natur gegenseitig ringen. „An anderen Stellen schützen wir die dort sensiblen Schilfgürtel mit aller Macht, auf den Wiesen am Grimke See wollen wir ihm keinen Platz einräumen, um empfindliche Arten zu erhalten“, so der Amtsleiter.

Gerade einmal 2000 Meter Luftlinie vom Mecklenburgischen Staatstheater entfernt, bietet der Grimke See vielen Naturschauspielen eine Bühne. „Als ich mit dem Schlauchboot den Seerosenteppich untersucht habe, platschte es geräuschvoll in meinem Rücken“, erzählt Hauke Behr. Ein Seeadler habe einen dicken Fisch erjagt und erhob sich mit ihm in die Luft. „Wie viele Fische unter der Wasseroberfläche leben, wissen wir gar nicht“, so der Naturexperte. Aber der See sei in den vergangenen Jahren zu nährstoffreich geworden. Die Folge: „Algen wuchern, nehmen das Licht und bilden neuen Nährstoffboden“, sagt Sven Laskowski von der Unteren Wasserbehörde. Die Ursachen seien schwer auszumachen, könnten aber unter Umständen auch bei undichten Abwassergruben der angrenzenden Kleingartenanlagen zu finden sein. Außerdem gäbe es zwei Einleitgenehmigungen für Regenwasser – eine entwässert das Umfeld vom Stadion Lambrechtsgrund über den alten Friedhof in den See, eine Zweite ist die Hofentwässerung des Geländes „Rathsmann“ und „Möbelbörse Anker“. Zudem existiere ein Abfluss in den kleinen Teil des Ostorfer Sees.

„Meine Prognose: Die Verlandung hat schon lange eingesetzt. Der Grimke See wird eine Moorfläche“, aber das werde Hauke Behr nicht mehr erleben, wie er sagt. „Das dauert einige Jahrhunderte.“ Dann erzählen noch mehr Meter Sedimente aus der artenreichen Geschichte des Schweriner Grimke Sees.

 

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