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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 02:23 Uhr

Schweriner Friedhöfe : Zehn Beisetzungen pro Tag

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Landschaftsgärtner auf den Schweriner Friedhöfen haben viel zu tun, aber kaum Probleme mit diesem Winter

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Die Stühle im Besprechungsraum sind leuchtend lindgrün, auf den Fluren wird viel gelacht: In der Schweriner Friedhofsbewirtschaftung herrscht lebensbejahende Stimmung. Trotz 1000 Bestattungen pro Jahr – also knapp 20 pro Woche – empfinden die Mitarbeiter ihre Aufgaben nicht als bedrückend. Im Gegenteil: Jeder Tag stellt sie vor neue Herausforderungen. Rund 50 Hektar Friedhofsfläche – Alter Friedhof, Waldfriedhof, Platz der OdF – bewirtschaften 16 Mitarbeiter. Sie pflegen historische Grabanlagen, mähen Rasen, fegen Laub, halten die Wege frei, schneiden Büsche und Bäume, heben Urnen- und Erdgräber aus, schließen sie nach der Beisetzungen, sorgen für Sauberkeit auf dem Gelände, vertreiben Rehe, begutachten die Zäune, prüfen die Standfestigkeit von Grabsteinen. Jeden Morgen gibt es eine Frühbesprechung, bei der die Tagesarbeit aktuell eingeteilt wird. „Das operative Geschäft hier wird oft unterschätzt“, sagt Martina Stanelle, Leiterin der Friedhofsbewirtschaftung. Wann, wo und wie viele Bestattungen anstehen, lässt sich nicht planen. Innerhalb von zehn Tagen nach seinem Tod sollte ein Mensch in Deutschland beerdigt werden. Mindestens 24 Stunden vor der gewünschten Beisetzung muss sich der Bestatter beim Friedhof melden. Die wenigsten würden diese kurze Frist nutzen, manchmal käme es aber vor.

Um ein Erdgrab auszuheben, in dem ein ganzer Sarg beigesetzt wird, braucht es einen Bagger und mehrere Stunden Zeit. 1,80 Meter tief, 2,25 Meter lang und einen Meter breit muss das Loch sein, das innen verschalt ist. Nach der Beerdigung wird es wieder „verfüllt“ und die Kränze werden drapiert. „Gut acht Stunden kalkulieren wir für diese Arbeiten“, sagt Martina Stanelle. Für ein Urnengrab werde nur 80 Zentimeter tief gegraben, der Durchmesser der Bodenöffnung beträgt 50 Zentimeter. Das geht schneller und ist auch viel öfter gewünscht: Rund 90 Prozent aller Bestattungen in Schwerin sind Urnenbeisetzungen.

„Totengräber“ nennt man die Menschen, die diese Arbeiten ausführen, schon längst nicht mehr. Die meisten Mitarbeiter seien Garten- und Landschaftsgärtner, deren Ausbildung auch die Grabpflege beinhalte, sagt Fred Blumberg. Er arbeitet seit 20 Jahren auf den Schweriner Friedhöfen und betreut den „geschützten Bereich“, eine Gruppe von sechs Mitarbeitern mit Handicap.

Der Winter ist trotz Eis und Schnee für die Friedhofswirtschafter normaler, meist problemloser Dienst. Bei fünf Zentimetern Frost im Boden wie in den vergangenen Wochen komme man noch gut mit der Brechstange in die Erde, sagt Stanelle. Notfalls wird der Presslufthammer geholt. „Kokskörbe, die früher den gefrorenen Boden auftauten, verwenden wir heute aber nicht mehr“, sagt Fred Blumberg.

Nicht Frost, sondern schwere Schneelasten haben in dieser Saison für Probleme gesorgt. „Wir mussten im November zwei Tage die Türen für Besucher schließen, weil die Äste und Kronen zu brechen und auf die Wege zu stürzen drohten“, sagt Martina Stanelle. Hunderte Kubikmeter Holzbruch seien angefallen,mehr als 200 Bäume müssen noch nachbehandelt werden, schätzt Blumberg.

Die meisten Bestattungen gibt es übrigens von Donnerstag bis Sonnabend, manchmal zehn an einem Tag. Mittwochs wird möglichst niemand beigesetzt. Dann werden Löcher ausgehoben, abgedeckt – und auch Überstunden abgebummelt.

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