Schweriner Geschichte : Wohin nur mit dem Stadtmuseum?

So könnte der Eingang eines Museums in der Alten Brauerei einmal aussehen.  Grafik: Schelfbauhütte
So könnte der Eingang eines Museums in der Alten Brauerei einmal aussehen. Grafik: Schelfbauhütte

Kulturwerkstatt nahm drei Standorte unter die Lupe und beschäftigte sich mit der Finanzierung – ob ein Museum kommt, ist völlig offen

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02. August 2016, 09:00 Uhr

Die Stadtgeschichtliche Ausstellung in den Schweriner Höfen am Marienplatz wird gut besucht. Tausende kommen, um etwas über die Entwicklung der Landeshauptstadt zu erfahren – hauptsächlich Touristen. Braucht Schwerin da noch ein neues Stadtgeschichtsmuseum? Das alte im Großen Moor war vor Jahren aus Geldnot geschlossen worden. Seitdem ist die finanzielle Lage der Stadt noch schlechter geworden.

„Eine umfassende stadtgeschichtliche Ausstellung ist für eine Stadt, die Welterbe werden will, einfach unverzichtbar“, hieß es bei einer Kulturwerkstatt zu diesem Thema. Nur wie und wo könnte ein solches Museum entstehen und wer soll es bezahlen?

Drei mögliche Standorte wurden bei der Kulturwerkstatt genannt: die Schweriner Höfe, wo eine kleine Ausstellung schon jetzt zu sehen ist, das Haus neben dem soziokulturellen Zentrum „Der Speicher“ und die historischen Gebäude der Brauerei Schall & Schwencke.

Die Ausstellung in den Höfen ist zwar ein kleiner Happen zur Stadtgeschichte Schwerins – moderne Anforderungen an eine museale Präsentation erfüllt sie aber nicht, so Experten. Außerdem müssten die Räume auf Dauer von der Stadt gemietet werden. Von Vorteil wäre indes: Die Exposition befindet sich direkt im Stadtzentrum.

Das Haus neben dem Speicher ist zwar im städtischen Eigentum, das Vorderhaus ist jedoch bereits verkauft und müsste ebenfalls gemietet werden. In den historischen Mauern in der Röntgenstraße wäre ein Museum über sechs Etagen möglich. Für einen barrierefreien Zugang müsste ein Fahrstuhl eingebaut werden, der dann aber auch gleich einen einfachen Zugang zum Speicher für Rollstuhlfahrer möglich machte. 1200 Quadratmeter stünden zur Verfügung.

In der Alten Brauerei läge der Eingang des Museums genau in der Achse der Bergstraße. Nach Angaben von Architekt Ulrich Bunnemann könnte die Ausstellung mit 4000 Quadratmetern auf einer Ebene umgesetzt werden. Und eine attraktive Infrastruktur wie ein Café wäre auch möglich. Allerdings: Sowohl die Brauerei als auch der Speicher liegen nicht an den Hauptlaufstrecken in Schwerin. Die Museumsspezialisten, die bei der Kulturwerkstatt dabei waren, sind jedoch der Meinung gewesen, dass Interessierte ein Stadtgeschichtsmuseum „aufsuchen“, also gezielt ansteuern.

Völlig offen ist die Finanzierung eines neuen Stadtgeschichtsmuseums. Die Zahlen, die der Kurator des Museums Schwedenspeicher in Stade, Herweg Kenzler, nannte, waren ernüchternd. Für die Einrichtung müssten 1000 Euro pro Quadratmeter gerechnet werden. In Gänze müssten es schon 10 Millionen sein. Viel Geld für eine Stadt, die pleite ist, zumal die laufenden Betriebskosten in diesen Summen noch nicht enthalten sind. Eine Entscheidung für oder gegen ein Stadtgeschichtsmuseum fällte die Kulturwerkstatt nicht. Das war allerdings auch nicht ihr Auftrag. Die Werkstatt war ein Anfang. Die Stadtvertretung hatte lediglich beschlossen, ein Konzept für ein Stadtgeschichtsmuseum zu erarbeiten. Ob das einmal einen der drei genannten Standorte ins Auge fasst oder das Museum doch ganz woanders angesiedelt sieht, ist noch völlig offen.

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