Pinnow : Wo bleibt das Wasser der Bietnitz?

Hausbrand im Juni:  Beim Löscheinsatz mussten die Feuerwehrleute das Wasser aus dem Hydranten nehmen.
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Hausbrand im Juni: Beim Löscheinsatz mussten die Feuerwehrleute das Wasser aus dem Hydranten nehmen.

Flüsschen führt kaum noch Wasser: Gemeinden Sukow und Pinnow wollen eine Untersuchung und nutzen Veto in Sachen Kiestagebau

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28. November 2017, 08:00 Uhr

Die Gemeinden Pinnow und Sukow sprechen sich gegen eine Verlagerung des Kiestagebaus bei Zietlitz aus, wollen so eine neue hydrologische Untersuchung des Quellgebietes der Bietnitz erreichen. Für Pinnows Gemeindechef Andreas Zapf ist das Veto ein Strohhalm. Die Kommunalpolitiker der Nachbargemeinden greifen allerdings nicht als Ertrinkende nach ihm. Das Gegenteil ist der Fall: Vor allem die Pinnower sitzen auf dem Trockenen. Denn das Flüsschen Bietnitz, das bei Zietlitz entspringt und dann sowohl in Richtung Stör, aber hauptsächlich in Richtung Pinnower See fließt, führt kaum noch Wasser. „Und das selbst in diesem verregneten Jahr“, wie Zapf betont.

Die Bietnitz ist dabei für die Pinnower mehr als ein kleines Rinnsal: Sie ist die offizielle Löschwasser-Entnahmestelle für große Teile des Dorfes. Doch das steht derzeit nur auf dem Papier. Das zeigte sich im Juni, als ein Einfamilienhaus brannte. Die Feuerwehrleute konnten keinen Tropfen Löschwasser aus der Bietnitz holen. Zum Glück war genügend Wasserdruck auf den Hydranten. Aber dieser Vorfall brachte für Andreas Zapf das Fass zum Überlaufen. „Denn wir hatten schon zuvor voller Sorge auf die Bietnitz geschaut“, blickt Zapf zurück. Alle Bemühungen, eine Ursache für den Wassermangel zu finden, liefen ins Leere.

Der Blick der Pinnower ging dabei auch immer in Richtung Kiestagebau Pinnow-Süd: Auf dem etwa 180 Hektar großen Areal südlich der B 321 wird seit Anfang der 1990er-Jahre Kies gewonnen, seit Mitte der 1990er-Jahre durch die Firma Otto Dörner. Die hat beim Bergamt in Stralsund jetzt eine Verlagerung der Abbaufläche beantragt. Der Tagebau soll in Zukunft mehr in Richtung Zietlitz rücken als bislang vorgesehen und genehmigt.

„Das ist nur eine geringfügige Änderung zum geprüften und genehmigten Abbau“, sagt Wolfgang Walter von der Firma Otto Dörner. Der Geologe sieht auch keine Notwendigkeit für ein neues hydrologisches Gutachten: 2011 wurde das gesamte Areal umfassend von externen Experten untersucht. Wolfgang Walter geht davon aus, dass dieses Gutachten Bestand hat. „Hinzu kommen unsere eigenen Untersuchungen“, fügt Walter an. So werde der Pegel des offenen Grundwassersees, in dem Kies abgebaut wird, an fünf Stellen gemessen. „Dort liegt der Wasserstand in diesem Jahr um 20 Zentimeter höher als im Vorjahr“, betont Walter. Dieser See hat keine direkte Verbindung zur Bietnitz, sollte er auch nie haben. Dass in dem Flüsschen weniger Wasser als vor einigen Jahren zu finden ist, müsse daher andere Ursachen haben, so der Geologe.

Wolfgang Walter rechnet damit, dass der Antrag der Firma Otto Dörner trotz der Einwände der beiden Gemeinden genehmigt wird. Die Verlagerung des Kiesabbaus soll zudem erst in einigen Jahren erfolgen. Noch sei auf dem bereits genehmigten Areal genügend Raum, den Kiesabbau im bisherigen Umfang fortzuführen.

Den Kiesabbau in Frage stellen wollten die beiden Gemeinden mit ihrem gleichlautenden Votum gegen die Umplanung ohnehin nicht. „Wir unterstützen aber die Pinnower bei der Suche nach den Ursachen für den Wassermangel in der Bietnitz“, sagt Sukows Bürgermeister Horst-Dieter Keding. Denn diesem Problem müsse endlich auf den Grund gegangen werden, betont Andreas Zapf. Da alle Bemühungen der Gemeinde in dieser Sache bislang ins Leere liefen, wurde jetzt dieser Strohhalm ergriffen, um auf das Thema aufmerksam zu machen und Druck auszuüben.

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