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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 02:09 Uhr

Schweriner Bauprojekte : Wohnen in der Autowerkstatt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für die rund 62 000 Quadratmeter große Industriebrache liegen der Stadt drei Angebote von Schweriner Investoren vor

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 20:45 Uhr

Jahrelang hat die Stadt das Areal des ehemaligen Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk (KIW) Vorwärts am Mittelweg angeboten wie sauer Bier. Doch keiner wollte die teils unter Denkmalschutz stehende Industriebrache haben. Nach nochmaliger Ausschreibung liegen seit Anfang Oktober nun „drei ernst zu nehmende Kaufangebote“ vor, wie Baudezernent Bernd Nottebaum erklärte. Die Konzepte wurden gerade den Stadtvertretern vorgestellt.

Vor Monaten schon hatte der Schweriner Architekt Ulrich Bunnemann von sich aus Interesse am Vorwärts-Gelände bekundet. Der Projektentwickler, der derzeit die Alte Brauerei und die Schwimmhalle am Fliederberg zu Wohnstandorten umbaut, will auch am Mittelweg vor allem Wohnungen errichten. Auch Kleingewerbe kann sich Bunnemann in begrenztem Umfang dort vorstellen. Die Freiwillige Feuerwehr Mitte, die die Stadt gern in den alten Garagen im vorderen Bereich des Areals unterbringen würde, spielt bei ihm keine Rolle.

Das sieht bei Ulf Heyer anders aus. Der Investor, der auch die Flächen rund um das Zippendorfer Strandhotel entwickeln will, würde die Feuerwehr integrieren. Kernstück seines Konzeptes ist der Einbau eines Veranstaltungszentrums in die große Vorwärts-Halle. Ergänzend sollen Wohnungen dazu kommen.

Das dritte Angebot kommt von einer Investorengruppe: Wolfgang Winkler, Rainer Cyliax und Mario Kube wollen auf der 62 000 Quadratmeter großen Fläche eine Mixtur aus Gewerbe und Wohnen etablieren. Die Feuerwehr könnte nach ihrem Konzept auch dort einziehen. Winkler und Kube sind in Schwerin keine Unbekannten. Sie wollen seit Jahren den Park hinter der Werderklinik bebauen, zeigen auf ihrer Homepage im Internet allerdings veraltete Pläne.

Die aktuellen Ideen finden bei den Stadtvertretern ein sehr positives Echo. „Endlich gehts vorwärts bei Vorwärts“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Masch. Freude auch bei CDU-Chef Sebastian Ehlers: „Es wäre sehr gut, wenn einer der letzten innenstadtnahen Standorte mit Wohnungen bebaut werden würde.“ Und Gerd Böttger von den Linken hebt hervor, dass es Ideen gibt, die Feuerwehr Mitte zu integrieren. „Außerdem ist es wichtig, dass auch Mietwohnungen entstehen sollen.“ Das hebt auch Masch hervor: „Besonders hat mir das Angebot eines Schweriner Architekten gefallen, der Altes mit Neuem verbinden will und auch Familien mit nicht ganz so großem Geldbeutel im Blick hat.“ Der SPD-Mann will sich wie die anderen aber noch nicht festlegen. „Die Fraktionen werden die Vorhaben jetzt erst einmal intensiv diskutieren“, sagt auch Sebastian Ehlers. Die Verwaltung will dafür als Hilfe eine Bewertungsmatrix erarbeiten. Dabei soll der gebotene Preis nicht das wichtigste Argument sein, versicherte Baudezernent Nottebaum. Die Kaufangebote liegen zwischen 500 000 und 782 000 Euro.

Bei aller Euphorie, dass nach jahrelangem Stillstand jetzt gleich drei Angebote für Vorwärts vorliegen, können aber immer noch Hindernisse auftreten. Denn noch ist gar nicht genau klar, welche Altlasten auf dem Grundstück liegen. Dass es jede Menge Asbest zu entsorgen gilt, steht indes schon fest. Was aber aber im Boden verborgen ist, weiß noch keiner. An dem Standort wurde von 1948 bis Anfang der 1990er-Jahre mit Öl und Treibstoff hantiert.

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