Gartendebatte : Wohnen im Garten schlägt Wellen

Die meisten Gartenlauben in Schwerin sind nicht zum  Wohnen geeignet. Sollte das erlaubt werden, wären Umbauten notwendig. Doch die Mehrheit lehnt diese Idee ab.
Die meisten Gartenlauben in Schwerin sind nicht zum Wohnen geeignet. Sollte das erlaubt werden, wären Umbauten notwendig. Doch die Mehrheit lehnt diese Idee ab.

Heftige Diskussion: SVZ-Leser lehnen mehrheitlich die Idee ab, Rentnern zu ermöglichen, ihre Gartenhäuser für Wohnzwecke zu nutzen

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18. Februar 2014, 23:21 Uhr

Der Vorschlag des Schweriner Architekten Rolf Spille, Senioren den Umbau von Gartenlauben zum Alterswohnsitz zu erlauben, bewegt die SVZ-Leser. Nachdem sich bereits zahlreiche Schweriner auf der Internet-Plattform der SVZ und auf Facebook zu Wort gemeldet hatten (SVZ berichtete), gehen weitere Meinungsäußerungen und Leserbriefe zum Modell der so genannten „Rentenergänzungshäuser“ ein. Die Telefonabstimmung, zu der wir gestern eingeladen hatten, zeigt, dass es sowohl eine große Gruppe von Befürwortern als auch von Gegnern gibt, wobei die Ablehnung überwiegt.

Die Argumente, die zur Untermauerung von Pro und Kontra ins Feld geführt werden, sind größtenteils sachlich. Wolfgang Müller, langjähriger Kleingärtner aus Schwerin und früher ehrenamtlich in diversen Funktionen im Kleingartenverband tätig, schreibt: „Der Vorschlag von Herrn Spille, Rentner könnten doch ihren Kleingarten als Hauptwohnsitz nutzen, hört sich zwar theoretisch nicht schlecht an, ist aber nicht durchzuführen. Ich gehe von unserer Medeweger Anlage mit 230 Gärten aus. Einmal würde aus den Gärten ein nicht überschaubarer Bauplatz entstehen, denn nur in etwa zehn oder zwölf Lauben wäre eine derartige Nutzung sofort möglich. Der einst von Schreber entwickelte Charakter eines Kleingartens wäre nicht mehr gegeben. Außerdem könnten die strengen hygienischen Vorschriften nicht eingehalten werden. Unsere Anlage besteht 95 Jahre. Die Wege sind eng, nicht genügend befestigt und nicht günstig angelegt, so dass z. B. nur kleine, leichte Fahrzeuge Bewegungsfreiheit haben. Weitere Gegenargumente ließen sich aufzeigen: So wird beispielsweise im Winter das Wasser abgestellt. Man sollte lieber im Sinne des Kleingartengesetzes den Kleingärtnern eine bezahlbare Pacht ermöglichen“, so Müller.

Michael Wählke empört sich wortreich: „Solche unausgegorenen Privat-Gedanken wirbeln bei den 8000 Schweriner Kleingärtnern unnötig Staub auf und sorgen für vermeidbare Verunsicherung. Die Nutzung von Kleingärten ist in Deutschland unter anderem durch das Bundeskleingartengesetz geregelt. Das besagt: ,Ein Kleingarten ist ein Garten, der dem Nutzer (Kleingärtner) zur nichterwerbsmäßigen gärtnerischen Nutzung, insbesondere zur Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf, und zur Erholung dient (kleingärtnerische Nutzung).‘ Durch diese Auflagen haben die Kleingartenanlagen einen typischen Charakter, der durch ein dauerhaftes Bewohnen verloren ginge. Das Bundeskleingartengesetz garantiert den Nutzern ferner eine preiswerte Pacht. Ein 300 Quadratmeter großes Gartengrundstück kostet in Schwerin im Monat zwei Euro Pacht. Das ist für jeden erschwinglich. Beim Einstieg in die wohnliche Nutzung kämen hier erhebliche Pachterhöhungen auf die Kleingärtner zu“, schreibt Wählke im Internet-Forum. Ähnlich äußert sich dort auch Wolf Polski. Auch er befürchtet, dass „ruck-zuck aus einer Kleingartenanlage ein Freizeitobjekt mit 30-facher Pacht“ wird. Zu Wort meldet sich auch der Vorstand des Regionalverbandes der Gartenfreunde Parchim. Auch er verweist auf das Kleingartengesetz und warnt: Die Vorstellungen von Herrn Spille würden das Aus für das Kleingartenwesen bedeuten.

Ideengeber Rolf Spille verfolgt die Debatte sehr gelassen: „Ich habe 1972 das Wohnmodell Steilshoop initiiert, 1974 den Umbau der Hamburger Speicherstadt zum Wohnstandort angeregt und 1982 die schwimmenden Häuser in Berlin und Hamburg. Die Realisierung dieser Ideen hat teilweise mehr als 30 Jahre gedauert. Hoffentlich geht es diesmal zügiger“, erklärt Architekt Rolf Spille.

Doch das ist nicht in Sicht, die Schweriner Kommunalpolitik hält sich zurück: Bauausschussvorsitzender Dr. Hagen Brauer sieht Spilles Vorschlag eher skeptisch. „Es gibt deutlich mehr Argumente, die dagegen sprechen“, sagt Brauer. „Wir haben in Schwerin, anders als in anderen Großstädten, keinen Mangel an Wohnraum. Und ich glaube auch nicht, dass man der Mehrheit der Kleingärtner einen Gefallen tut, wenn man den Umbau erlaubt. Das schafft Konfliktpotenzial. Abgesehen davon gibt es gesetzliche Vorschriften für Feuerwehr, Krankentransport, Post und so weiter. Es würde erhebliche Investitionen der öffentlichen Hand in die Infrastruktur erfordern, wollte man die Idee umsetzen“, so Brauer.

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