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Streit im Schweriner Hafenquartier : Wohnen auf der Baustelle

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Käufer von Eigentumswohnungen der Wohnungsgesellschaft Schwerin beklagen Baumängel und Zeitverzug: Im Hafenquartier am Ziegelsee herrscht Streit.

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erstellt am 28.Aug.2012 | 09:45 Uhr

Werdervorstadt | Ihren Traum vom schönen Wohnen wollte sich Irmgard Brenner erfüllen, als sie sich für eine Eigentumswohnung im Hafenquartier am Ziegelsee interessierte. Sie entschied sich für das Projekt HQ 5. "Ich habe ganz gezielt das Objekt mit dem kommunalen Bauträger, der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), gewählt in der Hoffnung, dass dann alles besonders gut und einfach klappt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, ich bin enttäuscht", beklagt sie. Die Wohnung sei viel später fertig geworden als vereinbart und weise zahlreiche Mängel auf, die bis heute nicht beseitigt worden seien. Die Badewanne fehle, bei den Malerarbeiten sei gepfuscht worden, ebenso bei der Verlegung des Parketts und der Fußleisten, nennt Brenner als Beispiele und versichert, dass es anderen Bewohnern ähnlich gehe. Sie habe jetzt einen Anwalt eingeschaltet, um endlich zu ihrem Recht zu kommen. "Ich bin nervlich am Ende", sagt die Schwerinerin.

Die Probleme mit HQ 5 haben mittlerweile für so viel Wirbel gesorgt, dass der Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft das Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat. Mit überraschendem Ergebnis: Aus Sicht des Gremiums konnte kein schuldhaftes Fehlverhalten festgestellt werden, fasst Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Meslien zusammen. Allerdings sei einiges unglücklich verlaufen. "Es hat sicher Fehler gegeben, doch keine so gravierenden, die das Projekt gefährdet hätten", betont Meslien. "Wir haben uns detailliert informiert und Experten aus der Beteiligungsverwaltung hinzugezogen. Die sind zu dem gleichem Ergebnis gekommen."

WGS-Geschäftsführer Guido Müller versteht die Aufregung nicht. Im HQ 5 seien 18 Eigentumswohnungen, vergleichbar mit einer kleinen Eigenheimsiedlung. Dass da bei den Bauabläufen nicht immer alles so über die Bühne gehe, wie jede einzelne der 18 Parteien sich das vorstelle, sei doch nicht ungewöhnlich. Müller räumt aber auch ein, dass es Mängel am Bau gegeben habe, "Doch die werden, wenn sie als solche identifiziert sind, auch beseitigt." Dass Regressansprüche von bestimmten Baufirmen nicht immer zeitnah erfüllt würden, sei ärgerlich, wenngleich auch nicht ungewöhnlich, wie jeder private Bauherr wisse, so der WGS-Chef. Ärger habe es vor allem mit einer Fliesenlegerfirma gegeben, der letztendlich der Auftra g entzogen werden musste. "Wir hatte n aber auch sehr viele Sonderwünsche der künftigen Wohnungseigentümer, die von der Veränderung des Wohnungszuschnitts bis hin zum Einbau sehr hochwertiger Fliesen und Armaturen reichten. Da gingen die Auffassungen, was Kosten und Lieferzeiten betrifft, zum Teil erheblich auseinander", erläutert der Bauherr. Doch die Streitpunkte seien nun im Wesentlichen geklärt. Mit zwei potenziellen Wohnungseigentümern liege die WGS allerdings im Rechtsstreit. "Wir haben unterschiedliche rechtliche Standpunkte, aber ich hoffe, dass wir uns gütlich einigen können. Wenn nicht, scheuen wir uns nicht, vor Gericht zu gehen", so der WGS-Geschäftsführer.

Aus seiner Sicht habe jeder Interessent gewusst, worauf er sich einlasse. Dabei sei es sicher nicht glücklich gewesen, dass zwischen den ersten Notarverträgen für die Übergabe des Wohneigentums und der vertraglichen Übergabe des Gemeineigentums wie Treppen, Lift, Fußbodenbeläge im Treppenhaus und Wohnumfeldgestaltung mehrere Monate lagen. "Doch das wusste jeder", sagt Müller. Einige Eigentümer hätten es aus Kostengründen bewusst in Kauf genommen, wochenlang mit einer Baustelle zu leben, andere aber davon im Nachhinein nichts mehr wissen wollen, schildert er einige Streitfälle.

Das hindert die WGS aber nicht, ein neues Projekt im Hafenquartier ins Auge zufassen. "Wir wollen aber noch den Abschlussgeschäftsbericht für HQ 5 abwarten, bevor wir über das nächste Bauvorhaben entscheiden. Glücklicherweise verfügen wir in dem Gebiet noch über Grundstücke, denn die Nachfrage nach hochwertigem Wohnen steigt", erläutert Aufsichtsratschef Meslien. Dann indes würde, was die Koordination von Bauabläufen und Eigentümerwünschen betreffe, vieles effizienter gestaltet werden müssen.

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