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Einsturzgefahr durch Baugrube : Wohnhaus in Schwerin evakuiert

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Massive Bauschäden, gar Hauseinstürze durch Baustellen kommen in Deutschland immer mal wieder vor. Jetzt musste in der Schweriner Innenstadt ein mehrstöckiges Wohnhaus evakuiert werden.

svz.de von
erstellt am 06.Mär.2017 | 20:10 Uhr

Schreck in der Abendstunde in der Schweriner Innenstadt: Als der Grünen-Politiker Lothar Gajek nach einer Sitzung seiner Stadtfraktion am Montagabend nach Hause gehen will, steht er plötzlich vor einer Polizeiabsperrung. In der Johannesstraße unweit des Schweriner Hauptbahnhofs herrscht Ausnahmezustand: Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sind mit 25 Helfern, Krankenwagen und Drehleiter angerückt.

„Überall war Blaulicht“, berichtet Anwohnerin Hannelore Bohling. Massive, mehrere Meter lange Risse im Giebel werden dokumentiert. Neben dem Haus befindet sich eine Baugrube. Sie wurde voriges Jahr ausgehoben, demnächst sollte mit dem Bau eines neuen Gebäudes begonnen werden, erzählt Gajek. Jetzt droht das Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, hineinzurutschen.

Die Behörden entscheiden schnell: Das Gebäude muss geräumt werden, es besteht Einsturzgefahr. „Die Risse waren außen und innen sichtbar“, berichtet Einsatzleiter Stefan Jakobi. „Wir haben uns vor Ort mit einem Architekten und einem beauftragten Ingenieurbüro beraten. Die Standsicherheit des Gebäudes war gefährdet. Somit bestand unmittelbarer Handlungsbedarf.“ Die zehn Bewohner werden in einer nahe gelegenen Pension untergebracht.

„Ich war geschockt“, sagt Gajek. Aber nicht wirklich überrascht. Er hatte den ersten Riss schon am vergangenen Freitag in seiner Wohnung entdeckt: eineinhalb Meter lang und einen Zentimeter breit. Er informierte die Hausverwaltung. Am Montagabend darf er nur in Begleitung von zwei THW-Leuten kurz in seine Wohnung. Er versorgt Katze und Schildkröte, packt das Nötigste.

Dann rückt das Technische Hilfswerk an und stützt die Giebelwand mit einer großen Holzkonstruktion ab. Für die Arbeiten muss ein Kran angefordert werden. Erst am Dienstagmorgen sechs Uhr ist der Einsatz beendet, und die Helfer können endlich an Schlaf denken.

Nun sind die Baustatiker und Prüfingenieure gefragt. Sie müssen entscheiden, ob die Bewohner nach dem Abstützen des Giebels wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. Am Dienstagnachmittag die erlösende Nachricht für einen Teil der Hausbewohner: Die Mieter des linken Hausteils - weit entfernt vom beschädigten Giebel - dürfen in ihre Wohnungen zurück. Der rechte Gebäudeteil bleibt gesperrt.

„Für den rechten Gebäudeteil müssen wir erst noch die Bauunterlagen sichten, um die notwendigen Sanierungsmaßnahmen des abgesackten Giebels festzulegen“, sagt Steffen Güll von der Bauaufsicht. Die Hauseigentümer seien jetzt in der Verantwortung, die Arbeiten zu veranlassen. „Erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten können wir als Bauaufsicht die Nutzung der derzeit gesperrten Wohnungen wieder freigeben.“

Massive Bauschäden, gar Hauseinstürze durch Baustellen kommen in Deutschland immer mal wieder vor. Zu den spektakulärsten Fällen zählt der Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor acht Jahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung gegen 94 Beschuldigte. Es wird angenommen, dass Bauarbeiten für eine neue U-Bahnhaltestelle zu dem Unglück führten.

In Berlin ist die Friedrichswerdersche Kirche seit 2012 geschlossen, der Innenraum wird durch ein gigantisches Stahlgerüst abgestützt. Das Hochziehen eines neuen Gebäudekomplexes an der Westseite hatte zu klaffenden Rissen in den Kirchengewölben geführt. Die Wiedereröffnung ist ungewiss.

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