Schwerin : Zoo setzt auf Artenschutz

Die beliebten Kattas bekommen ein neues Haus und Gesellschaft von anderen Lemuren.
Die beliebten Kattas bekommen ein neues Haus und Gesellschaft von anderen Lemuren.

Entwicklungskonzept sieht eine Umstellung des Tierbestandes auf bedrohte Arten sowie Bau einer Tropenhalle vor

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30. Juni 2016, 05:00 Uhr

Die Landeshauptstadt bekommt einen neuen Zoo – jedenfalls im Prinzip. Bis zum Jahr 2025 soll der Schweriner Tierpark zu einem Artenschutz-Zoo werden. Das sieht das aktuelle Entwicklungskonzept für die Einrichtung vor.

Der Tierbestand soll nach und nach auf stark bedrohte Arten umgestellt werden. Ein Anfang wird zum Jubiläumsfest im kommenden Monat gemacht. Dann kommen Grevy-Zebras auf die erweiterte Nashornanlage. In das 2017/18 geplante Löwenhaus werden Terrarien für bedrohte Reptilien und Amphibien integriert.

Geplant ist auch eine begehbare Tropenhalle dort, wo sich jetzt die Tapiranlage und die Volieren befinden. Beide entsprechen nicht mehr den heutigen Erfordernissen. „Die Tropenhalle wird aber kein zweites Leipziger Gondwanaland und auch nicht so groß, wie das Rostocker Darwineum“, sagt Zoo-Direktor Dr. Tim Schikora. „Uns schwebt eine kleinere Anlage, etwa wie in Nürnberg, vor.“ Auf jeden Fall sollen in tropischem Klima frei lebende Vögel, Schmetterlinge und Affen zu beobachten sein. Als Hauptattraktion werden bis zu zwei Meter große Riesenotter die Regenwaldlandschaft bevölkern.

Eine weitere, etwas kleinere Tropenhalle werden die Lemuren bekommen. Vertreter dieser Affenart von Madagaskar sind die bei den Zoo-Besuchern beliebten Kattas, die mit weiteren Arten in den Neubau einziehen sollen.

Wildschweine und Damwild sollen Gesellschaft weiterer Tiere aus den nördlichen breiten bekommen. Geplant sind Anlagen für Wisente und für Luchse.

„Grundsätzlich sollen bei allen anstehenden Baumaßnahmen spezielle Bereiche für Besucher entstehen, die im Winter und bei schlechten Witterungsbedingungen einen geschützten Aufenthaltsraum mit der Möglichkeit zu Tierbeobachtungen bieten“, sagt Schikora. „So sollen dezentrale Aufenthaltsbereiche Stück für Stück den Zoo in der Nebensaison zu einem spannenden und erlebnisreichen Ort in Schwerin werden lassen.“ Vorgesehen ist ein zweiter Eingang an der Bärenanlage mit einer angeschlossenen, kleinen Gastronomie mit Blick über den Schweriner See und einem Indoor-Spielplatz, der für Kinder wie auch für Erwachsene gleichermaßen ansprechend ist.

Neben all diesen Investitionen werden die Zoo-Mitarbeiter auch selbst Hand anlegen. Die Neugestaltung der Anlagen für Stachelschweine, Baumstachler oder Flamingos sollen vorwiegend in Eigenleistung beziehungsweise in Kooperation mit dem Zooförderverein entstehen. Gleiches gilt für den Bau wegebegleitender Abenteuer- und Erlebnispfade speziell für Kinder und Jugendliche.

Eine wesentliche Investition wird ein neuer Wirtschaftshof sein. „Der alte ist abgewirtschaftet“, sagt Tim Schikora. „Es fehlt Platz für Futtermittel und Arbeitsgeräte.“ Die Mitarbeiter müssen lange Wege laufen und oft improvisieren. Das wird sich mit einem Neubau wesentlich ändern.

Für alle Investitionen sind gut elf Millionen Euro veranschlagt. Der Zoo-Chef hofft auf Fördermittel des Landes. Im besten Fall muss der Zoo in den nächsten zehn Jahren insgesamt aber immer noch mehr als vier Millionen Euro selbst aufbringen.

Einen Haken hat das Konzept für einen neuen, attraktiven Zoo jedoch. Weil es den Empfehlungen des Beratenden Beauftragten zuwider läuft, muss es vom Innenministerium noch genehmigt werden.

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