zur Navigation springen

Gastspiel in Crivitz : Zirkus – ein hartes Stück Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung: Familienbetrieb Ascona fährt pro Saison etwa 70 Spielorte ab und macht jetzt Station in Crivitz

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Texas und Bombollino futtern gemächlich vor sich hin, während Peter ackert. Gleich zwei Abschleppgitter trägt der Tierpfleger parallel, damit das Gehege für die beiden Ponys, die Ziegen und Esel schnell fertig wird. In seiner dicken Jacke und den Gummistiefeln kommt Peter ins Schwitzen. Dabei hat der Aufbau auf der Crivitzer Festwiese direkt am See gerade erst begonnen. Jeder Handgriff sitzt. Das ist so, wenn jemand wie Peter seit fünfeinhalb Jahren für einen Zirkus arbeitet. „Urlaub“, sagt er, „den kenne ich nicht“. Froh sei er trotzdem, dass er hier arbeiten könne. Als Epileptiker habe er seinen gelernten Maurer-Beruf nicht mehr ausüben dürfen. Das mit der Zirkusarbeit, das klappe aber. Peter hat Hilfe. Marcellino ist am Vorabend gekommen, der muskelbepackte Bursche, der sich auf Handstandakrobatik spezialisiert hat. Eigentlich arbeitet er für den Zirkus Zamunda. „Jetzt helfe ich meiner Tante hier beim Circus Ascona.“ Seine Tante, das ist Nicole Köllner, die gerade auf die Festwiese rollt. Hier fährt die Chefin noch selber. Sie zieht mit der Zugmaschine einen großen Anhänger, in dem all das liegt, was später ins Zelt muss: Vor allem Bänke und Stühle für bis zu 200 Besucher.

Aufbauen, abbauen – und zwischendurch die Leute unterhalten. Mit Balanceakt, Hunderevue und Ziegendressur. Oder mit Messerwerfen oder Tempo-Jonglage. Das beherrscht die Zirkus-Direktorin. Doch jetzt geht es erst einmal um den Zeltaufbau, Wasser- und Stromanschlüsse zu besorgen und darum, die Zehn-Mann-Crew zu verpflegen.

Zirkus ist kein Zuckerschlecken. „Man schlägt sich so durch“, sagt die 42-Jährige, spricht von großem Konkurrenzdruck und davon, dass es gar nicht so einfach ist, Leute 90 Minuten und länger zu begeistern. „Wir lassen unser Publikum mitmachen. Das kommt an“, sagt sie.

Zuletzt war das Ascona-Zelt in Zippendorf aufgeschlagen. Dort hatte der Wohnpark eine Vorstellung gebucht. Jetzt ist Crivitz dran, danach geht es nach Bobitz, Lübstorf und Lüblow. Bis zu 70 verschiedene Spielorte zwischen März und November. „Wir sind fast nur unterwegs“, sagt Nicole Köllner und passt auf, dass sich ihr Lastwagen nicht auf der nassen Wiese fest fährt.

Texas und Bombollino futtern mittlerweile seelenruhig im Gehege weiter. Sie haben noch nichts zu tun, müssen erst am heutigen Sonnabend ran, wenn um 16 Uhr die Vorstellung beginnt. Am Sonntag sind sie dann zur zweiten Aufführung um 11 Uhr in der Manege. Peter schlägt mit einem Vorschlaghammer Stangen ein. Crivitz, sagt Chefin Köllner, sei ein gutes Zirkuspflaster. „Ich hoffe, dass sich die Leute wieder gut unterhalten fühlen“, sagt sie. Denn letztlich ist es genau das, wofür auch ihre Zirkusfamilie seit mehreren Generationen hart arbeitet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen