Schwerin : Zoo-Personal rebelliert gegen Chefin

<strong>Besuch im Zoo:</strong> Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (l.) im Gespräch mit Direktorin Dr. Monika Häfner. Die Schweriner Verwaltungschefin will wieder für Harmonie in der städtischen Einrichtung sorgen.<foto>Reinhard Klawitter</foto>
Besuch im Zoo: Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (l.) im Gespräch mit Direktorin Dr. Monika Häfner. Die Schweriner Verwaltungschefin will wieder für Harmonie in der städtischen Einrichtung sorgen.Reinhard Klawitter

Vor zwei Jahren trat Dr. Monika Häfner ihren Job als Leiterin des Schweriner Zoos mit vielen Vorschusslorbeeren an. Doch nun steht die Direktorin in der Kritik. Die Mitarbeiter bemängeln den Führungsstil der Tierärztin.

svz.de von
10. Januar 2013, 07:02 Uhr

Ostorf | Zum Amtsantritt gab es eine Orchidee von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow und die besten Wünsche von Vorgänger Michael Schneider. Vor zwei Jahren trat Dr. Monika Häfner ihren Job als Leiterin des Schweriner Zoos mit vielen Vorschusslorbeeren an. Doch nun steht die Direktorin in der Kritik. Die eigenen Mitarbeiter bemängeln den Führungsstil der promovierten Tierärztin. Von Kommunikationsproblemen und einsamen Entscheidungen ist die Rede. Um den Streit zu schlichten, kam die Oberbürgermeisterin persönlich in den Zoo - diesmal ohne Blumen.

Deutliche Worte sollen auf einer Betriebsversammlung gefallen sein, auf der die Direktorin nach SVZ-Informationen mit der Kritik aus der Belegschaft konfrontiert wurde. Mitarbeiter wandten sich daraufhin an Angelika Gramkow, die sowohl das Gespräch mit Beschäftigten als auch mit Monika Häfner suchte . Ergebnis vorerst offen. Unterdessen hat der Aufsichtsrat des Zoos den Vertrag mit der Direktorin um weitere drei Jahre verlängert. Der Aufsichtsrat habe einen guten Einblick in das Geschehen im Zoo, versichert Vorsitzender Jürgen Friedrich: "Wir sind zuversichtlich, dass der Zoo auch das Jahr 2013 gut meistern und für die Zukunft auf den richtigen Weg gebracht wird." Dabei habe der Aufsichtsrat volles Vertrauen in die Geschäftsführung.

Die Diskussion um den Führungsstil der Direktorin trifft den Zoo, der im vergangenen Jahr rund 230 000 Besucher anlockte, zum denkbar ungüns tigsten Zeitpunkt. Gerade hat die Arbeit an eine m Konzept begonnen, mit dem der Schweriner Tierpark mit derzeit rund 30 Beschäf tigten für die kommenden Jahre stra tegisch neu ausgerichtet werden soll. Expe rten haben bereits Vorschläge gemacht, wie die Attrakti vität des Zoos erhöht werden könnte: Tiere nach Kontinenten "sortier en", Wasser fläch en begehbar machen, Tierdressuren vorführen. Die Zoo-Mitarbeiter, so lautet ebenfalls eine Kritik aus den ei genen Reihen, würden an der Formu lierung des neuen Kon zeptes bisher nicht angemessen be teiligt.

"Es gehört in jedem Unternehmen zum fairen Umgang, dass man die Be ziehungen zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern in den dafür vor gesehenen Gremien erörtert", sagt Monika Häfner. Sie jedenfalls werde sich daran halten. Eines sei aber klar: "Wir im Zoo haben alle das gleiche Ziel, nämlich den Zoo erfolgreich voranzubringen", so die Direktorin. Sie sei zuversichtlich, eine einvernehmliche Lösung für die jetzt aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten zu finden.

Voranbringen wollte Monika Häfner vor ihrem Amtsantritt in Schwerin auch den Zoo in Hoyerswerda, war aber am "Kompetenzgerangel" in der sächsischen Stadt gescheitert, wie die "Lausitzer Rundschau" damals berichtete. Analogie zu Schwerin: Auch in Hoyerswerda war Monika Häfner in die Fußstapfen eines langjährigen Direktors getreten. Mehr als 20 Jahre hatte Dr. Werner Jorga an der Spitze des dortigen Tierparks gestan den. Fast genauso lange führte Michael Schneider mit ruhig er Hand den Schweriner Zoo.

Die Stelle von Schneider zu besetzen, war übrigens im ersten Anlauf gescheitert. Stadt und Aufsichtsrat hatten zunächst auf den Berliner Dr. Christian Matschei gesetzt, der den Direktor auch eine Zeit lang als Assistent der Geschäftsführung be gleitete, den Zoo der Landeshauptstadt dann aber verließ.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen