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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 20:50 Uhr

Schwerin vs. Wittenburg : Wohin mit dem Outlet-Center?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin will Widerspruch gegen die Erweiterungen in Wittenburg einlegen, aber selbst ein solches Einkaufsparadies haben

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Ist der Ausbau des Alpincenters Hamburg-Wittenburg eine Gefahr für den Schweriner Einzelhandel? Sollte das Land ihn genehmigen? Die Mehrheit der Stadtvertreter sieht das so und hat den Oberbürgermeister aufgefordert, beim Land Widerspruch einzulegen (SVZ berichtete). Das war im Juli und seitdem ist es ruhig geworden, was das Thema in der Landeshauptstadt betrifft.

Das verwundert nicht. Denn der Investor für das Areal hinter der Neuen Gartenstadt an der Ludwigsluster Chaussee möchte in seinem Center, dem er schon den Namen „Schwerino“ gegeben hat, ebenfalls ein Outlet-Center errichten. Details nannte er noch keine. „Uns fehlen einfach noch Unterlagen des Investors, um hier eine Bewertung abgeben zu können“, konstatierte dann auch Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum jüngst im Hauptausschuss.

Doch selbst dann dürfte es kompliziert werden: Der Stadtvertreter-Beschluss steht, die Landeshauptstadt soll sich gegen ein Outlet in Wittenburg aussprechen, will aber selbst eins haben. Wie soll man das erklären?

Schließlich hat die Stadt bei der Suche nach stichhaltigen Argumenten gegen „Wittenburg-Village“ sogar einen externen Gutachter beauftragt. Der kommt einerseits zu dem Fazit: „Der neue Standort stellt sowohl hinsichtlich der Einzelhandels- als auch der Gastronomieausgaben eine Konkurrenz zu den bestehenden regionalen Angeboten dar.“ Andererseits stellt er die Prognosen der Wittenburg-Investoren infrage. Deren vorausgesagter Andrang von Kunden aus dem Raum Hamburg sei wenig realistisch, heißt es in dem Gutachten. Käme es jedoch zu einer Verkleinerung des Einzugsgebietes für das „Wittenburg Village“, hätten die Nachbarn mit ähnlichen Angeboten darunter zu leiden. Das Gutachten bilanziert daraus „einen Verstoß gegen das Beeinträchtigungsverbot“.

Und die Stadtvertreter? Zumindest im Hauptausschuss schienen sie in der Mehrheit nicht abgeneigt, zumindest die Schweriner Outlet-Ideen erst einmal anzuschauen. „Wenn es überhaupt ein Outlet-Center geben soll, ist es mir natürlich in Schwerin am liebsten“, sagte Linken-Urgestein Gerd Böttger. Und SPD-Stadtvertreter Daniel Meslien berichtete gar, dass die Centermanager aus der Schweriner Innenstadt ein Outlet-Center in der Gartenstadt begrüßen würden.

Auf den Punkt brachte es im Hauptausschuss Cornelia Nagel, Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen: „Es ist nicht nach außen hin vermittelbar, dass wir uns beim Land gegen eine Investition in Wittenburg auflehnen und zeitgleich selbst solch ein Center bauen wollen. Gefährdet ein Center unseren Einzelhandel oder nicht?“ Eine Antwort auf die Frage ist noch nicht gefunden. Ein Votum über den Umgang mit dem Widerspruch beim Land gab der Hauptausschuss nicht ab.

Kommentar: "Gemeinsam abwägen statt einseitig ablehnen" - von Timo Weber
Ein Outlet-Center ist eine feine Sache. Dort gibt es Markenwaren deutlich reduziert, man kann sich leicht mehrere Stunden in solch einem Center aufhalten. Es gibt Gastronomie für die Pause zwischendurch und der Parkplatz gleich vor den Geschäften ist kostenfrei. Die Diskussion um die Ansiedlung eines solchen Centers ist daher richtig. Nur: Genau dafür gibt es den Regionalen Planungsverband, in dem die Landeshauptstadt und die Landkreise mitarbeiten. Dort müssen Politiker sagen, wo das Center für Westmecklenburg am besten ist. Der Widerspruch der Schweriner Stadtvertreter gegen das Wittenburger Vorhaben hat eine sachliche Debatte im Planungsverband abgewürgt. Statt die Wogen zu glätten, zusätzlich ein eigenes Center ins Spiel zu bringen, macht die Zusammenarbeit in der Region nicht leichter. Wenn das Oberzentrum die Unterstützung der Nachbarn haben möchte, muss die Stadt die Hand reichen. Und die Landkreise müssen verinnerlichen, dass das Oberzentrum Schwerin gebraucht wird – für Kunst und Kultur, zum Einkaufen oder schlicht für einen Besuch in der Schwimmhalle oder beim Facharzt. Nur gemeinsam kommt Westmecklenburg weiter.
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