Sonderschau im Freilichtmuseum Mueß in Schwerin : Zauberlaterne bekommt Nachwuchs

Freut sich über seine neueste Errungenschaft: Volker Janke mit dem historischen Kinematographen, der eine Sammlungslücke schließt. Die Schau „Laterna Magica – Von magischen Kisten und faszinierenden Bildern“  ist bis 31. Oktober in Mueß zu sehen.  Klawitter
Freut sich über seine neueste Errungenschaft: Volker Janke mit dem historischen Kinematographen, der eine Sammlungslücke schließt. Die Schau „Laterna Magica – Von magischen Kisten und faszinierenden Bildern“ ist bis 31. Oktober in Mueß zu sehen. Klawitter

Die Sonderschau "Die Zauberhaften Bilder der Laterna Magica" im Freilichtmuseum Mueß zieht Sammler und Bewunderer in ihren Bann. Die beiden Kinematographen und der alte Diaprojektor sind ganz neue Museumsschätze.

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11. September 2012, 09:30 Uhr

Muess | Wenn Volker Janke in diesen Tagen in den Kunstkaten im Freilichtmuseum Mueß geht, dann steuert er besonders gern die schlanke Glasvitrine hinten rechts an. Sie gehört zur aktuellen Sonderschau "Die Zauberhaften Bilder der Laterna Magica", ist aber nicht von Anfang an dabei. Die beiden Kinematographen und der alte Diaprojektor sind ganz neue Museumsschätze und haben erst während der Ausstellung ihren Weg nach Mueß gefunden. Sie stammen aus Bremen, Bonn und Lüblow. Ihre Besitzer haben sich an Ausstellungskurator Volker Janke gewandt, nachdem sie die beeindruckende Schau gesehen oder von ihr gelesen hatten. "Eine deutschlandweit so große Resonanz auf eine unser er Sonderschauen haben wir selten", sagt der Volkskundler stolz. "Seitdem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung eine ganze Seite über unsere Later na-Magica-Ausstellung gebracht hat, bekommen wir bundesweit An fragen und viel Lob. Wir sind sehr stolz, dass wir mit einem leisen Thema so viel Aufmerksamkeit erregen", sagt Janke und fügt hinzu: "Mit einer Arno-Breker-Ausstellung ist das natürlich einfacher."

Die bunten Glasplättchen, die lustige, gruselige, romantische oder einfach nur informative Geschichten erzählen, sowie die wundersamen Apparaturen, mit denen man die Bilder riesengroß an die Wand werfen kann, sind Volker Jankes Spezialgebiet. Über die hauseigene Sammlung mit etwa 5000 Bildern hat er seine Magisterarbeit geschrieben. Die Zauberlaternen sind die Vorgänger der heutigen Filmprojektoren. Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist das Prinzip der Laterna Magica bekannt. Schausteller zogen früher von Ort zu Ort, um dem faszinierten Publikum ferne Welten, exotische Tiere, Himmelsphänomene, Märchen- oder Sagengestalten zu zeigen. Rund 350 bis 500 Mark kostete eine Laterna Magica etwa im Jahr 1900, ein dazugehöriges, handbemaltes Glasbild gab es für 12 Mark. Zum Vergleich: "Ein Landarbeiter verdiente in dieser Zeit etwa eine Mark am Tag", sagt Janke.

Auf der Suche nach weiteren, älteren Laternen-Bildern und womöglich auch Szenen aus Mecklenburg wurde Volker Janke in einem Internet-Auktionshaus fündig - und stieß auf eine Sammlung mit 1000 Glasbildern und zehn Vorführgeräten, die das Museum mit Hilfe des Fördervereins Klöndör kaufen konnte. Aus ihnen setzt sich die aktuelle Ausstellung im Kunstkaten zusammen. "Doch ein Kinematograph, also ein Gerät, das nicht nur Einzelbilder, sondern ganze Filmstreifen zeigen kann, fehlte", erzählt Janke. Das wichtige Bindeglied zwischen Laterna und Film.

Ein älterer Herr aus der Nähe von Bremen meldete sich dann in diesem Sommer im Volkskundemuseum. In seiner Familie wurde ein Kinematograph als Erbstück seit Jahren immer weitergegeben, jetzt sei er wohl reif fürs Museum, erklärte er. Janke holte das gepflegte Stück persönlich ab und lauschte den Geschichten von spannenden Heimkino-Abenden aus längst vergangenen Zeiten. Leider existierten die alten Filme, wie "Saufaus als Erfinder", nur noch in der Erinnerung. "Die Familie hatte sie vernichtet, weil das Material leicht entzündlich war und die Sachen auf dem Dachboden lagerten."

Nach dem Bremer "Schatz", dessen Alter Janke auf etwa 90 Jahre schätzt, kam ein Paket aus Bonn im Freilichtmuseum an. Ebenfalls ein Kinematograph. Und um den Bogen in die Moderne noch weiter zu spannen, gesellte sich in den vergangenen Tagen noch ein Dia-Vorführgerät aus DDR-Zeiten dazu. "Früher hatte fast jede Familie so eines, dann waren die Projektoren irgendwann veraltet und wurden weggeschmissen - genau nach dieser Müllphase werden sie selten und damit ein Fall fürs Museum", sagt Janke. Aber nicht nur fürs Museum: In einem Ferienprojekt mit Ataraxia haben junge Schweriner nämlich aus einzelnen, digitalisierten Laterna-Magica-Bildern kleine Filme zusammengestellt, die jetzt - na klar - im Internet zu sehen sind. Wer Lust auf einen historischen Filmausschnitt in moderner Form hat, findet sie nun ganz unkompliziert unter: www.sophie-medien.de/content/ film/la terna-magica.

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