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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 04:58 Uhr

Gute Aussichten : Zahl der Erwerbslosen sinkt weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gute Aussichten auf dem Job-Markt: Arbeitsagentur-Chef rechnet im neuen Jahr mit vielen weiteren Stellen in Westmecklenburg

von
erstellt am 02.Jan.2015 | 23:56 Uhr

Jörg Böhm, Vorsitzender des Landesarbeitslosenverbandes, hatte im vergangenen Jahr nicht mit deutlichen Worten gespart. Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt gehe an den Langzeitarbeitslosen vorbei, kritisierte er – und forderte eine stärkere Förderung dieses Personenkreises. Statt Betroffene weiter zu sanktionieren, sei eine tatsächliche Reform von Hartz IV notwendig, an deren Ende die Integration in Arbeit und in die Gesellschaft stehen müsse, so Böhm.

Langzeitarbeitslosen wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben, sei die Herausforderung in den kommenden Jahren, sagt auch der Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Dirk Heyden. Seit 2005 habe sich die Arbeitslosigkeit in Westmecklenburg halbiert, aber leider hätten nicht alle Erwerbslosen von dieser Entwicklung profitiert. So gäbe es in der Region aktuell rund 8000 Frauen und Männer, die länger als ein Jahr arbeitslos seien, erklärt Heyden.

Tatsächlich liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Zahl der insgesamt erwerbslos gemeldeten Personen in Westmecklenburg bei fast 40 Prozent. Um so größer ist die Hoffnung, die auch Agentur-Chef Heyden in das neue Bundesprogramm zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit setzt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit unseren kommunalen Partnern positive Effekte für die Menschen und für die Region erreichen können“, betont er. Auf fünf Jahre angelegt ist das Bundesprogramm, das die Integration von Langzeitarbeitslosen durch Lohnkostenzuschüsse und Coaching-Maßnahmen fördern will. Mindestens 160 Stellen sollen so in Schwerin und den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg geschaffen werden – in der Privatwirtschaft und bei den Kommunen.

In absoluten Zahlen kann sich die Jahresbilanz auf dem Arbeitsmarkt freilich schon jetzt sehen lassen: Zwar werden die Dezember-Zahlen erst in der kommenden Woche bekannt gegeben, doch steht bereits fest: 2014 war das Jahr mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Westmecklenburg seit 20 Jahren. Seit April ist die Erwerbslosenquote einstellig, liegt derzeit bei 8,3 Prozent. „Im Jahresdurchschnitt sind rund 23 500 Personen arbeitslos gemeldet gewesen – knapp drei Prozent weniger als 2013“, berichtet Heyden. In der Landeshauptstadt sei die Erwerbslosigkeit im Jahresverlauf sogar um mehr als vier Prozent zurückgegangen – von im Schnitt 5665 auf etwa 5410. Als Gründe für den im Bundes- und Landesvergleich „überproportionalen Rückgang“ der Erwerbslosigkeit in der Region nennt der Agentur-Chef drei Faktoren: die demografische Entwicklung, Pendlerbewegungen und Betriebsansiedlungen.

Und der positive Trend wird anhalten: Im kommenden Jahr erwartet Heyden eine weitere Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Allein mehr als 100 neue Jobs würden im Nestlé-Werk in den Göhrener Tannen in Schwerin entstehen. „Gesucht werden Fachkräfte aber auch in anderen Betrieben der Nahrungsgüterindustrie, in Pflegeeinrichtungen, in der Gastronomie, auf dem Bau und im verarbeitenden Gewerbe“, schildert der Agentur-Leiter. Spätestens im Herbst, so seine Prognose, werde bei der Zahl der Arbeitslosen in der Region die 20 000er-Marke unterschritten.

Heydens Botschaft gerade an junge Leute ist dann auch nicht überraschend: „In Westmecklenburg lässt es sich gut leben und arbeiten.“ Dabei könnten sich Schulabgänger mittlerweile fast aussuchen, welchen Beruf sie in welchem Unternehmen lernen wollen. „Früher waren betriebliche Ausbildungsstellen das knappe Gut“, so der Agentur-Chef. Er appelliert an Personalchefs, auch Jugendlichen mit weniger guten Noten eine Chance zu geben, um den Fachkräftenachwuchs in der Region zu sichern.

Die insgesamt positive Situationseinschätzung Heydens wird von der Politik geteilt. „Mecklenburg-Vorpommern ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es noch viel zu tun gibt“, sagt etwa die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Martina Tegtmeier. Auch sie verweist auf den Handlungsbedarf bei den Langzeitarbeitslosen. Einen günstigen Effekt auf die Einkommensentwicklung im Land erwartet sich Tegtmeier vom nun gültigen Mindestlohn.


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