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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 18:25 Uhr

Lawine losgetreten : Wohnungsverkauf wird Politikum

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

WGS will Leerstand verringern und Blöcke veräußern, doch SPD-Kommunalpolitiker sieht Gefahren für Stadtentwicklung

von
erstellt am 27.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Der SPD-Stadtvertreter Dr. Rico Badenschier hat mit einem Rundschreiben an ausgewählte Kommunalpolitiker eine politische Lawine losgetreten. Unter der Überschrift „Privatisierung von kommunalem Wohnungseigentum in der Landeshauptstadt“ wendet sich der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Schweriner Sozialdemokraten mit einem Hilferuf an die Entscheidungsträger anderer Parteien. Es will den geplanten Verkauf von 1100 leerstehenden Wohnungen der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS) verhindern. Damit wird ein betriebswirtschaftlicher Vorgang zum Politikum.

Dr. Badenschier befürchtet: „Mit der Privatisierung von Wohnungen der städtischen WGS steht die Stadt davor, ihren Einfluss auf die Entwicklung des Schweriner Wohnungsmarktes und der Stadtentwicklung zu schwächen.“ Zudem sei nicht absehbar, wie viele Flüchtlinge die Stadt noch aufnehmen müsse. „Ich möchte nicht, dass wir eines Tages den Schwerinern, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen sind, keinen mehr anbieten können.“ Badenschier möchte, dass der Aufsichtsrat den Verkauf von der Tagesordnung nimmt und zunächst die Stadtvertretung darüber debattiert.

Das könnte auch der Hauptausschuss entscheiden, der heute Abend tagt. Doch merkwürdigerweise lag dem zumindest bis gestern Abend kein Antrag der SPD vor. Pikant scheint zudem, dass der Fraktionsvorsitzende der SPD, Daniel Meslien, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der WGS, auf den vier Aufsichtsratssitzungen, die den Verkauf vorbereitet haben, immer dafür gestimmt hatte.

Aus nachvollziehbaren Gründen, wie WGS-Geschäftsführer Thomas Köchig meint. „Wir haben derzeit etwa 5200 leerstehende Wohnungen in Schwerin. Fast die Hälfte davon, rund 2400, gehören der WGS. Das ist ein Leerstand von 18,7 Prozent. Der ist betriebswirtschaftlich unvertretbar. Und jeder Schweriner zahlt bei den Betriebskosten mit dafür. Wir selbst haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, in Größenordnungen zu sanieren.“ Köchig verweist auf entsprechende Beschlüsse der Stadtvertretung. „Hier gibt es keine Geheimniskrämerei. Der geplante Verkauf ist durch die Ausschüsse gegangen, der Aufsichtsrat hat auf vier Sitzungen die Pläne gebilligt.“

Auch Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow hat sich zu Wort gemeldet. Sie will der Sorge, dass Schwerin Flüchtlinge nicht unterbringen kann, entgegentreten. „Alle uns zugewiesenen Flüchtlinge bekommen ein Dach über dem Kopf. Doch wir werden nicht mehr Asylsuchende aufnehmen, nur um zusätzliches Geld vom Land zu bekommen. Tausende Flüchtlinge in leerstehende WGS-Wohnungen zu stecken, einer solchen Idee werden wir nicht zustimmen. Das würde alle unsere Integrationsanstrengungen überfordern.“

 

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