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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 17:09 Uhr

Neubau geplant : Wohnkuben ersetzen Wohnheim

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Umbau des Großen Dreesches geht östlich des Monumentenberges weiter, wo das neue Anne-Frank-Carré entsteht

von
erstellt am 24.Aug.2014 | 23:16 Uhr

Wo bis Ende 2011 Wohnungslose eine Bleibe erhalten hatten, sollen bald junge Familien ein neues Zuhause finden. In der Anne-Frank-Straße wird ein neues Wohnquartier aus dem Boden gestampft: zwölf Dreigeschosser mit je sechs Eigentumswohnungen. Im Schatten des Hochhauses entsteht mit „Wohnen am Park“ ein Stück neuer Großer Dreesch.

Dieser Stadtteil gehört zur jüngeren Geschichte Schwerins. 1971 rollen dort die ersten Bagger. Das Plattenbaugebiet soll 14 000 Schwerinern ein modernes Zuhause geben. Ein Jahr später ziehen die ersten Mieter ein. Im Dezember 1977 übergeben Schwerins Politiker die Poliklinik in der Kalininstraße, die heutige Anne-Frank-Straße, an die Stadt der sieben Seen. Der Monumentenberg schräg gegenüber bekommt 1978 ein neues Gesicht. Östlich davon entstehen auf dem Gebiet des künftigen neuen Quartiers damals moderne Wohnkomplexe.

Nach der Wiedervereinigung kämpft auch der Dreesch mit Einwohnerschwund. Der Stadtteil muss sich anpassen. Die einst modernen Wohnungen gelten nicht mehr als „chick“. Vernagelte Türen, blinde Fenster, schrammelige Blechbalkone und gammlige Fassaden bestimmen immer stärker das Bild des Stadtteils. Das Image-Problem der Platte wird größer, um so leerer der Dreesch wird. Im August 2004 fällt der erste Wohnheimkomplex in der Anne-Frank-Straße der Abrissbirne zum Opfer. In einem weiteren, leer stehenden Block erhalten Obdachlose zeitweise ein Dach über dem Kopf.

Die Theatergruppe des Goethe-Gymnasiums, kurz „Taggs“, macht im Juni 2010 einen leer stehenden Block in der Nachbarschaft zur Theaterbühne. Ende 2011 zieht das Obdachlosenheim in die Weststadt, im Februar 2012 werden das Gebäude und der Nachbarblock dem Erdboden gleich gemacht. Während die WGS überlegt, wie sie die Brachfläche vermarktet, wächst Gras über die kahle Stelle. Jetzt werben Schilder für den neuen Wohnstandort auf jungem aber doch geschichtsträchtigem Bauland.

Immerhin weist auch der Straßenname auf eines der bedeutendsten Zeitdokumente deutscher Geschichte: Das Tagebuch der Anne Frank ist seit 1947 in mehr als 50 Sprachen erschienen und erzählt die Geschichte der jüdischen Familie, die sich vor den Nationalsozialisten versteckt hatte. Anne Frank selbst starb kurz vor Kriegsende 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

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