Zickhusen : Wo noch die gelbe Pracht blüht

In einem satten Gelb leuchten die Felder bei Zickhusen – Landwirt Hansjörg Rotermann freuts.
In einem satten Gelb leuchten die Felder bei Zickhusen – Landwirt Hansjörg Rotermann freuts.

Auf 25 Prozent der Felder der Lübstorfer Agrargemeinschaft steht Raps – Schädlinge, neue Gesetze und Wetter setzen dem Bauerngold zu

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22. Mai 2018, 16:00 Uhr

Die gelb leuchtenden Rapsfelder in der Region lassen nicht nur bei den Einheimischen und Urlaubern die Herzen höher schlagen, auch für die Landwirte ist die Feldfrucht bislang eine sichere Bank. Ökologisch wie auch ökonomisch sorgte Raps für ein gutes Gefühl. Doch in den kommenden Jahren werde die gelbe Pracht im Land immer weniger vertreten sein, heißt es in Bauernkreisen. Hansjörg Rotermann von der Agrargemeinschaft Lübstorf will sich da noch nicht festlegen. „Klar ist, dass wir durch das Verbot des gebeizten Saatguts jetzt viel öfter auf die Felder fahren, um etwas gegen die Schädlinge zu machen“, sagt der Landwirt. Die drei neonikotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam sind nämlich nur noch im Gewächshaus erlaubt.

Rotermanns Saatgut kam ohne diese Stoffe in den Boden. Gut 25 Prozent der Ackerfläche der Agrargemeinschaft sind mit Raps bestellt. Fünf Prozent musste der Landwirt aufgrund der schlechten Aussaatbedingungen umbrechen lassen. „Das wäre nix geworden. Es war einfach zu nass“, erklärt er. Umso glücklicher ist er über die gelb blühenden Landschaften, die jetzt unter anderem die Straße zwischen Lübstorf und Zickhusen säumen. „Wir wollen gar nicht klagen. Aber es muss den Leuten klar sein, dass wir nicht alles der Natur überlassen könne. Dann ernten wir nämlich nichts“, sagt Hansjörg Rotermann mit Nachdruck. Und so wurde bereits gegen Rapserdfloh wie Kohlschotenmücke und werde bei Bedarf gegen Rapsglanzkäfer, Kohltriebrüssler, großen Rapsstängelrüssler vorgegangen. „Und bevor das Geschrei wieder groß wird: Wir arbeiten nicht gegen die Bienen, sondern sehr gut mit einem Imker zusammen. Seine Tiere stehen direkt bei uns am Rapsfeld“, sagt Hansjörg Rotermann. Und wer ihm das nicht glaube, „der kann sich gern bei der Imkerei Stöckmann in Gödenstorf erkundigen“, schiebt der Landwirt hinterher.

Während die Bienen sich Pollen bei ihm kostenfrei holen, ist Hansjörg Rotermann umso mehr bemüht, für seine Rapskörner einen guten Preis auf dem Markt zu bekommen: Erste Wahl sind die Ölmühlen in der Region. „Noch sind die Preise im Keller und wir liefern gerade die Ernte von 2017 ab. Eine eigene Mühle zu betrieben, für den Landwirt keine Frage. Und was soll ich dann mit dem Rapsöl machen? Alles Kokolores.“ Regionales Wunschdenken der Verbraucher würde sich nicht mit dem wirklichen Kaufverhalten decken. „Das wird wohl auch so bleiben“, ist er sich sicher. Deshalb produzieren Hansjörg Rotermann und seine Kollegen zwar perspektivisch wohl etwas weniger Raps, aber weiterhin für den Weltmarkt.

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