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Widerspruch gegen Ergebnisse der Volkszählung : Wo sind die fehlenden Schweriner?

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Die Differenz zwischen der bei der Volkszählung "Zensus" ermittelten Einwohnerzahl für die Landeshauptstadt und den Daten des städtischen Einwohnermeldeamtes beschäftigt die Stadtpolitik. Denn es geht um Geld, viel Geld.

svz.de von
erstellt am 30.Jun.2013 | 07:56 Uhr

Schwerin | Die Differenz zwischen der bei der Volkszählung "Zensus" ermittelten Einwohnerzahl für die Landeshauptstadt und den Daten des städtischen Einwohnermeldeamtes beschäftigt die Stadtpolitik. Denn mehrere andere Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern haben bereits Widerspruch beim Land gegen die Ergebnisse des Zensus eingelegt. Nun prüft auch Schwerins Stadtverwaltung entsprechende Schritte. Denn es geht um Geld, viel Geld, weil die Schlüsselzuweisungen des Landes für die Kommunen nach der jeweiligen Einwohnerzahl berechnet werden.

"Wir haben ein gut aufgestelltes Einwohnermeldeamt und ein ordentlich geführtes Melderegister", betont Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Frie ders dorff. Dass statt der eingeschriebenen 95 250 Einwohner laut Zensus nur 91 293 in Schwerin wohnen, bezweifelt er. "Wir werden die bevorstehende Bundestagswahl nutzen, um anhand der Wahlbenachrichtigungen zu prüfen, ob der Fehler bei uns oder bei der Hochrechnung liegt", sagt der Vize-Verwaltungschef, der zu einem Statistik-Thema seine Doktorarbeit geschrieben hat. Er wolle nicht das alte Churchill-Zitat bemühen, nur der Statistik zu glauben, die man selbst gefälscht habe, aber aus seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit wisse er, dass bei einer Hochrechnung, und der Zensus sei eben keine klassische Zählung, sondern eine auf Stichproben basierende Hochrechnung, schon kleinste Schwankungen große Abweichungen hervorbringen können. Das sei an anderen für Schwerin veröffentlichten Daten des Zensus deutlich ablesbar. "Wir haben doch nie und nimmer 30 000 Berufsauspendler aus der Stadt", sagt Friedersdorff. Die Zahlen hätten sich in den vergangenen Jahren zwischen 8000 und 9000 bewegt. Rückendeckung erhält er bei seiner Argumentation von der Arbeitsagentur. Nach einer aktuellen Erhebung arbeiten 22 621 Schweriner direkt an ihrem Wohnort. Etwa 9000 pendeln aus. "Hier liegt bei der Zensus-Auswertung offensichtlich ein statistischer Fehler vor", sagt Friedersdorff. Und das sei möglicherweise nicht der einzige, bemerkt er mit Blick auf die Einwohnerzahl.

Unterdessen hat das Statistische Landesamt ebenfalls eingeräumt, dass durch die Praxis der Hochrechnung Ungenauigkeiten entstehen können, wie eine Mitarbeiterin des Amtes auf SVZ-Anfrage bestätigte. Dies sei auch der Grund, warum keine Zahlen zu den Berufseinpendlern nach Schwerin veröffentlicht wurden. "Dazu war die vorliegende Datenmenge einfach zu gering, um verlässliche Hochrechnungen zu dieser Rubrik machen zu können", sagte die Statistikerin.

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