Schwerin : Wohin mit einer Million für Kultur?

Die Theaterfreunde wünschen sich, dass das Kultusministerium die Busse bezahlen, die Kinder zu kostenlosen Aufführungen im Mecklenburgischen Staatstheater bringen.
Die Theaterfreunde wünschen sich, dass das Kultusministerium die Busse bezahlen, die Kinder zu kostenlosen Aufführungen im Mecklenburgischen Staatstheater bringen.

Kultusminister erwartet Vorschläge – Schweriner Szene kann keine vorlegen

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14. November 2015, 08:00 Uhr

Marc Steinbach, Sprecher der Initiative Kulturratschlag Schwerin, hatte in der Einladung zum Bürgerforum die treffende Formulierung gewählt: „Über die Kunst, eine Million auszugeben.“ Rund 25 Vertreter der Schweriner Kunst- und Kulturszene hatten sich im Schleswig-Holstein-Haus versammelt, um Vorschläge zusammenzutragen, wie die von Kultusminister Mathias Brodkorb angekündigten zusätzlichen zwei Millionen Euro für den Kulturetat des Landes eingesetzt werden können.

Doch ob Schwerin ein Stück von dem Kuchen abbekommen wird, ist höchst fraglich. Denn die Versammlung konnte sich auf keinen einzigen Vorschlag einigen. Viel schlimmer noch: Es wurden gar keine ernsthaft gesucht. Stundenlang wurde über Prozeduren, Regularien, Perspektiven, Kriterien, Kuratorien, Fonds und viele andere Sachen diskutiert und die wenigen konkreten Vorschläge, die am Ende zaghaft vorgetragen wurden, fanden nicht einmal Erwähnung auf der Notiztafel im Saal. Dazu gehörte beispielsweise der Vorschlag der Theaterfreunde, die finanzielle Ausstattung des Schülerprojekts aufzustocken, damit für Schulklassen auch die Fahrt zum Theater bezahlt werden kann – modellhaft für alle Theater. Oder ein Bibliotheksbus, der die ländlichen Gemeinden im Land ansteuert.

Dabei drängt die Zeit. Bis Sonntag will der Landeskulturrat Anträge haben. Denn der Minister muss konkrete Angaben für den Haushalt 2016 haben. Immerhin einigte sich der Schweriner Kulturratschlag darauf, eine Antwort formulieren zu wollen und eine Absichtserklärung. Darin will sich die Initiative dafür aussprechen, dass ein Fonds eingerichtet werden sollte, in den die zusätzlichen Mittel eingestellt werden. Über die Verteilung könne später geredet werden.

Worum geht es im Kern? Brodkorb hatte Anfang Oktober in der Landeskulturkonferenz angekündigt, zusätzlich zwei Millionen Euro in die Kulturförderung zu investieren. „Zum einen ist mir wichtig, bestehende Einrichtungen und Projekte besser zu finanzieren. Zum anderen haben wir durch die Erhöhung des Kulturetats erstmals seit Langem die Möglichkeit, neue Initiativen, Projekte und Ideen zu fördern. Die Chance, Neues zu machen, müssen wir nutzen“, forderte Brodkorb. Doch ob die Schweriner Kulturleute das schaffen, bleibt offen. Dabei hatte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow in der Runde nochmals explizit erläutert, was der Minister erwartet. „Ich begrüße, dass das Land die Grundförderung für Kultureinrichtungen an der Basis erhöht und in den Kommunen fragt, für welche Zwecke das Geld ausgegeben werden soll. Und ich plädiere dafür, dass Investitionen in die kulturelle Infrastruktur der Kommunen fließen, dass wir endlich die Ausstattung unserer viel genutzten Kultureinrichtungen verbessern können“, sagte Gramkow.

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