Bewusste Entscheidung fürs Dorf : Zapelerin richtet Landarzt-Praxis ein

Freut sich auf neue berufliche Herausforderungen: Kerstin Schönrock  wird Landärztin. Das  Praxishaus  ist im Rohbau fertig.
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Freut sich auf neue berufliche Herausforderungen: Kerstin Schönrock wird Landärztin. Das Praxishaus ist im Rohbau fertig.

Allgemeinmedizinerin Kerstin Schönrock hat in vielen Bereichen Berufserfahrung gesammelt und eröffnet im März ihre eigenen Behandlungsräume

svz.de von
26. Dezember 2013, 23:39 Uhr

Auf das Frühjahr freut sich Kerstin Schönrock. Nicht nur weil die Temperaturen nach oben klettern und die Sonne länger scheint. Im März will die 48-Jährige in Zapel-Hof ihre Landarzt-Praxis eröffnen. „Das Haus steht im Rohbau, im neuen Jahr soll es mit dem Innenausbau weitergehen und dann kann ich bald mit der Inneneinrichtung loslegen. Ich freue mich auf diese neue Aufgabe“, sagt sie.

Kerstin Schönrock ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und wohnt mit ihrem Mann Dieter, zwei Hunden und mehreren Schafen im beschaulichen Dorf an der B 321. Sie hat in vielen Bereichen Berufserfahrungen gesammelt, war unter anderem Leitende Notärztin beim ADAC-Rettungsdienst, führte später in Raben Steinfeld und zuletzt in Schwerin eine eigene Praxis – bis 2011. Dann wollte sie etwas Neues machen. „Ich wollte mich beruflich verändern, etwas ausprobieren, den Blick für andere Dinge schärfen.“ Die Ärztin arbeitete in Kliniken bzw. Krankenhäusern wie Leezen und Ludwigslust, mehrere Monate in einer Praxis im Skigebiet in Österreich und vier Wochen in Sierra Leone.

Eine kleine Hilfsorganisation in Deutschland vermittelte ihr diese Arbeit in Afrika. Geld gab es für den Einsatz nicht. Aber der Zapelerin war er enorm wichtig. „Ich wollte das einmal im Leben gemacht haben.“ In dem Land, das zu den vier ärmsten der Welt gehöre, sei Hilfe dringend nötig. Kerstin Schönrock ist mit zwei Koffern, vollgepackt mit gespendeten Medikamenten, nach Sierra Leone gekommen. Damit konnte die Apotheke des kleinen Krankenhauses, in dem sie arbeitete, aufgefüllt werden. „Wer sieht, unter welchen Bedingungen diese Menschen leben müssen, wird nachdenklich.“ Und trotzdem zeigen sie Lebensfreude. „Oft denke ich, was wir für ein Glück haben, in diesem Teil der Welt zu leben. Mit Überfluss, der schon mal zum Überdruss werden kann.“

Schönrocks, die selbst zwei Kinder haben und die derzeit studieren, unterstützen eine Familie in Sierra Leone. Das wiederum hat mit der Arbeit von Dieter Schönrock zu tun. Er war beim Bundeskriminalamt und mitverantwortlich für die Sicherheit bei Dienstreisen des Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des Bundespräsidenten Horst Köhlers. So habe er in diesem afrikanischen Land Kontakt zu einem örtlichen Polizisten und dessen Familie bekommen. „Die Verbindung hält bis heute“, so Dieter Schönrock. Der Kriminalhauptkommissar ist jetzt amtierender Leiter des Kriminaldauerdienstes für den Landkreis Ludwigslust-Parchim. Die Zapeler Familie hat es möglich gemacht, dass die Tochter des afrikanischen Paars eine Ausbildung als Krankenschwester absolvieren konnte. Und der Sohn kann dank der finanziellen Unterstützung der Schönrocks die Grundschule besuchen.

Die zurückliegenden Monate mit den verschiedenen beruflichen Stationen möchte Kerstin Schönrock nicht missen. Dass sie wieder eine eigene Praxis aufmachen würde, den Gedanken gab es im Hinterkopf. Es stand allerdings recht bald fest, dass die Praxis auf dem Land sein werde, erklärt die Allgemeinmedizinerin. Einen Moment lang dachte sie daran, sich in Crivitz niederzulassen. Dort fand sie aber kein geeignetes Grundstück, das auch die entsprechenden Parkplätze bot. In Zapel-Hof war dies der Fall. Schönrocks erwarben ein Grundstück – es ist die einstige Baumschule an der Bundesstraße. Das neue Praxisgebäude wird u. a. zwei Sprechzimmer und einen Raum für Laboruntersuchungen haben. Zwei Arzthelferinnen sollen eingestellt werden.

Dass sie eine Praxis im Dorf einrichtet, davon waren einige zunächst überrascht. Ungewöhnlich, meinten sie, gerade in Zeiten, in denen mehr Arztpraxen auf dem Land schließen als öffnen. Aber sie habe von allen Seiten, auch von der Kassenärztlichen Vereinigung, dann viel Zustimmung erfahren. Im Dorf freue man sich über ihren Schritt. Zapels Bürgermeister Hans-Werner Wandschneider sei sofort begeistert gewesen, als er von der Idee hörte. „Und noch mehr erfreut war ich, als es tatsächlich mit dem Bau losging. Die Praxis wird die medizinische Versorgung auf dem Land weiter verbessern. Die Einwohner sind froh, eine Ärztin in ihrer Nähe zu haben. Außerdem wird unser Dorf aufgewertet: Wenn wir schon keine Schule oder kein Kita haben – eine Landarzt-Praxis haben wir bald“, betont er.

„Ich habe mich ganz bewusst für diese Praxis entschieden“, unterstreicht die Zapelerin. In der ländlichen Region seien die Beziehungen zu Patienten in der Regel intensiver, hier behandle man vom Kleinkind bis zu den Großeltern mehrere Generationen. Zudem gehe es ruhiger zu als in einer größeren Stadt. Und Ruhe weiß die 48-Jährige zu schätzen. Gern geht sie beispielsweise mit dem Labradorhund Nielsen und dem Australian Shephard Mylo spazieren und genießt die Weite der Landschaft.

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