Schwerin : Woher die Azubis nehmen?

Tipps für den Start in den Job bietet in jedem Jahr der SVZ- Lehrstellentag.
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Schweriner Unternehmen suchen händeringend Lehrlinge – heute: die Schere zwischen Stellen und Bewerbern

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12. Juni 2018, 12:00 Uhr

Um Lehrlinge zu bekommen, rollen Unternehmen mittlerweile den roten Teppich aus, werben mit maßgeschneiderten Azubi-Projekten, der Finanzierung eines Führerschein oder der Unterstützung von sozialem Engagement. Warum ist es so schwierig, Auszubildende zu finden? In welchen Berufen wird Nachwuchs besonders gesucht? Diesen Fragen wollen wir in dieser Woche nachgehen und dabei vor allem Handwerksberufe unter die Lupe nehmen. Los geht es heute mit einem Blick auf die aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes.

„Keiner muss das Land verlassen. Nutzt die Chancen in Eurer Heimatregion!“ Nachdrücklich appelliert der Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Guntram Sydow, an die jungen Leute in Westmecklenburg, ihre Ausbildung in der Region zu machen. Tatsächlich sprechen die Zahlen für sich: 1331 unversorgten Bewerbern stehen 1904 freie Lehrstellen gegenüber. Angeführt wird die Liste der unbesetzten Ausbildungsplätze von den Kaufleuten im Einzelhandel, gefolgt von den Verkäufern, den Köchen, den Restaurantfachleuten und Hotelfachleuten.

Die Schere zwischen angebotenen Stellen und verfügbaren Bewerbern am Ausbildungsmarkt bleibe eine zentrale Herausforderung in Westmecklenburg, erklärt Sydow. Für Schulabgänger sei die Lage jedoch ausgesprochen positiv. „Nicht nur die Chancen auf einen Ausbildungsplatz, sondern auch auf eine spätere Übernahme waren noch nie so gut, wenn Leistungen und Noten solide sind“, so der Agentur-Leiter.

„Arbeitgeber müssen sich heute etwas einfallen lassen, wenn sie junge Leute für eine Ausbildung in ihrem Unternehmen begeistern möchten“, sagt Petra Gansen, Sprecherin der Schweriner Handwerkskammer. Dabei sei Geld nicht alles. „Die jungen Leute wollen sich gut aufgehoben fühlen, individuell gefördert werden“, so Gansen. Für das neue Lehrjahr habe die Kammer bislang 203 Lehrverträge registriert, was genau dem Vorjahresstand entspreche. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer gäbe es derzeit 318 Angebote von 239 Betrieben, so Gansen. Die am häufigsten angebotenen Lehrberufe: Elektroniker, Metallbauer, Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Friseur. Aus einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammer unter 217 Ausbildungsbetrieben geht hervor, dass bisher ein Viertel der Unternehmen seine Plätze besetzen konnte. „Unsere Betriebe werben sehr aktiv um Nachwuchs und wir unterstützen sie
mit allen Kräften dabei“, betont Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Aufgrund der sehr guten Handwerkskonjunktur und der übervollen Auftragsbücher gäbe es aber deutlich mehr Lehrstellenangebote als Bewerber. „Wichtig ist deshalb, dass in Politik und Gesellschaft die Weichen für eine massive Aufwertung der beruflichen Bildung gestellt werden“, so Hummelsheims Forderung.

Auch im Zuständigkeitsbereich der Schweriner Industrie- und Handelskammer gibt es immer noch diverse Ausbildungsmöglichkeiten. „Es ist nicht abzusehen, dass sich der Aufschwung abschwächt. Die jungen Leute haben mit einer guten Ausbildung reale Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz in der Region“, sagte IHK-Präsident Hans Thon im Mai anlässlich der Lehrstellen-Messe Nordjob in der Sport- und Kongresshalle.


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