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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 03:23 Uhr

Industriebrachen in Schwerin : Wohnen am Abstellgleis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Industriebrachen in Schwerin – heute: Der Güterbahnhof soll attraktives Wohngebiet mit viel Grün werden

von
erstellt am 12.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Einst gingen Hunderte dort zur Arbeit, die Produktionsstätten waren aus dem Alltag der Schweriner nicht wegzudenken. Heute sind es nur noch dem Verfall preisgegebene Industriebrachen. In dieser Woche nehmen wir fünf davon unter die Lupe – heute: den Güterbahnhof.

Wer vom Obotritenring in die Güterbahnhofstraße abbiegt und an den Gleisen entlang fährt, steht nach etwa 300 Metern vor einem historischen Güterboden. „Güterabfertigung“ steht noch an der Giebelwand, darunter ein verblichenes Deutsche-Bahn-Logo. Links geht der Blick über eine verwilderte Brachfläche mit Büschen und kniehohen Gräsern. Dahinter Putzbauten mit leeren Fensterhöhlen. Nur auf der anderen Seite, verdeckt von einem verfallenen Bahnsteig, sind ein paar Triebwagen abgestellt. Der ehemalige Güterbahnhof ist eine Industriebrache par excellence. Im November vergangenen Jahres hat es hier sogar gebrannt. Zwei jugendliche Dauerausreißer hatten in einem historischen Gebäude Feuer gelegt. Dabei war dies einmal ein eigenständiger Bahnhof mit eigenem Stellwerk, eigener Stückgutverladung und mehreren Güterschuppen. Bis in die 90er-Jahre herrschte hier noch Betrieb.

Im Jahr 1847 wurde Schwerin an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Zehn Jahre später, 1857, ging der Güterbahnhof in Betrieb. Zu DDR-Zeiten fand hier nicht nur der übliche Güterumschlag statt. In einem Gebäude gab es beim VEB Baustoffversorgung Zement, Toilettenbecken und andere Baumaterialien. Wer Chancen haben wollte, etwas zu ergattern, musste sich schon am Vorabend anstellen.

Das ist alles lange vorbei. Der Güterbahnhof wurde von der Bahn aufgelassen und steht zum Verkauf. Nach SVZ-Informationen wird derzeit mit zwei Interessenten verhandelt. Die Vorgaben sind klar: Das 13 Hektar große Areal soll mit Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern, eingebettet in viel Grün, bebaut werden. Die historischen Gebäude sollen aber erhalten werden.

Dafür gab es bereits einen städtebaulichen Wettbewerb. Gewonnen hat der Entwurf des Büros BS+ städtebau und architektur aus Frankfurt/Main in der Arbeitsgemeinschaft mit el:ch Landschaftsarchitekten aus München/Berlin.

Vor 14 Jahren gab es schon einmal Ideen für eine neue Nutzung des Güterbahnhofs. 2003 war die Fläche als einer von zwei Hauptstandorten für die Bundesgartenschau 2009 vorgesehen. Eine Mehrzweckhalle, Blumenflächen, Sportanlagen waren hier vorgesehen. Doch weder ein Investor noch eine Nachnutzung der Gebäude gab es. Ganz zu schweigen von den Altlasten, die im Boden des Güterbahnhofs schlummern. Die Pläne wurden zu den Akten gelegt, für die Buga wurde ein neues Konzept entwickelt.

Wann es auf dem Güterbahnhofsgelände mit der Wohnbebauung losgehen wird, zeichnet sich noch nicht ab. Erst muss der Verkauf des am Medeweger See gelegenen Areals über die Bühne gehen.

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