Gartenstadt : Zank um Linie 7 geht weiter

Anstoß des Ärgers: Der Bus fährt rund 100-mal am Tag durch die Haselholzstraße.
Anstoß des Ärgers: Der Bus fährt rund 100-mal am Tag durch die Haselholzstraße.

Seitdem der Bus mitten durch das Wohngebiet der Gartenstadt fährt, herrscht Unruhe – nun wird das Thema neu aufgerollt

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17. Juli 2015, 08:00 Uhr

„Manche Schweriner müssen einfach mal die Kirche im Dorf lassen“, sagt eine Anwohnerin in der Hagenower Straße. Sie verstehe die Debatte nicht, die es immer noch um die Buslinie 7 gibt. Seit November des vergangenen Jahres fährt der Bus mitten durch das Wohngebiet der Gartenstadt. Und genau das wollen viele Anwohner nicht (SVZ berichtete). „Vor allem die Anzahl der Busfahrten durch die Haselholzstraße wird von der Mehrzahl der dortigen Bewohner als sehr belastend empfunden“, so Henning Foerster, Fraktionsvorsitzender der Linken.

Doch recht machen kann man es hier anscheinend niemandem. Denn: Viele Anwohner der Haselholzstraße wollen den Bus nicht. Hier hatte sich bereits im vergangenen Jahr die Bürgerinitiative „Neue Führung der Buslinie 7“ gebildet, die sich nun mit einem Schreiben an die Fraktion der Unabhängigen Bürger (UB) gewendet hat.

In dem Brief beklagen die Schweriner, dass etwa 100 Busse pro Tag in der Haselholzstraße verkehren. Der Lärmpegel sei unerträglich und würde die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nun wollen die Unabhängigen Bürger die Streckenführung der Buslinie prüfen lassen. Dabei gehe es um die Frage, ob in den Abend- und Nachtstunden von 21 bis 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen wieder die alte, bis Herbst 2014 gültige Streckenführung durch die Hagenower Straße eingerichtet werden könne. UB-Stadtvertreter Rolf Steinmüller: „Die Haltestelle Langer Berg in der Haselholzstraße wird in den benannten Zeiten wenig genutzt, so dass eine Änderung der Linienführung zu keinen nennenswerten Einschränkungen für Kunden oder Verlusten des Nahverkehrs führen dürfte. Jedoch würden wir durch diese bedarfsorientierte Linienführung eine deutliche Lärmreduzierung für die Bürger erreichen können.“

Doch das wollen die Anwohner in der Hagenower Straße nicht, so dass sich nun auch hier Anlieger zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben. „Durch eine geänderte Linienführung könnte nicht nur eine Verbesserung des Lärmschutzes hergestellt, sondern auch mehr Sicherheit für die Anwohner und Fußgänger geschaffen werden. Die Gelenkbusse müssen bei einer Kurvenfahrt weit ausholen, wobei das hintere Busteil dicht an den Fußweg oder sogar darüber fährt“, erklärte Stadtvertreter Steinmüller.

„Totaler Quatsch. Irgendwo muss der Bus doch lang fahren. Die Anwohner der Haselholzstraße haben doch, bevor sie dort gebaut haben, genau gewusst, dass es eine Buslinie durch das Wohngebiet geben wird. Die Pläne waren für alle zugänglich“, betont die Anwohnerin der Hagenower Straße. Sie findet die andauernde Debatte lächerlich. „Man muss nicht immer nur an sich denken, sondern auch mal an seine Mitmenschen – viele brauchen den Bus“, so die Schwerinerin.

Nun hätte sich auch Klaus Seehase, Geschäftsführer des Technologiezentrums, in dem mehrere hundert Beschäftigte tätig sind, mit Änderungswünschen zur Buslinienführung an die Verwaltung gewandt, berichtet Foerster. Diese seien allerdings anders gelagert als die der Bürgerinitiativen. Er schlage vor, dass die Taktung des Busses so bleibe, wie sie ist. Allerdings immer im Wechsel – einmal durch die Haselholzstraße, dann durch die Hagenower Straße. So halbiere sich die Belastung für alle Anwohner. Fakt ist: Zurzeit fährt der Bus 608-mal in einer Woche durch die Haselholzstraße. „Der Bus ist ausgelastet. Wir haben in einer Woche zwischen 500 und 600 zusätzliche Fahrgäste. Das zeigt, dass der Bus gut angenommen wird“, berichtet der Geschäftsführer des Nahverkehrs, Norbert Klatt. Außerdem ergäbe es keinen Sinn, den Bus irgendwo lang fahren zu lassen, wo keine Leute wohnen. „Wir hören von den Fahrgästen nur Positives“, betont Klatt.

In der jüngsten Sitzung der Stadtvertreter wurde die Linienführung thematisiert. Alle Beteiligten sollen nun noch einmal die Möglichkeit bekommen, ihre Argumente ein weiteres Mal sachlich auszutauschen und gemeinsam zu prüfen, ob es eine Kompromisslösung geben kann oder nicht. Das Anliegen wurde an den Fachausschuss für Bauen, Stadtentwicklung und Verkehr gegeben.

Kommentar der Autorin:

Alle wollen den Bus, aber bitte nicht vor der eigenen Tür

Fährt kein Bus oder nur sehr selten, beschweren sich die Anwohner. Fährt er regelmäßig, ist es auch nicht richtig. Das heißt, wenn er vor der eigenen Haustür fährt. Sonst ist es natürlich kein Problem. Denn was kümmert es einen, wenn andere von dem Lärm belästigt werden. Einerseits wollen die Anwohner die Vorzüge der Stadt genießen. Schnell einkaufen. Mal fix in die Altstadt. Doch ruhig wollen sie trotzdem leben. Ich kann es ihnen auch  nicht verdenken. Und trotzdem: Liebe Leute, denkt doch auch einmal an eure Mitmenschen, die den Bus benötigen um zur Arbeit zu kommen. Und auch an die, die die Strecken planen. Nur nörgeln und sagen, wie man es nicht möchte, hilft keinem.
 

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