Räuberische Besucher und Schadstoffe in Schweriner Kleingartengebiet : Zerstörungswut in den Waisengärten

Bild der Verwüstung: Vandalen sind  auf der Schwaneninsel unterwegs und bringen ganze Vordächer zum Einsturz. Die Crux: Die meisten Schuppen müssen wegen der  Kartierung von Vögeln und Fledermäusen   noch lange  stehen bleiben. Fotos: Reinhard Klawitter
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Bild der Verwüstung: Vandalen sind auf der Schwaneninsel unterwegs und bringen ganze Vordächer zum Einsturz. Die Crux: Die meisten Schuppen müssen wegen der Kartierung von Vögeln und Fledermäusen noch lange stehen bleiben. Fotos: Reinhard Klawitter

Vandalismus und belastete Entwässerungsgräben - mit diesen Problemen schlagen sich die Entwickler der Waisengärten aktuell herum. Das ehemalige Kleingartengebiet ist das meist diskutierte Neubaugebiet Schwerins.

svz.de von
27. März 2013, 06:08 Uhr

Schwerin | Vandalismus, belastete Entwässerungsgräben, Fledermausquartiere, Brutvogelnester - mit unerwarteten Problemlagen schlagen sich die Entwickler der Waisengärten aktuell herum. Das ehemalige Kleingarten-Paradies am See ist seit dem Verkauf an die LGE das meist diskutierte Neubaugebiet Schwerins. In diesem Herbst sollen die ersten Baufahrzeuge anrücken und hochwertige Stadtvillen aus dem Boden wachsen lassen, wo einst Obstbäume, Gemüse oder und Pfingstrosen blühten. Während der erste Bauabschnitt ausreichend beräumt ist, wird in den zweiten wohl noch ein gutes Stück Arbeit und Geld fließen. SVZ war mit Projektentwickler Carsten Lenschow unterwegs - zwischen versenkten Asbestplatten und eingestürzten Gartenhäuschen.

Die Spuren im Schnee gleichen gut frequentierten Trampelpfaden, auf dem Weg zu den verbliebenen Lauben kommen uns gleich mehrere Hundehalter mit ihren Vierbeinern entgegen. "Hier im Gebiet werden aber auch nächtliche Partys gefeiert", sagt Carsten Lenschow. Doch diese ungebetenen Besucher sind nicht das eigentliche Ärgernis. Viel mehr zu schaffen machen den Verantwortlichen der LGE die Diebe, die sich an den aufgegebenen Lauben gütlich tun. Bevorzugtes Ziel: Altmetall. "Seit wir Ende Februar hier abgeholzt und das Gebiet insgesamt offener gemacht haben haben, begann hier der massive Vandalismus", sagt Carsten Lenschow. "Das kannten wir bisher in der Form überhaupt nicht." Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, scheint verladen und abtransportiert worden sein. Fensterscheiben wurden teilweise herausgeschlagen, ganze Rahmen demontiert. Metallzäune sind mit der Flex abgesägt und ebenfalls mitgenommen worden. In Teilen gleicht das Gebiet heute einer Trümmerlandschaft.

Auch Stücke von Asbestplatten sind von Dächern und Wänden gefallen, treten sich im Boden fest. Doch abreißen darf die LGE jetzt nur ein paar wenige Hütten. Dr. Hauke Behr vom Umweltamt erklärt auf SVZ-Anfrage, warum: "Bei der Kartierung von Brutvögeln und Fledermäusen im Bereich des ersten Bauabschnittes hatten sich Gutachter und der BUND darüber beschwert, dass während der für den Umweltbericht notwendigen Kartierarbeiten erhebliche Störungen durch Abrissarbeiten stattfanden und somit nicht die vollständigen Bestände von Vögeln und Fledermäusen erfasst werden konnten. Um diesen Mangel bei der noch nicht ausreichend kartierten Fläche am Ostrand des Gebietes zu vermeiden und auch auf bauliche Sachzwänge der LGE zu reagieren, wurde jetzt u.a. vereinbart, dass zwölf leergezogene Lauben nach Kontrolle auf Fledermaus-Winterquartiere noch kurzfristig abgerissen werden können." Die übrigen Lauben und Bäume am Ostrand sollen erhalten bleiben, damit bis in den Winter 2013 nachkartiert werden kann. "Die letzten Lauben werden voraussichtlich im Februar 2014 abgerissen", so Behr. "Bis dahin sollen Ersatzquartiere für Fledermäuse und Brutvögel geschaffen werden."

Ein Ersatzquartier für die vor Kurzem auf der Schwaneninsel entdeckten Moorfrösche hat die LGE bereits angelegt: einen Teich in dem als Biotop ausgewiesenen Uferstreifen. In anderen Wasserflächen im Areal warteten hingegen unliebsame Überraschungen. Die idyllischen Entwässerungsgräben, von denen ein Großteil auch im Neubaugebiet u.a. auch für den Regenwasserabfluss erhalten bleibt, sind zum Teil hoch schadstoffbelastet. Was in der Vergangenheit alles in den kleinen Kanälen landete, ist zum Teil heute noch gut zu sehen: Asbestplatten, Betonsteine oder Plattenheizkörper stützen in weiten Bereichen die Uferböschung. Außerdem haben die Gutachter eine sehr hohe PAK-Belastung in den Sedimenten, also am Grund der Gräben festgestellt, erklärt Carsten Lenschow.

PAK steht für polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, sie gefährden die menschliche Gesundheit, einige dieser Verbindungen gelten als krebserregend. Auf die LGE kommt nun also eine technisch und finanziell aufwändige Entsorgung zu - beim Ausbaggern der Gräben muss unter anderem darauf geachtet werden, dass kein verseuchtes Wasser aus den Gräben in den See gelangt. "Mit dieser Belastung haben wir nicht gerechnet", sagt LGE-Geschäftsführer Robert Erdmann. "Das geht für uns natürlich enorm auf die Kosten. Umso wichtiger ist es, dass das Areal später hochwertig bebaut wird."

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