zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 08:43 Uhr

Schwerin : Zinnkrebs setzt Plattenbauten zu

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Wohnungsgesellschaft Schwerin hat zunehmend mit Rohrbrüchen in den Neubauwohnungen zu kämpfen

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Die Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) hat in ihren Plattenbauten zunehmend mit Wasser zu kämpfen. Die Leitungen in den Blöcken sind marode, erst kürzlich fiel ein 20-kV-Trafo der Stadtwerke in einem der Blöcke in der Perleberger Straße aus, weil Wasser in ihn hinein gelaufen war. „Früher waren es vor allem Feuer- und Rauchschäden, die uns zu schaffen gemacht haben“, sagt WGS-Chef Thomas Köchig. „Das Problem haben wir durch neue Türen und Fenster in den Griff bekommen. Jetzt treten Schäden vor allem durch Rohrbrüche auf.“

Die Wasserleitungen in den Neubaublöcken halten nicht ewig. Durch veränderte Temperaturen des warmen Wassers und der Heizungen und ein geändertes Betriebsregime kühlen die Rohre jetzt stärker aus, erklärt Köchig. Dadurch arbeiten die Leitungen stärker, das Material ermüdet und bricht. Dazu kommt, dass früher mit Zinn gelötet wurde. Es war das Mittel der Wahl und galt als sicher. Doch inzwischen bekommen diese Lötstellen so genannten „Zinnkrebs“ – sie lösen sich, werden undicht.

Und noch ein weiteres Problem bescheren die Wasserleitungen in den Plattenbauten der WGS. Stehen in einem Block viele Wohnungen leer, fehlen auch die Wasserabnehmer. Der Druck in den Leitungen wurde aber nicht reduziert. Die Folgen können fatal sein. „Eine Mieterin war die Letzte in ihrem Aufgang“, berichtet Thomas Köchig. „Als sie einen Wasserhahn aufdrehte, flogen alle Hähne in der Wohnung aus der Wand.“ Deshalb wurde der Wasserdruck in Plattenbauten mit hohem Leerstand inzwischen reduziert.

Das Problem anzugehen, scheint nicht einfach zu sein. „Es gibt keinerlei Dokumentationen zu den Wasserleitungen“, so der WGS-Chef. „Und ständige Kontrollen sind kaum möglich, weil die Leitungen in den Wänden verlaufen.“ Dort können sich zunächst unbemerkt Haarrisse bilden, die dann zu Rohrbrüchen führen. Als einzige Möglichkeit sieht Köchig die Komplettsanierung ganzer Neubaublöcke. Dazu müssen allerdings alle Mieter ausziehen und die Instandsetzung kostet rund 1000 Euro pro Quadratmeter. „Viel Aufwand, den wir uns nicht in kürzester Zeit leisten können“, sagt Thomas Köchig. „Das kann nur nach und nach erfolgen.“ Und eine so genannte „Einzelstrangsanierung“, also die Erneuerung einzelner Leitungen, wäre noch teurer und uneffektiv. Deshalb kann die WGS das Problem der geplatzten Wasserleitungen nur Stück für Stück und nach lösen. Auch wenn es inzwischen die wesentlichste Schadensursache in den Plattenbauten ist. „Damit werden wir noch eine ganze Weile leben müssen“, so der WGS-Chef.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen