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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 01:13 Uhr

Gemeinschaftssinn : Wohnvisionen in alter Schule

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemeinsam finanzieren, bauen, leben: In der Hospitalstraße wollen 40 Schweriner ein sozialökologisches Wohnprojekt verwirklichen

svz.de von
erstellt am 16.Jun.2014 | 22:00 Uhr

Am Anfang war eine Vision – von einem gemeinschaftlichen Leben mit Menschen, die sich mögen, aber nicht zu gut kennen. Die die gleichen Schwerpunkte im Leben setzen. Die ökologisch bewusstes Wohnen wollen mitten in der Stadt. Mit Kindern und Senioren, Garten und genug Platz für die Gemeinschaft wie fürs Private. Nach einer dreijährigen Findungsphase, in der neben konkreten Lebens-Ideen vor allem die Bauherren und das passende Sanierungsobjekt gefunden wurden, gab es jetzt den ersten Spatenstich. In der Hospitalstraße wird die ehemalige Schule so umgebaut und erweitert, dass sie neben 14 Wohnungen für gut 40 Menschen auch Platz bietet für Garten, Greenhouse, Sauna, Werkstätten, Auto-Stellplätze und einen großen Gemeinschaftsraum.

Der ehemaliger Innenminister Gottfried Timm bildet mit Ingenieur Thomas Kaase die Spitze der „Wohnwerk Schwerin GbR“, einer privat geführten Bauherrengemeinschaft. Als Einzugstermin für alle werden die Sommerferien 2015 angepeilt, denn viele der Bewohner haben Schulkinder im Gepäck. Die liefen jetzt schon vergnügt über bunte Striche auf dem Boden. „Hier ist mein Zimmer“, sagt Lisanne strahlend und deutet auf eine Linie. Der Anbau ist auf der Originalfläche eingezeichnet, das steigert die Vorfreude vor allem für Familien. Fünf Wohnungen wird es in dem dreigeschossigen Zusatzhaus geben, neun weitere entstehen in der alten Schule, die 1834 gleich neben der Werderklinik als Schwesternausbildungsstätte errichtet wurde. Meist werden jetzt zwei Klassenzimmer mit Hilfe eines Durchbruchs in der Mittelwand in eine Wohnung von etwa 80 bis 100 Quadratmetern verwandelt. Die Wohnungen sind insgesamt zwischen 25 und 125 Quadratmeter groß, haben wahlweise Balkone, Wintergärten, Terrassen, werden nach neuen ökologischen Erkenntnissen saniert, gedämmt und beheizt. Alle Wohnungen im Erdgeschoss sind altengerecht und schwellenfrei. Jeder Eigentümer durfte sich seinen eigenen Grundriss erstellen – soweit es die Statik zuließ. Die Architekten Kerstin Döring, Daniel Krüger und Thomas Kaase haben die Planungen gemacht – sie wollen alle drei auch in die Hospitalstraße 5 einziehen. Die Kompetenzen in der Bauherrengemeinschaft seien enorm, betont Gottfried Timm, in dessen bereits skizzierter Wohnung der große Tisch auffällt. Natürlich werde es auch einmal Ärger geben in so einer Gemeinschaft. „Aber bei allen ist der Wille vorhanden, Probleme konstruktiv zu lösen. Es gibt bei allen einen sehr realistischen Blick.“

Die Chemie stimmt zwischen den neuen Bewohnern. Das zeigt das freundliche Beisammensein am Spatenstich-Nachmittag. „Ich habe schon seit zehn Jahren gemeinschaftliche Wohnprojekte angeschoben“, sagt Kerstin Döring. „Aber am Ende ist nie etwas draus geworden, irgendetwas passte immer nicht.“ In der Wohnwerk GbR füge sich einfach alles, ihre Mitstreiter seien „zielorientiert und entscheidungsfreudig“. Die Architektin freut sich auf ein Leben mit den anderen. „Ich komme selbst aus einer großen Familie, ich würde den Trubel im Alter sicher vermissen. Also werde ich hier sehr gerne die Leihoma spielen.“

83 Jahre trennen den jüngsten vom ältesten künftigen Bewohner der Hospitalstraße 5, für Trubel scheint gesorgt. Alles weitere werde sich beim Bauen und Wohnen ergeben. Was „Gemeinschaft“ konkret bedeutet, darüber haben sich die Initiatoren bei manchem Wein und Bier schon den Kopf zerbrochen. Die Ideen klingen vielversprechend: von hausinternen Kinoabenden über regelmäßige Debattierclubs in der Espresso-Zigarren-Ecke bis hin zu Wohnungskonzerten ist alles möglich.



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