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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 01:34 Uhr

Gerettetes Denkmal : Wohnen mit Holz und Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauhistoriker Dr. Tilo Schöfbeck hat seinen Traum verwirklicht: Puschkinstraße 20 kann bald bezogen werden

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Für das marode Haus in der Puschkinstraße 20 hätten vor Jahren wohl die wenigsten Schweriner noch einen Cent gegeben. Bis Bauhistoriker Dr. Tilo Schöfbeck sich in die ehemalige Havemannsche Brauerei verliebte. Die Architekten der Schelfbauhütte gaben dem Haus trotz seiner 300 Jahre, beachtlicher Absenkungen und einiger vergammelten Stellen eine gute Prognose. Schöfbeck wagte die Sanierung. Drei Jahre dauerte die Planung. Vor rund einem Jahr begann die Entkernung, heute geben sich zahllose Mietinteressenten die historischen Klinken in die Hand.

Der Bauherr strahlt übers ganze Gesicht, wenn er das gerettete Kleinod präsentiert, das noch überall Geschichte ausatmet. „Von der ursprünglichen Substanz ist das Fachwerk erhalten worden sowie die Dachkonstruktion“, erzählt Schöfbeck. Die „historische Schiefe“ hat das Gebäude behalten, obwohl die Konstruktion an manchen Stellen um mehr als 20 Zentimeter angehoben wurde. Lichtdurchflutete Räume mit abgeschliffenen Dielen, barocken Fenstern, massiven Holztüren, wertvollen Wandpaneelen, rohen Balken, modernen Bädern, vielen Stufen und herrlichen Jugenstilelementen erwarten die neuen Mieter. Die insgesamt fünf Wohnungen sind 38, 49, 78, 117 und 120 Quadratmeter groß – Wohnen im Denkmal für Singles und Familien.

„Viele Leute fragen mich, warum wir die Fassade hellgrau angestrichen haben, anstatt das Fachwerk sichtbar zu lassen“, sagt Schöfbeck. „Die Antwort ist ganz einfach: Die Farbe ist historisch korrekt in der Residenzstadt Schwerin. Wer nämlich früher in der Stadt lebte, baute sich ein Haus aus Stein. Fachwerk war was für die Dorfbevölkerung und in der Stadt irgendwie peinlich, meinten die Leute. Wer sich aber kein Steinhaus leisten konnte, malte sein Fachwerk einfach an.“ Das Haus in der Puschkinstraße 20 wurde vermutlich 1697 erbaut. Der erste Eigentümer und die Nutzung sind unbekannt. Erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts tritt es als Brauhaus in Erscheinung. Um 1884 erhielt das Haus eine Schankstube mit historistischer Vertäfelung und einen Kontorraum. In den 1920er Jahren zogen eine Spirituosenfabrik und eine Dampfbäckerei ein. Letztere bestand bis etwa 1993, die letzten Mieter waren schon vor 1988 ausgezogen; seitdem war das restliche Haus gesperrt und sollte abgebrochen werden. Nach der Wende gehörte es einem Privateigentümer, von dem es die Stadt Schwerin 2008 kaufte, um die Altlasten zu sanieren, die sich in den Hofgebäuden angesammelt hatten, die zu DDR-Zeiten teilweise als Galvanisieranstalt genutzt worden waren. Die Wirtschaftsgebäude wurden komplett abgebrochen.


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