Schweriner Unesco-Bewerbung : Wirtschaftsfaktor Welterbetitel

Immer ein attraktives Fotomotiv: Vor dem Schloss klicken vor allem die Kameras der Touristen. Vor allem die Asiaten lieben das Schweriner „Märchenschloss“.
Immer ein attraktives Fotomotiv: Vor dem Schloss klicken vor allem die Kameras der Touristen. Vor allem die Asiaten lieben das Schweriner „Märchenschloss“.

Für das Handwerk und Tourismus würde der Unesco-Status deutliche Impulse bringen – Bauen wird nicht behindert

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10. März 2016, 04:30 Uhr

Der Welterbetitel für das Residenzensemble Schwerin – wird er ein Fluch oder kann er ein Segen sein für die Wirtschaft? Dieser Frage ging eine Veranstaltung nach, zu der die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer eingeladen hatten.

„Ich höre von Problemen, dass man nicht mehr so bauen kann, wie man möchte“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Siegbert Eisenach. „Mit dem Welterbetitel werde Schwerin in Kunstharz gegossen.“ Doch das sieht Eisenach nicht so. „Es wird eine Win-Win-Situation. Wir können das historische Ensemble besser bewahren und es gibt Impulse für die Tourismuswirtschaft“, ist sich Eisenach sicher.

Dem konnte Edgar Hummelsheim, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, nur zustimmen. „Fast 50 Handwerksberufe arbeiten in der Denkmalpflege. Denkmalschutz ist ein Wirtschaftsfaktor, ohne Wenn und Aber.“ Deshalb unterstütze die Handwerkskammer auch die Welterbebewerbung.

Welterbemanagerin Claudia Schönfeld betonte, dass „die Stadt im Wandel begriffen sein“ dürfe. Allerdings müssten schon jetzt, im Bewerbungszeitraum, Neubauvorhaben in der so genannten Kernzone mit Icomos, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege, abgestimmt werden. Beim Erweiterungsbau für das Museum habe das wunderbar funktioniert.

Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer, wies auf gelungene Neubauvorhaben hin. Die Rügenbrücke und das Ozeaneum seien solche Beispiele. Doch in den Welterbestätten Wismar und Stralsund gäbe es auch einen Gestaltungsbeirat. Solch ein Gremium, besetzt mit externem Sachverstand, sei auch in Schwerin nötig. „Von außen betrachtet ist Schwerin ganz hübsch“, so Brenncke. „Die kulturhistorische Bedeutung der Stadt ist aber weitgehend unbekannt“. Der Welterbetitel würde das ändern.

Claudia Schönfeld wies auf die Bedeutung des Titels für den Tourismus hin. „Das würde Unmengen von Touristen nach Schwerin bringen.“ Zudem belege eine Studie, dass dezentrale Welterbestätten wie Wismar und Stralsund, wo jeweils die ganze Innenstadt den besonderen Status hat, für Touristen von größerem Interesse seien, als Einzeldenkmale. Wenn Schwerin den Titel bekomme, träfe das sicherlich auch für die Landeshauptstadt zu.

Der Vorsitzende des Welterbefördervereins, Norbert Rethmann, warnte jedoch vor zu großer Euphorie. „Das ist kein kurzer Weg, den wir vor uns haben, das ist vielleicht sogar ein sehr langer Weg.“ Dabei werde die Unterstützung aus der „Nachbarschaft“ gebraucht. „Wir müssen die Bürger in Schwerin, in der Region und in ganz Mecklenburg-Vorpommern mitnehmen“, so Rethmann.

Der Antrag an die Kultusministerkonferenz, mit dem es Schwerin 2014 auf die deutsche Vorschlagsliste geschafft hatte, umfasste nur ganz wenige Seiten. Jetzt muss ein wissenschaftlich begründeter Antrag an die Unesco erarbeitet werden. Und der wird offenbar anderes umfassen, als das bisherige Papier. „Wir müssen den Pfaffenteich und das Arsenal mit in die Kernzone aufnehmen“, sagte Claudia Schönfeld.

Die Veranstaltung im Ludwig-Bölkow-Haus war gedacht für die Wirtschaft. Gekommen waren aber Ruheständler, Vereinsvorsitzende und Funktionäre. Von der Wirtschaft war kaum eine Handvoll Vertreter präsent.

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